DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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Liebe Opernfreund-Leser!

YOUTUBE ist eine wahre Juwelen-Sammlung nicht nur für Opernfreunde. Es gibt in den letzten hundert Jahren kaum ein Ereignis, was nicht irgendwie oder irgendwo ein Ton/Bilddokument hinterließ. Das meiste ist bei YOUTUBE dokumentiert. Die Gesamtmenge ist unüberschaubar. Ab sofort sichten wir für Sie interessante sehenswerte Dokumente der Klassik und Oper. Und wenn diese hier aufgeführt werden, dann lohnt sich das Anklicken wirklich. Wir haben es für Sie angeschaut, oder schwelgen in Erinnerungen. Es gibt auch Nichtklassisches ;-) Egal was, wie und von wo - Es ist stets für die hier schreibenden Opernfreund-Redakteure eine Herzensangelegenheit.

Viel Spaß wünscht Ihr OPERNFREUND-Team

 

 

Oberon

Mit den Opern Carl Maria Webers tut man sich heute ungemein schwer. „Euryanthe“ ist in ihrer Vergilbtheit wohl auf ewig dem Archivschlaf anheim gegeben, „Freischütz“ besitzt viel Deutungspotential, welches aber von kaum einer Inszenierung in letzter Zeit angemessen genutzt wurde. Bei „Oberon“ hilft immerhin das märchenhafte Ambiente – theoretisch. Man mache mal die Probe aufs Exempel mit der DDR-Verfilmung von 1962 (Fassung: Erich Geiger), dirigiert von Heinz Fricke und mit Ingeborg Wenglor und Martin Ritzmann als Protagonistenpaar https://www.youtube.com/watch?v=kaPeXQ_7kl8. Vermutlich bleibt man besser bei reinen Tonaufnahmen wie der unter John Eliot Gardiner (2005) mit Hillevi Martinpelto und Jonas Kaufmann, auch die historische Einspielung des WDR unter Joseph Keilberth (1953) sei empfohlen, schon wegen Leonie Rysaneks Rezia https://www.youtube.com/watch?v=4nneUzjqko0. Ihre Ozean-Arie separat:

https://www.youtube.com/watch?v=FiyA66q3_-0. Auch die Ouvertüre behält Repertoirewert. Bruno Walter hat sie oft dirigiert.

https://www.youtube.com/watch?v=tIooqW8WM60 bietet ein Filmdokument, leider undatiert und ohne Angabe des Orchesters. Bei Arthur Nikisch (1913) ist das London Symphony Orchestra freilich aktenkundig https://www.youtube.com/watch?v=BkSOwH4haqI. Die Ozean-Arie wäre mit vielen prominenten Einspielungen zu belegen. Genannt sei u.a. die von Maria Callas (1962) https://www.youtube.com/watch?v=8ERAydgZjTg. Im Zusammenhang mit Nikisch sei auf die wohl früheste greifbare Aufnahme verwiesen, der mit der großen Tragödin Anna Bahr-Mildenburg, 1904 mit Klavierbegleitung, wie damals Usus https://www.youtube.com/watch?v=XlVI9dFraGc . Die Arie des Hüon „Von Jugend auf im Kampfgefild“ hat wohl niemand gesanglich so perfekt gestaltet wie Nicolai Gedda, der in einem Recital unter der Stabführung von Heinrich Bender zu Beginn der sechziger Jahre auch sonst mehrfach über sein lyrisches Fach hinausging https://www.youtube.com/watch?v=xSJuQVnhneQ. Ergänzt sei diese Aufnahme mit einer von Helge Rosvaenge. 1937 hat er die Szene am Reichssender Berlin unter Joseph Keilberth ins Mikrophon gesungen https://www.youtube.com/watch?v=eXenYc7Osss. Mehr als zwanzig Jahre später (exakt am 30. Mai 1959) präsentierte er diese Arie im Wiener Musikverein, stimmlich noch immer ungemein potent https://www.youtube.com/watch?v=kYOTQGikkAA. Aber seine Karriere hatte im Grunde ihr Ende gefunden, wegen „brauner“ Vergangenheit und Karajans Favorisierung von Originalsprachen, welche Rosvaenge nicht beherrschte. Als finales Musikbeispiel sei Fatimes Arie „Arabien, mein Heimatland“ angefügt, interessant wegen der russischen Herkunft. Alisa Kolosova 2013 live, begleitet vom "Musica Viva"-Orchester unter Alexandr Rudin https://www.youtube.com/watch?v=RcVPfV3N30U.

 

Christoph Zimmermann (17.11.2018)

 

Havergal Brian

der unbekannte große englische Komponist

Zur Vita - Brian komponierte sagenhafte 31 große Sinfonien. Seine Erste die Gotische

war gleich das gigantischste Werk; es enthält unter anderem ein komplettes Te Deum für vier Soli, zwei große Doppelchöre und vier separate Blechbläsergruppen und fordert einen gewaltigen Orchesterapparat, der die extremsten Anforderungen von Gustav Mahler, Richard Strauss und Arnold Schönberg übertrifft. Auch die meisten anderen Sinfonien hatten Mahler-Format.

Es gehört zu den großen Rätseln der Musikgeschichte warum man diese Musik praktisch nie hört. Ich verstehe es überhaupt nicht, denn der Stil Brians bedient sich zwar einer zuweilen dissonanten Harmonik, ab die Tonalität wird teils bis nahe an die Atonalität erweitert und ist gut rezipierbar. Brian schätzte unter anderem Arnold Schönberg, Edgar Varèse oder Paul Hindemith sehr

Hören Sie  bitte hinein, denn es lohnt sich sehr. Dank an eine Welten-Sammlung wie Youtube, obwohl es mittlerweile Einiges auf CD gibt. Und, verehrte Konzertbesucher in aller Welt, fragen Sie mal ihren GMD oder andere für Konzerte Verantwortliche, warum diese grandiose Musik nicht bzw. nie aufgeführt wird - vor allem bei dem Kappes, den wir uns gelegentlich anhören müssen an so titulierten Uraufführungen, Entdeckungen und Raritätenausgrabungen. Brians Musik hat große unbestreitbare Qualität. Hier noch ein besonderes Schmankerl: Das Finale der 1. Sinfonie - immerhin bei den Proms 2011. Gott sei Dank sind sehr viele Werke nun auf Youtube abrufbar - und das ist nicht nur gut so, sondern wunderba...

 

Peter Bilsing 12.11.2018

 

 

Felicity Lott

Eine Engländerin, welche besonders im Strauss-Fach reüssiert – wer mag das sein? Felicity Lott. Zwei Beweise: „Rosenkavalier“-Finale, Wiener Staatsoper 1994 unter Carlos Kleiber und mit Barbara Bonney und Anne-Sofie von Otter https://www.youtube.com/watch?v=BFjFXbhil5Y sowie aus dem Liedbereich der selten zu hörende Gesang der Apollopriesterin

https://www.youtube.com/watch?v=l1yR-qsf7o8. Ihr Bühnendebüt gab die Sopranistin 1975 an der ENO als Pamina. „Ach, ich fühl’s“ im Folgenden aus Glyndebourne drei Jahre später https://www.youtube.com/watch?v=r6E9EHUlL7E (ab 0’40). Als britische Sängerin engagierte sich Felicity Lott natürlich stark für Britten: „Peter Grimes“ etwa https://www.youtube.com/watch?v=MxxwKb61GH4 und „Midsummer Night’s Dream“ https://www.youtube.com/watch?v=uC-Pqo8g8B0. Hinzugefügt sei noch das Lied „Dawn“ von Gustav Holst; wie so häufig Partner am Klavier: Studienkollege Graham Johnson https://www.youtube.com/watch?v=ojWtV4cNejI. Die Spannweite von Felicity Lotts Repertoire bewegt sich zwischen barockem Vivaldi https://www.youtube.com/watch?v=_JUvVVZHCgk und Strawinsky, neoklassizistisch wie bei ,„Rake’s Progress“, beispielsweise in Glyndebourne 1975, https://www.youtube.com/watch?v=D6vyhgDirN4 . Die attraktive und darstellerisch fulminante Sängerin bewegt sich gerne im Bereich der Operette, war auch im vorgerücktem Alter eine wirklich „Schöne Helena“ https://www.youtube.com/watch?v=0KI_IhUEdTU und ironisierte sich als „Grande-Duchesse de Gerolstein“ https://www.youtube.com/watch?v=U1lQJ4Oc_VY. Rarität 2011 bei einem Liederabend in Tokio war die Carmen-Habanera, aber mit der Musik von André Messager https://www.youtube.com/watch?v=tIPsFEYqlZ0. Mehr Schwergewichtiges gibt es mit Wagners Liebestod in kammermusikalischer Bearbeitung https://www.youtube.com/watch?v=9dN7D9KneMI oder auch Mahler https://www.youtube.com/watch?v=nSiDof9LkoA. Zum Schluß sei Humor auf die Spitze getrieben: Rossinis Katzenduett bei den BBS-Proms 1996 mit Ann Murray https://www.youtube.com/watch?v=9tWr6ma5bQ0

