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(c) Gerard Proust             Opéra de Tours       Palazzetto Bru Zane

 

 

 

Jacques Offenbach

LES FEES DU RHIN

2. Oktober 2018

„Erstaufführung“ als Auftakt des Offenbach-Jahres des Palazzetto Bru Zane

Tours ist ein wunderschönes, etwas verschlafenes Städtchen am Ufer der Loire, nur 1 Stunde südlich von Paris. In der teilweise mittelalterlichen Altstadt herrscht noch die Atmosphäre, die so meisterhaft durch Honoré de Balzac beschrieben wurde, der 1799 in Tours geboren wurde. Vor dem Musée des Beaux-Arts steht noch immer einer der größten Zedernbäume Frankreichs: 1804 zur Krönung von Napoleon gepflanzt und nun 31 m hoch und 33 m breit. In den alten Mauern gibt es auch viel moderne Kunst. Das Schloss von Tours wurde eine Zweigstelle des Pariser Jeu de Paume, das hier anspruchsvolle Foto-Ausstellungen präsentiert, und im Centre de Création Contemporaine Olivier Debré gibt es absolut zeitgenössische Kunst. Auch die Oper spielt ein unerwartet modernes Programm. Das imposante 1872 eröffnete „Grand Théâtre“ – dreimal so hoch wie alle umstehenden Häuser – wurde dem sich damals im Bau befindlichen Palais Garnier „nachempfunden“: genau der gleiche Saal und eine ähnliche riesige Freitreppe. Ein prachtvolles Ambiente mit einer wunderbaren Akustik, in denen der vor zwei Jahren angetretene neue Direktor Benjamin Pionnier ein ambitioniertes und interessantes Programm bietet.

Zur Spielzeit-Eröffnung gibt es die „Rheinnixen“ von Offenbach, zum ersten Mal szenisch in Frankreich und zum allerersten Mal in ihrer bis dato noch nie gespielten französischen Fassung. Denn die „Große romantische Oper in vier Akten“ wurde – so das Programmheft - am 4. Februar 1864 an der „Hofoper“ in Wien uraufgeführt (war es nicht das Kärtnertortheater?). Doch die Uraufführung ging gründlich schief, angeblich weil der Tenor Alois Ander an „Gehirnschwund“ litt und seine Rolle nicht auswendig lernen konnte, weswegen die vier Akte auf zwei zusammengekürzt werden mussten. Eduard Hanslick – Vorbild des allerersten „Merkers“ - schrieb eine vernichtende Kritik, wonach sich die „Rheinnixen“ in beleidigtes Schweigen hüllten und Offenbach die Partitur zerriss – und die besten Stücke in anderen Opern und Balletten einsetzte. Erst 138 Jahre später schaffte der Offenbach-Spezialist Jean-Christophe Keck die Original-Partitur zu rekonstruieren und folgte 2002 die erste vollständige konzertante Aufführung und Platteneinspielung im Festival Radio France de Montpellier, wonach das Werk schon an mehreren Europäischen Opernhäusern gespielt wurde. Für die erste szenische Aufführung in Frankreich wurde nun mit wissenschaftlicher Unterstützung des Palazzetto Bru Zane das ursprüngliche französische Libretto von Charles Nuitter rekonstruiert, das Alfred von Wolzogen für Wien ins Deutsche übersetzt hatte. Doch da dieses nur noch fragmetarisch bestand, musste ein gewisser Christophe Mirambeau Vieles aus dem Deutschen ins Französische zurückübersetzen. Was für ein Aufwand!

Die größte Überraschung des Abends ist die Ouvertüre: ein kleines Raunen geht durch den Zuschauerraum, weil alle sich fragen, ob der Dirigent versehentlich die falsche Partitur genommen hat: denn das ist haargenau die berühmte „Barcarole“ von „ Les contes d’Hoffmann“, nur dass hier nicht eine Liebesnacht auf einer Venezianischen Gondel mit einer Kurtisane besungen wird, sondern die Seelen von keuschen deutschen Mädchen die unglücklich aus Liebe gestorben sind. Die „Rheinnixen“ sind eine „große romantische Oper“ mit einer Handlung, die deutlich an die damals sehr beliebten Gespenster-Ballette anlehnt, wie „Giselle“ von Adolphe Adam oder „Le Lac des Fées“ von Auber (damals 130 Mal in Wien gespielt). Musikkenner konnten schmunzeln: da hörten wir bekannte Melodien, wie Hoffmanns Trinklied, mit einer völlig anderen Aussage - Beweis, dass man die unterschiedlichsten Inhalte auf die gleiche Musik projizieren kann.

