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(c) schloss-wartholz.at

 

 

2.08.2020

Schloß Wartholz, Reichenau

MY FAIR LADY  

In der herrlichen Landschaft des Schwarzatales, unterhalb des mächtigen Rax-Massivs liegt auf einem kleinen Hügel zwischen Reichenau und Hirschwang das 1870 bis 1872 von Erzherzog Karl Ludwig, dem Bruder von Kaiser Franz Josef , erbaute Schloß Wartholz.  Otto von Habsburg , Sohn von Kaiserin Zita und Kaiser Karl , dem letzten österreichischen Kaiser, der das Schloß privat geerbt  und sich da gerne aufgehalten hatte, wurde dort geboren, nach Besitzerwechsel – z.B. das Land NÖ , einem Architekten – steht es nun seit 2001 im Besitz der Familie Blazek, die die angeschlossene Gärtnerei und Landschaftspflege betreibt, die Gebäude am Areal stil- und liebevoll renoviert hat und einem eine Art Feeling der „guaden, oiden Zeit“ vermittelt. Seit einigen Jahren schon bringen sich Michaela und Christian Blazek in der Kulturszene bemerkenswert ein, haben z.B. einen Literatursalon gegründet , wo bedeutende Veranstaltungen und Wettbewerbe organisiert werden, es gab auch Konzerte u. a. m. , heuer erstmals ein gebündeltes Sommerprogramm unter dem Namen „SommerSalon Wartholz 2020“. Neben Andrea Jonasson kann bzw konnte man Elisabeth Leonskaja, Barbara Moser, die Gebrüder Kutrowatz érleben, diverse „Themen“-Liederabende, und vieles mehr, und auch zwei szenische Produktionen, ab 14. 08. Leoncavallos „I Pagliacci“ und zur Zeit Frederick Loewes  Musical „My fair Lady“. Eine doppelt begrüßenswerte Initiative und nicht genug zu loben der Mut der Familie Blazek, gerade in diesen schwierigen Zeiten so ein neues Festival zu starten!

Diese 4. Aufführung der Produktion stand meteorologisch unter keinem guten Stern: nach der Hitzeperiode der vergangenen Tage braute es sich just am Sonntag über der Rax zusammen, und die – prognostizierte – Regenfront von Westen traf punktgenau um 19.30 Uhr ein. Nachdem die ersten beiden Abende im Literatursalon über die Bühne gehen mussten, konnte die dritte endlich im Freien gespielt werden, von der berichtete Christian Blazek kurz vor der Begrüßung und versprach dem Publikum einen magischen Abend, wenn es dem – laut Wetterwarte nur leichten – Regen trotzen würde….Nun, die Mehrheit des erfreulich zahlreich erschienenen Publikums sprach sich – „per acclamationem“ auch dafür aus, und so erlebte man die Aufführung im wahrsten Sinne „rund um Schloß Wartholz“. Man hatte auf drei Seiten des Hauses die jeweils identische  – coronabedingt großzügige – Anzahl Sesseln postiert, und das Publikum wurde einige Male zu „Szenenwechseln“ gebeten. Durch den dann doch über zwei Dritteln der Dauer mal leichteren, mal kräftigen Regen war das eine gewisse Herausforderung, doch waren die Veranstalter so etwas von rührig und besorgt um das Wohlbefinden der Besucher, wie ich es noch kaum wo erlebt habe. Da schleppten Frauen Decken heran, jeder der wollte wurde mit einer beteilt, junge Frauen und Männer mit Küchenrollen bewaffnet wischten eifrig die Sessel trocken, gegen Ende erschienen sogar Statisten mit einem halben Dutzend riesiger Gastgartenschirme, mischten sich unters Publikum und deckten so einen Teil der Zuschauer ab. Auch der Besitzer, Christian Blazek und seine Frau waren sich nicht zu schade und legten mit Hand an, wischten, putzten, wieselten sehr umsichtig herum , halfen speziell auch älteren und nicht so fiten Menschen beim Platzwechsel. Für Spielort, Idee der Aufführungsart und Wohlfühlatmosphäre eine absolute Eins!