 

Christoph Zimmermann (11.11.2018)

 

 

 

Elisabeth Grümmer

Sie war eine „deutsche“ Sängerin schlechthin. Ihre bis in späte Jahre hinein erhaltene „Jungfrauen“-Stimme prädestinierte sie für „holde“ Frauengestalten, zu denen zuvörderst Webers Agathe gehört. Die EMI-Gesamtaufnahme des „Freischütz“ unter Joseph Keilberth ist so bekannt, daß an dieser Stelle lieber auf die WDR-Kleiber-Aufnahme von 1955 hingewiesen sei https://www.youtube.com/watch?v=iu81rus3mRM. Auch die Innigkeit von Mozarts Pamina lag der Sopranistin bestens in der Kehle. Wiederum Verweis auf eine ebenfalls 1955 entstandene Rundfunkaufnahme des HR unter Georg Solti https://www.youtube.com/watch?v=q7QeWS-bAB4. Umso stärker erstaunt Elisabeth Grümmers flammende Elettra in „Idomeneo“ bei den Salzburger Festspielen 1961 unter Ferenc Fricsay https://www.youtube.com/watch?v=tiX3lHrNRAY. Auch im Mezzo-Bereich überzeugte die Künstlerin. Den Abendsegen in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ nahm sie 1953 an der Seite von Elisabeth Schwarzkopf unter Herbert von Karajan auf https://www.youtube.com/watch?v=LnxHE--qsh4, und vor der Marschallin im „Rosenkavalier“ von Strauss (z.B. Berlin 1959 https://www.youtube.com/watch?v=TPwlrR2gnmQ)

verkörperte sie den Schwerenöter Octavian in einem Münchner Konzert unter Erich Kleiber. An dem Finale des 1. Aktes war auch Maria Reining beteiligt https://www.youtube.com/watch?v=Q_lYZbkckLg. Manche Rolleninterpretationen hat Elisabeth Grümmer wohl nur auf Schallplatte hinterlassen, so die Mignon von Ambroise Thomas https://www.youtube.com/watch?v=fUW6gXuwV64

oder die Marguérite in Gounods Oper https://www.youtube.com/watch?v=EH3F_CEgMDMm, was der EMI-Rührigkeit in den fünfziger Jahren zu danken ist. Die Micaela in Bizets „Carmen“ verkörperte Elisabeth Grümmer in einer BR- Gesamtaufnahme unter Eugen Jochum. Das Duett mit Don José https://www.youtube.com/watch?v=Q3P9kzG_A1g. Rudolf Schock war einer frühen Stereo-Aufnahme auch ihr Partner in Verdis „Otello“ https://www.youtube.com/watch?v=ruqkH2iy14w, ein Jahrzehnt zuvor in einer gekürzten Einspielung von Tschaikowskys „Pique Dame“. Lisas Arie https://www.youtube.com/watch?v=0m1e_WkfU-M . Wagner darf nicht unterschlagen werden, zumal Elisabeth Grümmer lange Jahre bei den Bayreuther Festspielen auftrat, etwa 1960 als Eva in den „Meistersingern“ neben Josef Greindl https://www.youtube.com/watch?v=RwVqsqVnCNU. Umfangreich war auch das Konzertrepertoire der Sängerin. Nur zwei Beispiele: Griegs Solveig in „Peer Gynt“ https://www.youtube.com/watch?v=gdEIWRpmlL8 oder  "Zum Schlafen" von Max Reger, etwa 1951 mit dem relativ unbekannten Kurt Kiermeir als Klavierpartner entstanden. https://www.youtube.com/watch?v=f72J8Tbdp_c. Einen besonders schönen Abschluß der hier vorgestellten Aufnahmen dürften die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss sein, eine Berliner Spätaufnahme unter Richard Kraus https://www.youtube.com/watch?v=5DM2BBfD4lU

 

Christoph Zimmermann 13.10.2018

 

 

Bayreuth im blauen Bock

Das waren noch Zeiten: als die „Heroinen“ und „Heroen“ des Wagnergesangs in Unterhaltungssendungen wie dem „Blauen Bock“ einige Perlen der sog. „Leichten Muse“ zum Besten gaben. Astrid Varnay (eine der besten ihres Fachs, die schon 1951 die Bayreuther Brünnhilde sang), Wolfgang Windgassen auch er ein Mann der ersten Stunde Neu-Bayreuths), Erwin Wohlfahrt und Gustav Neidlinger (zwei weitere Lieblinge Wieland Wagners) waren sich nicht zu schade, um bei Heinz Schenk den Bembel zu schwenken. Wenn Jonas Kaufmann und andere bekannte Sänger der Gegenwart sich heute dem Liedgut der 20er Jahre widmen, ist das eine relativ normale Sache – damals signalisierte der Auftritt von Wagner-Sängern derartiger Kaliber etwas zugleich Außergewöhnliches wie Normales: dass sich die Sänger des „ernsten“ Repertoires nicht zu schade waren, für ein Massenpublikum die (gute!) Unterhaltungsmusik zu bedienen und gleichzeitig zu beweisen, dass man verdammt viel Spaß haben kann, wenn man die für den Tag komponierten Lieder auf höchstem Niveau ins Massenmedium bringt. Wie schön, dass einiges davon festgehalten wurde!

Frank Piontek 11.10.2019

 

 

 

