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WUPPERTAL Theater am Engelsgarten

(c) Frank Becker

 

Vom Kitsch befreit

„Der kleine Lord“ als musikalische Burleske

Inszenierung: Henner Kallmeyer - Musikalische Leitung: William Shaw – Choreografie: Sophia Otto – Bühne: Franziska Gebhardt – Kostüme: Silke Rekort – Dramaturgie: Elisabeth Wahle – Regieassistenz: Jonas Willardt – Inspizienz: Charlotte Bischoff – Regiehospitanz: Louis Droß

Besetzung: Julia Meier (Cedric) - Andreas Rother (Dick / Higgins / Silberschweif (Ein Pferd) / Tedric) - Martin Petschan (Mr. Hobbs / Graf von Dorincourt) - Silvia Munzón López (Eine Kundin / Cedrics Mutter / Dougal (Ein Hund) / Fredric) - Konstantin Rickert (Dicks Partner / Mr Havisham / Mokka (Ein Pony) / Die falsche Gräfin)

Musikerinnen des Sinfonieorchester Wuppertal unter Leitung von William Shaw begleiten sämtliche Vorstellungen live.

Dauer: ca. 1 Stunde, 15 Minuten, keine Pause

 

 

Mitunter möchte man als Kritiker gar nicht ins Theater gehen, wenn das Stück von vornherein Widerwillen auslöst. Wie z.B. „Der kleine Lord (Little Lord Fauntleroy)“ nach dem Roman von Frances Hodgson Burnett aus dem Jahr 1886, ein süßlicher Stoff, der Jahr um Jahr zur Weihnachtszeit bis zum Erbrechen von zig Fernsehsendern über die Bildschirme geschickt wird. Kitsch eben und das in höchster Potenz. Gut, also Augen zu und durch! Und dann die Überraschung: Es geht auch anders! Die Wuppertaler Inszenierung von Henner Kallmeyer, die gestern im Theater am Engelsgarten vor ausverkauftem Haus ihre Premiere feierte, zeigte das mit bunten Bildern, schrägen Einfällen, Live-Musik und vor allem mit einem Ensemble aus Vollblut-Schauspielern, das mit derart überbordender Spielfreude über die kleine Bühne wirbelte, daß weder Kitsch noch Langeweile aufkommen konnten.

Schnell die Geschichte: Der Junge Cedric aus Brooklyn (Julia Meier) lebt zufrieden in New York, wenn auch in bescheidenen Verhältnissen. Er hat Freunde, auf die er zählen kann und eine Mutter (Silvia Munzón López), die ihn liebt. Was braucht man mehr? Doch unerwartet meldet sich aus England durch seinen Sekretär Mr. Havisham (Konstantin Rickert) sein Großvater, Earl of Dorincourt (Martin Petschan) und erklärt, daß Cedric der einzige Erbe seines Adelstitels und Vermögens sei.

Cedric soll nach England kommen und das Erbe antreten. Von Cedrics unstandesgemäßer Mutter will der Graf nichts wissen. Cedric folgt dem Rat der Mutter und geht nach England, wo er auf den griesgrämigen Großvater und den patenten Bauern Higgins (Andreas Rother) trifft – und die adlige Welt auf den Kopf stellt.

Ein Geheimnis verrate ich, zumal oben bereits erwähnt, nicht, wenn ich erzähle, daß bei dieser Inszenierung nicht der süße Honigseim aus allen Poren trieft. Hier wird virtuos mit den überkommenen Klischees und Schablonen gespielt, hier wird Kitsch durch Komik ersetzt, hier schaffen Musik, Choreographie, phantastische blitzschnelle Umzüge, schnelle Rollen-, Kostüm- und Maskenwechsel pausenlos amüsante Bilder, ohne die Geschichte zu verändern. Sie wird halt nur anders, besser erzählt. Wer dabei wen spielt und jedes Mal anders aussieht, entnehmen Sie bitte der Besetzung unten. Die gelungene orchestrale Live-Begleitung und vor allem die turbulenten tänzerischen Eingangs- und Zwischensequenzen lassen immer wieder Eindrücke alter Stummfilmzeiten aufblitzen. Ein weiteres Plus.

Henner Kallmeyer hat die Figuren mit viel Witz ein wenig gegen den Strich gebürstet: Julia Meyer gibt von Anfang an einen sympathisch selbstbewußten jungen Burschen, übrigens nicht das erste Mal, daß es als Hosenrolle für ein Mädchen, pardon, eine Frau inszeniert wurde. Martin Petschan, in den wunderbaren Masken von Silke Rekort, die auch für die herrlichen Kostüme steht, kaum zu erkennen, wird in seinem Part als Earl als eine skurrile Mischung als Ebenezer Scrooge und Dr. Cagligari vorgeführt, und Konstantin Rickert (was für eine Drag-Queen!) und Andreas Rother (ein Cowboy mit Schuhbürste) zeigen sich in ihren vielen Rollen als Komödianten von Rang.

Den Vogel aber schießt Silvia Munzón López ab, die in den Brooklyn-Szenen als Cedrics Mutter eine wie aus Mel´s Drive-In („American Graffiti“) gesprungene Serviererin auf Rollschuhen gibt, als einfältige hochschwangere Kundin von Mr. Hobbs´ Gemischtwarenladen burlesk brillert, als der stumm butlernde Hund Dougal und als wie aus Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ geschnittener Fredric alle Register des Schauspiels zieht.

Es ist eine höchst gelungene, witzig à jour gebrachte Umsetzung des 130 Jahre alten Stoffs, die gleichermaßen dem gebannten jungen wie dem amüsierten erwachsenen Publikum Freude macht. Die zahllosen Vorhänge nach der Premeire sprechen eine deutliche Sprache. Eine Empfehlung der Musenblätter.

 

Frank Becker 18.11.2019 / Musenblaetter.de

Bilder © Uwe Schinkel

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de