Aber man kann sie nur bedingt anders inszenieren. So wie bei der ersten szenischen Aufführung der „Rheinnixen“ in Deutschland, 2005 in Trier, wurde hier ein junger Regisseur gewählt, der die Märchenoper partout aktualisieren und politisieren wollte. Sowie sein deutscher Kollege verlegte Pierre-Emmanuel Rousseau (auch sein eigener Ausstatter) die Handlung in die jüngsten Balkan-Kriege und es wurde den ganzen Abend mit Maschinengewehren und Pistolen gefuchtelt und auch noch geschossen. Als Schlussbild gab es kein Happy-End, sondern alle wurden gnadenlos erschossen. Das einzig Positive an dieser zwischen Belanglosigkeit und Stümperhaftigkeit changierenden Regie, war, dass die Ballette nicht gestrichen wurden. Sie wurden vor einem Tüllvorhang gespielt, auf den die Videastin Charlotte Rousseau feinfühlig rauschende Blätterkronen projizierte, wohinter man sich mühelos die tanzenden und hüpfenden Rheinnixen vorstellen konnte. Das Dirigat von Benjamin Pionnier war leider genauso brutal und unnuanciert wie die Regie. Von „Waldweben“ keine Spur, Pionnier setzte auf Lautstärke und blieb (fast) den ganzen Abend auf „forte“ und „fortissimo“. Wollte er damit die Schwächen seines Orchesters und seiner meist jungen Sänger übertönen? Diese boten zwar schönes Material, doch wenn sie den ganzen Abend „forcieren“, wird es für alle sehr anstrengend – auch fürs Publikum. Wir hatten nur Mitleid für Serenad Burcu Uyar als Armgard/Laura und Marie Gautrot als Hedwig (die als Einzige nicht heiser wurden). Jean-Luc Ballestra sang als Bösewicht Conrad von Wenckheim am lautesten, gefolgt durch Marc Larcher (als Gottfried). Sebastien Droy hatte als Franz überhaupt keine Stimme mehr. War er vollkommen indisponiert oder liegt ein Fluch auf dieser Tenorrolle, wie schon 1864 bei der Uraufführung? Wir haben uns gefreut, dass Tours nun „Die Rheinnixen“ und nicht „Rheingold“ gespielt hat, doch die französische Fassung hat uns nicht überzeugt (ein langes und interessantes Thema) und wir hätten lieber Offenbach-Spezialisten im Graben und auf der Bühne gehört und gesehen.

Spezialisten, Spezialitäten und Raritäten wird es noch viele in dieser Spielzeit geben, denn das Palazzetto Bru Zane will den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach, am 20. Juni 1819 in Köln geboren, gebührend feiern. So wie immer gibt es „Unbekanntes von Bekannten“, wie der wissenschaftliche Direktor Alexandre Dratwicki es formuliert. Er organisierte zeitgleich zu den „Fées du Rhin“ in Tours ein kleines Festival in Venedig, das er nicht ohne Schmunzeln „L’Amour à la française“ getauft hat. Denn die Liebe ist „auf Französisch“ um einiges verwickelter und verspielter als „auf Deutsch“ – und Offenbach hat dieses Thema vergnüglich ausgekostet in vielen kleinen Lustspielen, die genauso vergessen sind wie seine ersten Opern. Diesen Lustspielen von Offenbach und anderen Komponisten - in Venedig wurden nun „Sauvons la caisse“ von Charles Lecocq und „Faust et Marguerite“ von Frédéric Barbier vorgestellt – wird ein eigenes Festival in Paris gewidmet werden, im Théâtre Marigny auf den Champs-Elysées - genau dort wo einst das allererste Theater von Offenbach gestanden hat. Dort werden u.a. im Januar die sehr lustigen „Les deux aveugles“ von Offenbach gespielt werden. Im Juni folgen die vollkommen vergessenen großen Opéra Bouffes „Maître Péronilla“ und „Madame Favart“ (Spätwerke aus 1878). Auch im Juni ein internationales Offenbach-Symposium an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Doch erst einmal, noch in diesem Monat Oktober: „La Périchole“ in Bordeaux. Wir werden darüber berichten!

Waldemar Kamer 8.10.2018

Bilder (c) Sandra Daveau

 

 

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