Montserrat Caballé in memoriam

Am 6. Oktober starb die spanische Sopranistin, gesundheitlich seit längerem stark angeschlagen. Dennoch war sie in diesem Jahr noch in Kiew aufgetreten, wo sie mit einer Kollegin das Katzenduett sang, freilich im Rollstuhl. Beides wird von dem technisch miserablen Bildmitschnitt nicht verbindlich vermittelt https://www.youtube.com/watch?v=6K5m0yYz-Jg (ab 23‘00). Man muß dem Titel halt einfach glauben. Die Künstlerin brauchte offenbar die Öffentlichkeit wie das täglich Brot, sonst hätte sie ihre Karriere nicht so lange fortgesetzt. Die Auftritte mit Tochter Montserrat Marti gerieten dabei mitunter an die Grenzen der Erträglichkeit, man nehme nur das kitschige „Leise rieselt der Schnee“ von 2010 https://www.youtube.com/watch?v=EKB2wAYZTYw. Die Auftritte mit Freddie Mercury besaßen hingegen ein ganz anderes Kaliber https://www.youtube.com/watch?v=F-nD_uoK2PE. Der künstlerische Durchbruch von Montserrat Caballé war 1965, als sie in New York für Marilyn Horne in Donizettis „Lucrezia Borgia“ einsprang. Danach legte man sie auf das italienische Fach fest, was ihr gar nicht recht war. Zu Beginn und im Herbst ihrer Karriere widmete sie sich engagiert vielen Opernraritäten. Auch Cileas „Adriana Lecouvreur“ gehört zu den Randwerken. Bühnenauftritt 1967 in Tokio https://www.youtube.com/watch?v=-MIMa_4KZnM. Lassen wir die vielen dokumentierten „Casta Divas“ beiseite und beschränken uns für’s Italienische auf Puccinis „Turandot“, weil die Sopranistin sowohl die lyrische Liu verkörperte wie 1975 in einem Konzert in Barcelona https://www.youtube.com/watch?v=OIIDnoxQr74 als auch zwei Jahre später die Titelpartie in San Francisco. Der komplette Mitschnitt https://www.youtube.com/watch?v=7cMwIAirZQY zeigt Standfotos. In französischer Musik war Montserrat Caballé auch zu Hause. Debussys „Beau soir“ ist gleichzeitig ein Zeugnis für ihren Liedgesang https://www.youtube.com/watch?v=TDKO8fVaF4A. Zu ihren allerersten Partien auf der Bühne gehörte die Salome. Man muß es als Glücksfall bezeichnen, daß eine vollständige Aufführung aus Basel (hier Caballés erstes Engagement 1956-1959) erhalten ist https://www.youtube.com/watch?v=B2XapYUZu7k. Das war 1957. Ein später Auftritt in dieser Partie erfolgte 1989 in Barcelona https://www.youtube.com/watch?v=DINWRmwY0c0. Die Sängerin befand sich nahezu aktionslos auf einem hinteren Podest, die Inszenierung war primär choreografisch konzipiert. Montserrat Caballés prominente Tenorpartner sollten nicht ungenannt bleiben: Carreras 1989 klavierbegleitet im Brindisi aus „Traviata“ in Moskau, Pavarotti im Schlußduett aus „Andrea Chenier“ https://www.youtube.com/watch?v=Pl9JMD3VbJk und Placido Domingo 1992 in Manuel Panellas „El gato montes“ https://www.youtube.com/watch?v=UuUYyyzuhhI. Die Diva war bekannt für ihren Humor, u.a. zu erleben 2007 bei einem Sprechrollenauftritt incl. Präsentation von „g’Schätzli“ in Donzettis „Fille du régiment“ an der Wiener Staatsoper. Der Tonqualität wegen ist die Gesamtaufführung https://www.youtube.com/watch?v=lT1q_s88yyU zu empfehlen. Caballés Auftritte ab 116’50 und 157’25. Ob auch Parodistisches nach ihrem Geschmack gewesen wäre? Hildegard Bachmann & Frank Golischewski als Montserrat Caballé bei Mombacher Bohnebeitel 2017 https://www.youtube.com/watch?v=m0d4-nqeKvE.

 

Christoph Zimmermann (7.10.2018)

 

Nicolai Gedda

Er war fraglos einer der größten Tenöre, wird sogar von Jürgen Kesting regelrecht in den Himmel gehoben (siehe TV-Porträt https://www.youtube.com/watch?v=UDQOjaiaX1g). Von den unzähligen Aufnahmen und Mitschnitten sollen an dieser Stelle vornehmlich Raritäten erwähnt sein. Das bekannte Münchner Recital von 1967 darf dennoch nicht unter den Tisch fallen, denn mit Webers Hüon beweist der Sänger auch heldische Qualitäten https://www.youtube.com/watch?v=xSJuQVnhneQ, zu welchen die Pianissimi von Goldmarks Assads (bis zum hohen C) raffiniert kontrastieren https://www.youtube.com/watch?v=QF4N4hFlVi4. Wagners Lohengrin war freilich eine Grenze. Bayreuth wollte Gedda haben, aber die Pausen zwischen den Vorstellungen waren diesem zu kurz. Für die Partie muß man also auf die auch sonst hoch besetzte Stockholmer Aufführung von 1966 zurückgreifen (Finale: https://www.youtube.com/watch?v=HSsW4zzJDqI). Das früheste Gedda-Recital dürfe das von 1953 sein (italienische und französische Opernarien)  https://www.youtube.com/watch?v=ZFxERNILXqg. Ein besonders spätes mit Klavierbegleitung fand 1990 in Triest statt https://www.youtube.com/watch?v=zSk6SUDWgIU. Es enthält auch Lieder aus Operetten, ein Genre, welches Gedda besonders liebte. Weitere Beispiele hierfür: Lehárs „Paganini“ 1987 mit Elisabet Söderström in Stockholm https://www.youtube.com/watch?v=Vc7OmlrLIJg, „Lustige Witwe“ mit Tochter Tania https://www.youtube.com/watch?v=_kKY_fBo1NU, Kálmáns „Csárdásfürstin mit Margareta Hallin (nur 30 Sekunden) https://www.youtube.com/watch?v=5w_e4M0ybtY oder auch das komplette Bernstein-Musical „Candide“, 1989 unter des Komponisten Leitung https://www.youtube.com/watch?v=fkXufOQmvyE. Von Mozarts „Entführung“ gibt es natürlich den Belmonte, u.a. englisch beim Bath Festival 1967 unter Yehudi Menuhins Dirigat, aber auch die Pedrillo-Serenade 1957 unter André Cluytens https://www.youtube.com/watch?v=ymbxoCllRjM, fraglos ein persönlicher Spaß. Der Dirigent betreute auch die beiden „Faust“-Aufnahmen Geddas (mit Angeles und Christoff); weniger bekannt dürfte die 1963er Verfilmung der Finalszene mit Lisa della Casa sein https://www.youtube.com/watch?v=19R-Kk0ThGA. Immer wieder hat sich Nicolai Gedda für Raritäten stark gemacht, so noch 1992 in Berlin für Korngolds „Wunder der Heliane“ https://www.youtube.com/watch?v=jdGvTs8EzXY oder ein Jahr zuvor für eine Aufnahme von Johann Gottlieb Naumans „Gustav Wasa“ https://www.youtube.com/watch?v=t1XXyUfge9U. im Bereich Lied sei Brittens Serenade erwähnt, 1968 live in New York https://www.youtube.com/watch?v=KxNqo4QcIu4. 1969/70 wirkte der Sänger bei einer Bonner Aufführung von Beethovens Oratorium „Christus am Ölberg“ mit https://www.youtube.com/watch?v=epsGeVTdezg. Zum Schluß ein sehr illustratives Beispiel für die pädagogische Arbeit Nicolais Geddas https://www.youtube.com/watch?v=zOQj4U_ATv4. Welch ein erfülltes Leben.

 

Christoph Zimmermann (3.10.2018)

 

 

 

Die Deutsche Nationalhymne

- Beim FED-CUP auf Hawai: Falscher Text

- Beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft "brüh im Lichte..."

- Nochmal deutsche Natinalmannschaft: diesmal die DDR Hymne

- Einmalig: Das ägyptische Militärorchester

- Wer zum Teufel ist Annemarie Eilfeld ? Aber: gut gesungen !

- auf dem selbstspielenden Piano Forte mit Verzierungen

- auf Arabisch

- hier ist eine schöne Rockversion

- Was die deutschen Fußballer wirklich singen...

- New 2018: the political correct version !!!

- Die Kindergarten-Comicvariante - einfach ganz, ganz süß ;-)))))

 

- Mit dem Blasmusik Massenchor in Volmaringen 2011

- HEINO singt alle Strophen - immerhin schön bebildert

- Die Stimmen der Berge

- das macht ein brillanter Musiker wie James Last damit

- die Schöder Variante: Einigkeit und Recht auf Freizeit

- und zum Schluß DAS ORIGINAL !!!

- Nein ! Das ist es - und alle, alle, alle singen mit - wie schön ;-))))

 

 

P.S.