Das Instrumentalensemble (es wurde ein Arrangement für 7 Instrumente geboten)  wurde von Pantelis Kogiamis mit Schwung dirigiert  – auch die Musiker mussten natürlich mitwandern, zwei halbwegs regengeschützte Plätze waren dafür eingerichtet – und der Kontakt zu den Interpreten klappte vorzüglich. Mit einfachen Versatzstücken wurde vor den Fassaden der  jeweilige Spielort angedeutet – eine absolut stimmungsvolle Kulisse. Als zusätzliches Schmankerl fuhr der Hausherr selbst, mit einem echten Oldtimer, die Herrschaften zum Pferderennen nach Ascot…

Das Ensemble selbst agierte sehr bemüht und es gab am Schluss freundlichen Applaus – wenig Szenen Applaus, aber auch, weil die meisten Leute mit Schirm dort sassen,  und es sich damit schlecht klatschen lässt. Apropos Schirme – die Verwendung davon müsste man auch hier – wie überall bei allen anderen Festivals auch!  – untersagen, man sieht dann teilweise gar nichts mehr!

Peter Doss war der sehr britisch-trockene und äußerst rüpelhafte Prof. Higgins , der seiner Frau, die gleichzeitig als Spielleiterin fungierte, Ekaterina Doss-Hayetskaya, als Eliza zwar den ordinären Slang abgewöhnen konnte, aber nicht ganz den „russischen“ , was eine gewissen aparten Touch mit sich brachte. Die sowohl  als Blumenmädchen, als auch als Dame optisch blendende Figur machende Moldawierin servierte ihre Schlager gekonnt, wird sich aber stimmlich  als Nedda sicherlich wohler fühlen als hier im Musical. Der ihr von Beginn an weitaus mehr zugetanere Oberst Pickering wurde von Gerhard  Doss rollendeckend dargeboten, ebenso zufriedenstellend erfüllte Monika Schmatzberger ihre Aufgaben als Mrs. Pearce, Mrs. Eynsford-Hill und Mrs. Hopkins. Das „Vokalensemble“ machte seine Sache recht ordentlich.

Drei Darsteller verdienen besondere Erwähnung: als alter Säufer Doolittle verstand es Heinz Rank eine authentische Figur aus Fleisch únd Blut auf die Bühne zu stellen, der sowohl seine musikalischen Schlager vom Glück und von der Hochzeit als auch seine Prosa köstlich servierte und zu Recht dafür besonders akklamiert wurde. Lukas Johann als Freddy bekam sogar ein paar „Bravos“ ab, die durch seine fast „belkantesk“ zu nennende Wiedergabe seines Schlagers von der „Straße, wo sie lebt“ auch völlig verdient waren. Und für einen, wenn auch leider kurzen Glanzpunkt ( man bedauerte, dass die Rollenicht länger war ) sorgte Mrs. Higgins: Anna Moik-Stötzer begeisterte durch ihre Sprache! Die mit Abstand am besten Artikulierende gestaltete ihre Auftritte mit einer Grandezza und Souveränität, die es heute kaum mehr gibt! Brava ! (Ein bissl hat sie mich an Marianne Schönauer erinnert…).

Nun summa summarum ein schöner, wenn auch sehr langer Abend  – ein paar Kürzungen , speziell im letzten Bild, hätte das Stück wohl vertragen. Die grundsätzliche Frage ist ja überhaupt, ob es gerade Musical sein muss, das man hier bringt, eine klassische Wiener Operette würde vom Ambiente wohl viel besser passen, und sicher beim Publikum noch mehr ankommen. Und auch beim – im Gegensatz zur „Lady“ sehr kurzen „Bajazzo“ ( der alleine ja kaum  gegeben wird! ) stellt sich die Frage, ob gerade dieses – von mir geliebte, aber ein großes Verismo-Orchester erfordernde – Werk das Geeignete für diesen wunderbaren Ort ist. Aber vorerst sollte man die Initiative der Familie Blazek unterstützen und nach Wartholz fahren, damit es im nächsten Sommer wieder Musik an diesem zauberhaften Ort geben wird.

Michael Tanzler, 7.8.2020

Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online (Wien)

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