Die Sendung mit der Maus erzählt die Historie - sehr schön und kurz

 

(Zusammengesucht vom Herausgeber - am 3. Mai 2018)

 

 

Der Barbier von Bagdad

Die „komische“ Oper ist heutzutage nicht sonderlich en vogue. Ein Meisterwerk dieses Genres hatte es aber schon früher besonders schwer: der „Barbier von Bagdad“ von Peter Cornelius. Dabei kann man über diese geniale Oper nur schwärmen, vor allem, wenn sie derart superb interpretiert wird wie 1956 unter Erich Leinsdorf. Die Gesamtaufnahme ist preiswert verfügbar. Von den vielen Youtube-Ausschnitten hier das Duett Margiana-Nureddin (Schwarzkopf/Gedda) https://www.youtube.com/watch?v=zeyQ-sBcw5k. Von weiteren Gesamtaufnahmen sei die unter Joseph Keilberth beim Westdeutschen Rundfunk 1951 (Anny Schlemm, Rudolf Schock, Kurt Böhme) erwähnt https://www.youtube.com/watch?v=Jg3Wocy0Jpo. Die Originalbänder wurden nämlich gelöscht, ein anonymer Radiomitschnitt hat die Einspielung jedoch überleben lassen. Kurt Böhmes Abul Hassan wurde später (1957) nochmal in einem Duett mit Fritz Wunderlich festgehalten https://www.youtube.com/watch?v=eU4v5ilt83Q. Auch Rudolf Schocks Nureddin gibt es in mehreren Versionen, so in dem oben erwähnten Duett, jetzt aber mit Lore Hoffmann (NDR 1951) https://www.youtube.com/watch?v=crd7i_-_-bs. Am gleichen Sender stand 1950 auch Anton Dermota als Nureddin vor dem Funkmikrophon https://www.youtube.com/watch?v=MVR5k0jxfSY. Nehmen wir für das Duett als besonders historischere Einspielung noch die Interpretation des Sängerehepaares Maria Ivogün/Karl Erb hinzu https://www.youtube.com/watch?v=Vid_iwYvtUY. Das virtuos-witzige Libretto des Komponisten Cornelius wird nicht zuletzt bei den Szenen des Titelhelden evident. Der Monolog „So schwärmet Jugend“ hier mit Paul Knüpfer https://www.youtube.com/watch?v=UE3l7iYjDrE und Michael Bohnen https://www.youtube.com/watch?v=yQ6-MSX86GM. Höhepunkt ist natürlich das Finale „Salem aleikum“, besonders bei einem so voluminösen Bassisten wie Kurt Moll https://www.youtube.com/watch?v=5RMZzn8zCaU. Zur Abrundung noch die Ouvertüre mit dem Bayerischen Staatsorchester unter Hans Knappertsbusch https://www.youtube.com/watch?v=XM7wYkDqD1M, der 2. Akt aus der japanischen Erstaufführung der Oper 2003 (deutsch gesungen) https://www.youtube.com/watch?v=uMSJ3PyoZt0, das Duett Nureddin-Abul in ungarischer Sprache mit János Kerekes, Mihály Székely und dem Budapest Symphony Orchestra https://www.youtube.com/watch?v=NvOdng-fa_M sowie eine Fantasie über Motive der Oper von Ferruccio Busoni in einer Berliner Aufnahme mit der Pianistin Ira Maria Witoschynskyj https://www.youtube.com/watch?v=YKtMXTYPY_

 

(Christoph Zimmermann 17.9.2018)

 

 

 

Bernd Weikl im Interview

samt Filmschätzen aus den letzten 40 Jahren

 

Bernd Weikl hat im Vorjahr seinen 75. Geburtstag gefeiert - da gab es auch im Opernfreund ein ausführliches Interview, das hier nachzulesen ist.

Gleichsam als Nachklang zu den vielfältigen Geburtstagswürdigungen hat nun dieser Tage der auf vielen Sachgebieten kompetent tätige österreichische  Autor und Journalist Werner Huemer ein sehenswertes 75-Minuten-Filmporträt des großen Künstlers veröffentlicht, in dem sich Bernd Weikl zu vielen Themen in seiner bekannt pointierten und offenen Art äußert. Der Interviewer Werner Huemer steuert das Gespräch geschickt und hält sich unaufdringlich im Hintergrund. Allein schon wegen der zahlreichen historischen Filmausschnitte ist das Filmportrait für jeden Opernfreund von immensem Interesse - etwa die Arabella mit Gundula Janowitz unter Georg Solti. 

Natürlich gibt es auch den Sachs (Bayreuth 1984), den Kurwenal (unter Leonard Bernstein, 1981), den Jochanaan (unter Karl Böhm, 1974) und so manches mehr. Die Ausschnitte aus Weikls Regiearbeit verdeutlichen, was er unter zeitgemäßer Opernregie versteht. Die Liedaufnahmen in freier Natur - Hugo Wolfs Italienisches Liederbuch oder Gustav Mahlers Des Antonius von Padua Fischpredigt - erscheinen mir allerdings eher als eine für den heutigen Standard der Liedinterpretation nicht mehr zeitgemäße Kuriosität. Aber bei allen ausgewählten Beispielen erfreut man sich des prachtvollen und stets vorbildlich wortdeutlichen Organs des großen Bernd Weikl.

Also: https://youtu.be/7FKyD8YLXUg

Es lohnt sich unbedingt, diese -  wie in der Ankündigung betont ist - „nicht gewinnorientiert produzierte Dokumentation“  anzusehen - sie gehört wahrhaft in die Youtube- Welkulturerbe-Schatzkiste! 

Hermann Becke, 6. 9. 2018

 

Peter Hofmann

Vor einigen Wochen strahlte der TV-Sender Alpha nochmals den konzertanten „Tristan“ unter Leonard Bernstein (München 1981) aus. Neben Hildegard Behrens, Yvonne Minton, Bernd Weikl und Hans Sotin gehörte Peter Hofmann zu den führenden Interpreten. Ausschnitt https://www.youtube.com/watch?v=QpbX1Wgn_Qc. An dem gut aussehenden Sänger faszinierte auch das baritonal gefärbte Timbre, wie es heute einem Jonas Kaufmann eigen ist. Die Laufbahn des Sängers begann mit Mozarts Tamino in Lübeck (1972), nachfolgende Jahre in Wuppertal wurden vom Rezensenten äußerst positiv erlebt (u.a. mit Klebes „Ein wahrer Held“). Eine besondere Wagner-Eignung des Sängers bewies sich beim Siegmund und Parsifal, die nachfolgende Bayreuth-Karriere war ohne Frage vorgeprägt. Im Chéreau-„Ring“ war Peter Hofmann der Siegmund https://www.youtube.com/watch?v=NB5e62wSjEQ, er verkörperte weiterhin Lohengrin https://www.youtube.com/watch?v=5MXEuKhlnLM und Parsifal https://www.youtube.com/watch?v=d4O8maqEiK4, den sich auch Herbert von Karajan für seine CD-Aufnahme nicht entgehen ließ https://www.youtube.com/watch?v=t1KTL9dq0ww. Unter Georg Solti war Hofmann Beethovens Florestan https://www.youtube.com/watch?v=m0PvIUV4YJw, nahm auch an der Giulini-Einspielung von Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ teil https://www.youtube.com/watch?v=eLT5UC4Qq8Q. Außer Wagner ist von dem Sänger nur wenig Opernrepertoire dokumentiert. Bizets Don José stammt aus einer TV-Aufzeichnung, wobei die Sängerin der Titelpartie nicht zu identifizieren ist https://www.youtube.com/watch?v=JZSpc7wEJ-I

https://www.youtube.com/watch?v=wvoM63XQwh4. Puccinis Cavaradossi ist auf einem vergriffenen Arien-Recital von 1988 zu hören https://www.youtube.com/watch?v=dURRPVjEqb0

Die Musik von Verdis „Rigoletto“-Herzog klingt ziemlich verpopt https://www.youtube.com/watch?v=xtGQh0_Egaw. Auf Pop und Rock konzentrierte sich Peter Hofmann dann auch in seiner Spätkarriere, machte mit dem Musical „Das Phantom der Oper“ Furore – der Ausschnitt htts://www.youtube.com/watch?v=Vwk2aPVV_nI wird übrigens angesagt von dem kürzlich verstorbenen Dieter Thomas Heck. Auch mit seiner zeitweiligen Gattin Deborah Sasson ließ wich Hofmann mit leichter Muse hören https://www.youtube.com/watch?v=zKufnrMty7s. Erwähnt sei noch, daß der Sänger bei den Bad Segeberger Karl-May-Festspielen als Old Firehand zu sehen war. Tribut an vokale Verschleißerscheinungen? Im Jahre 2000 unternahm Peter Hofmann nochmals eine Konzerttournee mit weihnachtlicher Musik. Zehn Jahre später starb er.

Christoph Zimmermann (12.9..2018)

 

 

Humperdincks Königskinder

Was die vergangene Opernsaison betrifft, so wurde der Oper Bonn für ihren fantasievollen Spielplan viel Kritikerlob zuteil. In der kommenden dürfte vermutlich das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen den Sieg davon tragen, stehen doch Humperdincks „Königskinder, Bizets „Perlenfischer“ und Weinbergers „Schwanda“ zu erwarten. Daß der Autor dieser Zeilen die beiden erstgenannten Werke zu seinen Lieblingsopern zählt, sei en passant zu erwähnen erlaubt. Als Erstes zur November-Premiere der „Königskinder“. Das Werk kam zunächst als Melodram heraus, wurde dann aber zur vollgültigen Oper umgearbeitet. Bei der Met-Premiere 1910 waren Geraldine Farrar und Hermann Jadlowker die Protagonisten. Ein Jahr später folgte die Deutsche Erstaufführung in Berlin unter Leo Blech.

Drei Aufnahmen der Sopranistin Lola Artot de Padilla (ein Duett mit Karl Jörn) dürften im Zusammenhang mit dieser Aufführung entstanden sein https://www.youtube.com/watch?v=ouL4jg4Dg9A, https://www.youtube.com/watch?v=P6y_suyCzJ4, https://www.youtube.com/watch?v=AISwFJTv6OM. Für die Szene der Gänsemagd „Ach, bin ich allein“ setzte sich auch Claire Dux ein https://www.youtube.com/watch?v=VwtxnQraf5k.

Die Plattenindustrie bevorzugte allerdings die kantablen Soli des Spielmanns. Das „Wohin bist du gegangen“ gibt es mit Nicola Geisse-Winkel https://www.youtube.com/watch?v=Vyj2JqF_1fg. Extrem langsam und intonatorisch vage kann die Interpretation von 1912 kaum befriedigen, dabei war der Bariton hoch angesehen, wirkte u.a. 1910 bei der Uraufführung von Gustav Mahlers „Sinfonie der Tausend“ mit. Spielmanns letzten Gesang gibt es aus dem historischen Zeitalter mit Friedrich Brodersen https://www.youtube.com/watch?v=AeDi5opcbco (Edison-Zylinder), Gerhard Hüsch https://www.youtube.com/watch?v=uu9uzUpQ_xA und Hans Reinmar https://www.youtube.com/watch?v=Cf5ibruJl10.

Der Spielmann war eine Art Paraderolle für Hermann Prey. Vor der Gesamtaufnahme unter Heinz Wallberg interpretierte er das „Verdorben, gestorben“ mit dem Bielefelder Kinderchor https://www.youtube.com/watch?v=91OuuWKfT0w, etwas später (1961) mit dem Berliner Mozart-Chor. Weiterhin haben Horst Günther https://www.youtube.com/watch?v=pkwEqMqL0pc, Eberhard Wächter https://www.youtube.com/watch?v=Pthrv3QBE_c und Matthias Goerne https://www.youtube.com/watch?v=utt2qztm9gk dieses Finale eingespielt.

Die Popularität von „Hänsel und Gretel“ haben die „Königskinder“ zwar nicht erreichen können, dennoch gehört die wahrhaft zu Herzen gehende Oper zu den schönsten romantischen Hervorbringungen. Nach 1945 gab es Aufführungen u.a. in Wuppertal, Aachen, Münster und (besonders hinreißende Inszenierung) in Wiesbaden.

An das Engagement des Theaters Hagen vor einigen Jahren erinnert erfreulicherweise eine Szene mit Dominik Wortig https://www.youtube.com/watch?v=e5-6fL70J40. Mit höchst unterschiedlichem Timbre kontrastieren zwei Darsteller des Königssohnes, nämlich Klaus Florian Vogt (mit Juliane Banse in einer Studioproduktion unter Ingo Metzmacher) https://www.youtube.com/watch?v=sP318qOA13Y und Jonas Kaufmann (mit Isabel Rey in Zürich 2008, Dirigent wiederum Metzmacher). Besonders rührend https://www.youtube.com/watch?v=OQxCwKvX0Nk.

Von den Gesamtaufnahmen der Oper ist die WDR-Einspielung von 1952 hervorzuheben. Die vor allem in Köln wirkende Käthe Möller-Siepermann ist die Inkarnation einer „reinen Jungfrau“, Peter Anders gibt mit heldentenoralem Affekt den Königssohn, Dietrich Fischer-Dieskau mit der von ihm bekannten Intellektualität den Spielmann.

Christoph Zimmermann (1.9..2018)

 

 

In memoriam Inge Borkh

Am 26. August ist hochbetagt die dramatische Sopranistin Inge Borkh gestorben. Ihr Name verbindet sich vor allem mit den Strauss-Protagonistinnen Salome und Elektra. Durch die reichhaltigen Youtube-Offerten sollte sich jeder einen individuellen Weg bahnen. An dieser Stelle lieber ein Hinweis auf ihre Färberin (München 1963 https://www.youtube.com/watch?v=hQlTSv-kyJM). Mit der Czipra im „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß hatte die Sängerkarriere von Inge Borkh in Luzern 1940 eher untypisch begonnen, was akustisch jedoch mit Frühaufnahmen u.a. aus Millöckers „Dubarry“ https://www.youtube.com/watch?v=FnpBlJNq-hg und Lehárs „Eva“ https://www.youtube.com/watch?v=ye6-PGDEqEY belegt ist. Zuvor war sie als Schauspielerin aufgetreten, was sie in späten Jahren wiederholte. Und als Chansonsängerin offerierte sie ihre Memoiren https://www.youtube.com/watch?v=dfD7MfoZWcw&list=PLACW9ne-a3MxfuNXdC3SnTSXk0xiDRvrY, denn „Ich komm‘ nicht vom Theater los“ (Titel ihrer Autobiografie). Erstaunlicherweise ist Inge Borkh an einige Partien vorbei gegangen, welche ihr gelegen haben müßten, so Puccinis Tosca (dafür Platten-„Turandot“ neben Tebaldi und Monaco https://www.youtube.com/watch?v=BGQI175Ebyg) oder Wagners Kundry (dafür Sieglinde 1952 in Bayreuth https://www.youtube.com/watch?v=IXmYoaPEE3k. Natürlich kein Mozart, wohl aber Cherubinis „Medea“ https://www.youtube.com/watch?v=Rl4aBfuNkZI und Glucks aulidische Klytämnetra (1962 unter Böhm) https://www.youtube.com/watch?v=VNSWqQVDJ3c. Bei Verdi stand der Rollenentscheid für die Lady Macbeth natürlich zu erwarten; Bankett-Szene 1967 in New Orleans mit Cornell MacNeill https://www.youtube.com/watch?v=jK9v17ktfjs. Die Aida blieb hingegen eher eine Randpartie (Duett mit Gatte Alexander Welitsch als Amonasro beim SDR https://www.youtube.com/watch?v=XEt5z3RXV_Y. In einem ihrer Plattenrecitals gestattete sich Inge Bork sogar dezidiert Lyrisches wie Dvoraks Rusalka https://www.youtube.com/watch?v=hi3Ysp-ScNk&list=OLAK5uy_njHwUxVhmpGrDYLRNfM4fXxEM8aE1fIY8. Besondere Raritäten waren u.a. Webers „Euryanthe“ (Florenz 1954 https://www.youtube.com/watch?v=gf7nAVTuMqw  oder Schillings‘ „Mona Lisa“ in Berlin https://www.youtube.com/watch?v=c2AM1cGyOso. Von den nicht wenigen Partien Inge Borkhs aus dem zeitgenössischen Repertoire seien Menottis „Konsul“ https://www.youtube.com/watch?v=9sKooOEvO6U, Schostakowitschs „Lada Macbeth (!) von Mzensk“ https://www.youtube.com/watch?v=ia6SlG8GeoY und – nochmals Lady Macbeth – die Oper von Ernest Bloch (Genf 1968) genannt. Von letzterer ein Ausschnitt bei August Everdings „Dacapo“ https://www.youtube.com/watch?v=i9i0UeWEM88. Konzertantes: Beethovens „Ah perfido“ unter Krips https://www.youtube.com/watch?v=zXPP7mLPW5A und 9. Sinfonie (unter Leibowitz) https://www.youtube.com/watch?v=zXPP7mLPW5A , Schönbergs „Gurre-Lieder“ unter Kubelik https://www.youtube.com/watch?v=0gUesPoSzfs oder auch – eine Entdeckung – die „Vier letzten Lieder“ von Strauss unter Leitner https://www.youtube.com/watch?v=x2JL3d05T0A. Dem Bariton Konrad Jarnot gesellte sich die Sängerin bei einer Aufnahme der Magelone-Lieder von Brahms als Rezitatorin an die Seite. Ein reiches Künstlerleben, welches nun zuende gegangen ist.                         Christoph Zimmermann (28.8.2018)

 

Ausgesuchte Leonard Bernstein Dokumente

Ich habe als bekennender Bernstein-Fan aus den wahrscheinlich tausend existierenden Dokus und Aufzeichnungen Einige herausgesucht, die mir besonders am Herzen liegen. Beim Finale der zweiten Mahler z.B. habe ich heute noch stets Tränen in den Augen und mein Herz schlägt bis zum Hals. Das Schöne an den Young Peoples Concert Aufzeichnungen ist, daß man keine deutschen Untertitel braucht. Lenny spricht ein exzellentes Englisch! Viel Spass          Peter Bilsing  25.8.2018

 

Rhapsody in Blue

Candide Ouverture

Young Peoples Concerts: What is melody

Finale Mahler 2.

Young Peopls Concerts: Holst Die Planeten

Sinfonische Tänze

Who is Leonard Bernstein ?

Mahler 5. - Adagietto

Leonard Bernstein at Harvard University

Wagner Prelude & Liebestod

Young Peoples Concerts: What does Music mean ?

 

 

EINE FLORENTINISCHE TRAGÖDIE

Alles was Oper hat und ist binnen 75 Minuten

 

"Ist die ganze mächtige Welt in dieses Zimmers Umfang eingeengt, und hat drei Seelen als Bewohner nur? So sei der dürftige Raum jetzt eine Weltenbühne, wo Herrscher fall´n und unser tatlos Leben der Einsatz wird, um den Gott spielt."

 

Ja, liebe Opernfreunde, heute habe ich leider nur einen TRAILER zu bieten, nämlich das Finale von Zemlisnskys FLORENTINISCHER TRAGÖDIE in einer werktreuen Produktion von 2017 aus Amsterdam. Grandios! Gänsehaut pur. Leider gibt es seit 1981 nur ganz ganz wenige Inszenierungen, welche das Werk - purer Oscar Wilde ! in Musik - wirklich ernst nahmen und nicht verhunzten. Hier ist ein Beispiel dafür.

Dieses Werk hat alles, was die Gattung Oper haben muß und auszeichnet: Leidenschaft, Liebe, Eifersucht, Hass, Rache und Mord. Was sich dabei an Dramatik abspielt ist der pure Wahnsinn. Nur drei Sänger, eine kleine Bühne und das Universum des lebens erschließt sich mit traumhafter spätromantischer Musik. Noch gibt es das Maß der Dinge an CD Aufnahme, nämlich die historische Ausgrabung von 1981 Hamburg / Gerd Albrecht. Ich bin damls extra nach Hamburg gefahren und werde diese tolle Produktion nie vergessen. Wirklich schade, daß es davon keine DVD gibt. Hier noch ein Link zur Besprechung in der ZEIT.

Daß in Asterdam das Jahrhundertwerk nun zusammen mit meiner zweiten Lieblingskurzoper GIANNI SCHICCI aufgeführt wurde ist ein Geniestreich. Leider haben wir darüber wohl nicht berichtet, was mich nachträglich noch schwer erschüttert.                                                herzlichst  Ihr Peter Bilsing (Hrg.)

 

P.S. Es sei mir noch ein Hinweis auf eine total verhunzte Produktion an der Rheinoper Düsseldorf erlaubt - übrigends das einzige Mail, daß ich als Kritiker aufgestanden bin uns lauthals buhte bis mir die Stimme brach ;-) !

 

 

Gralserzählungen

Der Bayreuther „Lohengrin“ Piotr Beczala wurde nicht nur aufgrund seines Einspringens gefeiert, sondern auch wegen seiner als ideal erachteten Interpretation, was eine Grenzwertigkeit dieser Partie für ihn freilich nicht in Abrede stellt. Dies gilt auch für Nicolai Gedda (Stockholmer Rollendebüt 1966), während sein ebenfalls lyrisch ausgerichteter Landsmann Gösta Winbergh über etwas mehr Power verfügt (Paris 1996) , was auch für die „Nordmänner!“ Torsten Ralf (1945) , Jussi Björling und Set Svanholm (San Francisco 1950 mit Radioansage)  gilt.

In einer Fernsehaufzeichnung von 1951 präsentiert sich der 61jährige Lauritz Melchior, Wagner-Recke vom Dienst, nicht nur an der Met. Kraftvoll wie er geben sich auch italienische Tenöre, so Mario del Monaco (neben dieser deutsch gesungenen Einspielung gibt es auch eine italienische) oder auch Gino Penno (Neapel 1954, live).

Der Spanier Plácido Domingo, als diesjähriger „Walküren“-Dirigent in Bayreuth erfolglos, war schon immer auf Wagner aus. Sein Lohengrin an der Wiener Staatsopper 1990 findet sich bei . Im gleichen Jahr verkörperte Paul Frey den Schwanenritter In Bayreuth, woran zu erinnern sich wirklich lohnt.

In der Schellack-Ära war die Gralserzählung ein Hit. Zwei Beispiele: der aus einer jüdischen Familie stammende Hermann Jadlowker (1908) und der stark auf Wagner fokussierte Heinrich Knote (19299 . Beide Sänger mühen sich etwas in der Höhe. Die Diskografie der Gralserzählung ist außerordentlich international: Frankreich: u.a. George Thill und René Maison (Teatro Colon 1936, Dirigent: Emigrant Fritz Busch). England: Walter Widdop. Am Abend vor seinem Tod (1949) sang er noch Lohengrins Abschied in der Londoner Royal Albert Hall. Rußland: Ivan Koslovsky zweimal, Moskau 1949 und 1973 als Siebzigjähriger. Noch im Alter von 90 Jahren war er in der Öffentlichkeit zu hören.

Ungarn: Zoltán Závodszky oder auch József Simándy. Griechenland offeriert den 1933 geborenen Panagiotis Smyrneos, der – deutsch singend und klavierbegleitet – auf del Monacos Spuren wandelt . Es gibt noch weitere Entdeckungen zu machen.

Christoph Zimmermann (18.8.2018)

 

P.S. weitere Entdeckungen

Der Opernfreund Herausgeber erlaubt sich auch noch auf weitere bemerkenswerte und durchaus außergewöhnliche Graserzählungen hin zu weisen; jedenfalls gefallen diese mir alle ;-)                                                                    Ihr   Peter Bilsing

a.) Peter Anders

b.) Sandor Konya

c.) Wolfgang Windgassen

d.) Rene Kollo

e.) Rudolf Schock

f.) Marcel Wittrich

g.) Francisco Araiza

h.) Eberhard Büchner

 

Franz Fehringer 

Allrounder geht es kaum

In der Fülle von Rundfunk-(teilweise auch Platten)-Einspielungen wird der Tenor Franz Fehringer kaum zu übertreffen sein. Der 1915 in der Nähe Heidelbergs geborene Sänger machte anfangs eine Bühnenkarriere, wurde nach 1945 aber vor allem durch den Rundfunk bekannt (Frankfurt, Köln, München u.a.). Daß er sich gerne der Operette widmete, sollte seine enorme Opernkompetenz nicht vergessen machen, oft mit ausgesprochenen Raritäten wie Schumanns „Genoveva“ beim SDR 1951 https://www.youtube.com/watch?v=42MHzaG-ktc. In d’Alberts „Tiefland“ stand er zusammen mit Max Lorenz vor den Mikrophonen des HR https://www.youtube.com/watch?v=yIdKa1auaGs. Fehringer war ein dezidiert lyrischer Tenor. Drei Operettenbespiele: Lehárs „Blaue Mazur“, 1958 mit Anny Schlemm beim BR https://www.youtube.com/watch?v=MR7di3cnAcA, drei Jahre zuvor Kálmáns „Zirkusprinzessin“ in Köln mit der charismatischen Sari Barabas unter Franz Marszalek. Der spielte 1956 auch „Adrienne“ des von ihm hochgeschätzten Walter W. Goetze ein. Das Duett „Es flüstert der Nachtwind“ mit der auf der Operette konzentrierten Sopranistin Herta Talmar bezeichnete Fehringer einmal als eine seiner gelungensten Aufnahmen https://www.youtube.com/watch?v=T0JeJqjyaT4. Daß er auch mit Humor aufzuwarten verstand, zeigt eine Szene aus Kreislers „Sissy“, deren Musik auf dem Kleinen Wiener Marsch beruht. https://www.youtube.com/watch?v=7ZXbLigJS14. Lebendige Funkoperette 1955. Letztlich war Fehringer mit seiner leicht melancholischen Stimme aber doch bei moll-getönter Musik wie Künnekes „Die roten Blätter rauschen“ zu Hause (aus den „Lönsliedern“) https://www.youtube.com/watch?v=INK9nuSH3zE

Christoph Zimmermann (15.8.2018)

 

Jean Cox

Strahlemann-Siegfried

Ein Amerikaner in Bayreuth (1956-1984). Hier wie auch anderswo war Wagners Siegfried die Signatur-Rolle des amerikanischen Tenors. Mit seinem athletischen Körperwuchs, seiner üppigen Haarpracht, seiner ungestümen Darstellung und seiner von jungenhaftem Flair geprägten Stimme war er die Inkarnation eines tumben Toren. Vokal nachzuprüfen in einer Szene mit Liane Synek, deren Stimme man übrigens nicht erkennt https://www.youtube.com/watch?v=dH8iqKR5H0k , Berit Lindholm https://www.youtube.com/watch?v=H15pfuNHuSs

oder auch Gwyneth Jones (Bayreuth 1975) https://www.youtube.com/watch?v=jY55qNIf-w0. Der komplette Bayreuther „Parsifal von 1973 bietet szenenrelevante Fotos https://www.youtube.com/watch?v=N5aqxM0lQmU. Auch intellektuelle Qualitäten bewies Jean Cox, vor allem an seinem Stammhaus Mannheim, wo er mit dem Captain Vere in „Billy Budd“ 1989 seinen Bühnenabschied nahm. Aber sein naturburschenhaftes Naturell verleugnete er nicht wie in der Operette „Trauminsel“ von Robert Stolz (Bregenz 1961) https://www.youtube.com/watch?v=7ZVg0pBCI7M oder einem Konzertmitschnitt in Bad Kissingen mit „Verkaufter Braut“ (Partner: Gottlob Frick) und „Schwanda“ https://www.youtube.com/watch?v=DNXnynKZ6PI  Auch Janaceks Stewa gehört letztlich in diese Rollenrubrik. Interessant der Vergleich identischer Szenen mit der Küsterin aus dem 2. Akt : Wien 1964 mit Martha Mödl (ab 11’00) https://www.youtube.com/watch?v=sSg5by4LsgY

und München 1970 mit Astrid Varnay (komplette TV-Aufzeichnung, ab 47’50) https://www.youtube.com/watch?v=HkwiiW6OVcU. Aus der Karrierefrühzeit des Sängers sollte das Engagement in Braunschweig (im Ensemble auch Anja Silja) ebenso erwähnt sein wie eine Fernsehaufzeichnung von Ravels „Spanischer Stunde“. Partner: Anneliese Rothenberger, Fritz Göllnitz, Caspar Bröcheler, Adolf Meyer-Bremen. 2012 verstarb Jean Cox, zwei Jahre vor seiner Frau Anna Reynolds, in einem Pflegeheim in der Nähe Bayreuths.

Christoph Zimmermann (24.7.2018)

 

 

 

Keine wie sie

Glorious Leontyne Price

Kann eine Stimme süchtig machen? Fraglos die von Leontyne Price. Die gutturale Grundierung ihres Soprans strahlt Erotik aus, die leuchtende Höhe führt in Klangstratosphären. Man höre nur ihre (leider von Zwischenbeifall unterbrochenen) „Vier letzten Lieder“ beim UN-Konzert 1979 mit der Dresdner Staatskapelle unter Herbert Blomstedt https://www.youtube.com/watch?v=ItAmRzPTEdY

Strauss war maßgeschneidert für ihr Organ. Ein besonderes aufregendes Dokument ist ihre letzte (von Beverly Sills moderierte) Präsentation von „Zweite Brautnacht“ aus der „Ägyptischen Helena“ in der Carnegie Hall mit dem New York Philharmonic unter James Levine U(1991)

https://www.youtube.com/watch?v=59U-9tZlKCw Kürzer gewordener Atem zwar, aber welche vokale Glut, welch strahlende Höhe, die ihr auch noch am 11. September 2001 beim allerletzten öffentlichen Auftritt (aus Anlaß der New Yorker Terroranschläge) zur Verfügung stand https://www.youtube.com/watch?v=2jJjsQGUU-8

Die Verdi-geprägte Met-Ära von Leontyne Price ist von „Trovatore“ 1961 https://www.youtube.com/watch?v=oODCrsatNPY bis „Aida 1985 https://www.youtube.com/watch?v=XD3tCTA8kfo komplett dokumentiert. Finaler Hinweis: Salzburg-Recital 1977 mit anspruchsvollem Liedprogramm https://www.youtube.com/watch?v=-b8XebwhfX8

Christoph Zimmermann (13.7.2018)

 

 

Anneliese Rothenberger – Offensiver Charme

„Der Coiffeur hat ihr mal wieder kein Härchen gekrümmt“, so vor Jahren süffisant Spiegel-Autor Klaus Umbach über Anneliese Rothenberger. Die Fernseh-Shows (ab 1970) gaben der Karriere der Sängerin neuen Auftrieb – prototypisch https://www.youtube.com/watch?v=-KV5yoSzJF8 – berührten in ihrer Hochglanz-Attitüde aber oft einigermaßen peinlich. Die Sängerin verteidigt das zwar, aber etwa ihre Arabella https://www.youtube.com/watch?v=er-cK5ry7jg mit Hermann Prey wirkt doch reichlich dekorativ äußerlich; man vergleiche dazu ihre herzliche Münchner Zdenka von 1963 (mit Lisa della Casa) www.youtube.com/watch?v=q2Hpvsuo9Ko. Ein wenig wird das zurecht gerückt in einem späten Interview von 2006 www.youtube.com/watch?v=55EHe1cJMuw. Es zeigt Anneliese Rothenberger – attraktiv wie eh und je – von einer sehr persönlichen Seite. Der heutigen Inszenierungspraxis gegenüber zeigt sie sich in diesem Interview als radikal entfremdet. Sie trat, mitbedingt durch eine Krebserkrankung, zur rechten Zeit ab.

Christoph Zimmermann (11.7.2018)

 

BERND WEIKL

Ein ganz großer Sänger, der etwas zu sagen hat

https://www.youtube.com/watch?v=4TXDGPkLjDo&feature=youtu.be

 

Rosl Schwaiger

Bis zuletzt zauberhaft

Schon der Name klingt beschwingt mädchenhaft. Die Österreicherin Rosl Schwaiger (*1918) vertrat das Fach der Soubrette auf das liebenswürdigste und zählte nicht von ungefähr zu den Favoritinnen des Salzburger Festspielpublikums ab 1945 (Königin der Nacht). Ein „Zauberflöten“-Knabe gehörte zu ihren letzten Aufnahmen (Böhm, 1964). Das Fernsehen setzte sie früh ein (so in einem „Wildschütz“ neben Anneliese Rothenberger). Auf Youtube findet sich nur ein rudimentäres Repertoire der Sängerin, aber teilweise hochinteressant. Die früheste Aufnahme stammt von 1949: Szene im Nachtlokal aus „Kathrin“ von Korngold (mit Anton Dermota, ORF) https://www.youtube.com/watch?v=Iegfxfxfj18 Auch in einer Produktion von dessen „Stummer Serenade“ wirkte sie mit (1951, Dirigent: der Komponist). Ausschnitt https://www.youtube.com/watch?v=V3kg6nTbTxA

Für die Vielseitigkeit der Künstlerin spricht weiterhin die Bach-Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ (Wien 1950) https://www.youtube.com/watch?v=P7XODqzkejU. und anderes. Von ihren Operetten-Abstechern sind der komplette „Karneval in Rom“ (ORF 1956) https://www.youtube.com/watch?v=6EbLxhBpLYA und aus dem gleichen Jahr der „Bettelstudent“ (BR) Ausschnitt https://www.youtube.com/watch?v=AhwT2ybvaCk greifbar. Empfohlen seien Recherchen bei jpc und ein Nachschlagen im Lexikon Riemens/Kutsch. Rosl Schwaiger starb 1970 an Leukämie. Zwei Jahre zuvor hatte sie noch Liederabend in Griechenland und in der Türkei gegeben.

Christoph Zimmermann (8.7.2018)

 

 

Heimgekehrt

Rafael Kubelik & die Tschechische Philharmonie

Universal hat gerade sämtliche DG-Aufnahmen von Rafael Kubelik veröffentlicht. Die Kassette enthält u.a. die Mahler-Sinfonien mit dem Symphonieorchester des BR – https://www.youtube.com/watch?v=NdZ6OkyPB6E . Diesem Orchester stand Kubelik von 1961 bis 1979 vor, dennoch war  München eine Exiladresse wie zuvor auch Chicago – Schönbergs 5 Orchesterstücke 1953 https://www.youtube.com/watch?v=GwCFHSbHwNE. Kubeliks „Heimat“ war (als Nachfolger Vaclav Talichs) die Tschechische Philharmonie. Die vermutlich früheste Einspielung mit diesem Orchester ist die „Moldau“ von 1937 https://www.youtube.com/watch?v=QvSU_uvhlu0. Smetanas „Mein Vaterland“ sollte bis zuletzt ein Herzstück des Dirigenten bleiben. Dem kommunistischen Regime hatte er ostentativ den Rücken gekehrt, Vaclav Havel holte ihn 1990 an das Pult des Orchesters zurück: Eröffnung des Prager Frühlings mit „Mein Vaterland“. Bei https://www.youtube.com/watch?v=76R0N2GN6Jo muß man als Hörer Emotionen mächtig im Zaume halten. Eine weitere frühe tschechische Einspielung ist Bohuslav Försters 4. Sinfonie aus dem Jahre 1948 https://www.youtube.com/watch?v=F1m1pS5Fuo4. Opernfreunde werden sich über ein „Aida“-Duett mit Jean Madeira und Hans Hopf freuen https://www.youtube.com/watch?v=U4rC_sw90bs. Äußerungen der australischen Sopranistin Elsie Morrison, Kubeliks zweiter Frau, mögen den Abschluß auf Youtube-Aufzeichnungen bilden https://www.youtube.com/watch?v=oCXu_j0dS6w.

Christoph Zimmermann (26.6.2018)

 

 

Die große Anny Schlemm

Im kommenden Jahr wird Anny Schlemm ihren 90. Geburtstag feiern können – in Graz, wo sie seit einigen Jahren bei ihrem Sohn ihr Zuhause hat. Wirklich zu Hause war die Sängerin allerdings in Frankfurt, so sie in der Saison 2002/3 mit Mascagnis Mamma Lucia auch ihren Bühnenabschied nahm. In Halle hatte sie 1946 (!) debütiert und kam dann nach Berlin. Noch prägender als ihre Tätigkeit an der Staatsoper geriet ihr Engagement an Walter Felsensteins Komischer Oper, wo die Boulotte in Offenbachs „Barbe-Bleue“ zu ihrer Signatur-Rolle wurde. Der vokal ziemlich rustikale Ausschnitt https://www.youtube.com/watch?v=RCnqFawaq5Q läßt an die zunächst primär lyrische Karriere Anny Schlemms nicht so recht glauben. Doch man höre ihre Desdemona 1959 aus dem gleichen Haus – Gesamtaufnahme https://www.youtube.com/watch?v=tfKe1nu5B34 - und die unzähligen Aufnahmen, welche sie in jenen Jahren für die Schallplatte machte. 135 Partien beherrschte die Vollblutsängerin, sämtliche u.a. in „Rosenkavalier“ und „Jenufa“. Spezielle Verdienste erwarb sich Anny Schlemm im Operettenbereich. Bereits 1949 kam es zu einer kompletten „Fledermaus“ neben Peter Anders unter Ferenc Fricsay beim RIAS – Uhrenduett https://www.youtube.com/watch?v=00W9rV-ugCc . Hörempfehlung weiterhin unter vielen anderen: ein Duett aus Eduard Künnekes „Zauberin Lola“ mit ihrem häufigen Partner Franz Fehringer https://www.youtube.com/watch?v=yNL_55BBy1g

Auf Youtube hat sich auch eine WDR-Gesamtaufnahme des „Barbier von Bagdad“ von Peter Cornelius von 1951 unter Joseph Keilberth (mit Rudolf Schock und Kurt Böhme) erhalten, welche vom Sender aus unerfindlichen Gründen gelöscht wurde https://www.youtube.com/watch?v=WZMk6-6SNvE

Christoph Zimmermann (3.6.2018)

 

 

 

Peanuts play "25 or 6 to 4" von Chicago

Hier einmal etwas nicht Klassisches, was sich der Hrg. (alter Rocker ;-) erlaubt einzusetzen. Nicht nur weil der 1970-er Hit einer der größten und über 52 Jahre bis heute erfolgreichsten Rock-Bands aller Zeiten ein ETERNAL aus seiner Jugend ist, sondern weil sich hier jemand unglaubliche Mühe mit dem Zerscheiden und fast lippensynchronen Anpassen alter Peanuts Filme an dieses geniale Stück (bitte laut hören wegen der Bässe und des tollen Schlagzeugs!) gemacht hat. Es ist einfach wunderbar...                                                                                  P.B. 30.5.18

P.S.

Und wer noch nicht genug hat - voila !

Stay´in alive (Bee Gees)

We ware the Champions (Queen)

und hier mein Lieblingsclip - einfach süß ;-))))

 

                                                                               

 

 

"Granada" - Granadissmo !!!

Ein Traditional in Variationen.

Viel Spass

 

Fritz Wunderlich

Rudolf Schock

Diego Flore

Frank Sinatra

Joseph Calleja

Mario Lanza

Franco Corelli

Luciano Pavarott

Mario del Monaco

Placido Doming

Enrico Caruso 

Alfredo Kraus

Violetta Villas

Wookyung Ki

Jorge Negret

Connie Francis

Elena Garanca

Caterina Valente

und zum Schluss

das Überraschungs-Ei ;-)              PB 26.5.2018

 

 

ERNA BERGER

Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein

 

Ihren letzten Auftritt hatte die 1900 geborene Erna Berger 1968 mit einem Münchner Liederabend. Ihre mädchenhafte Stimme war ihr bis ins hohe Alter eigen. Noch mit 80 sang sie für ein Fernsehporträt Schuberts „Im Abendrot“, naturgemäß etwas verknappt im Atem, doch mit ihrer alterslosen Stimme noch immer wunderbar strömend https://www.youtube.com/watch?v=_vuw5pFneWw.

Über Dresden war die Künstlerin an die Berliner Staatsoper gekommen, der sie auch in politisch schwierigen Zeiten treu blieb. Den fatalen Rauswurf von Fritz Busch in Dresden hatte sie während einer „Rigoletto“-Aufführung miterlebt. Doch in die Traumwelt des Theaters eingesponnen, dachte sie nicht an aktiven Widerstand. An der Met begegnete sie Busch bei Gelegenheit einer „Rosenkavalier“-Aufführung wieder https://www.youtube.com/watch?v=5o0Sv7A3abU – Erna Berger ab 109’30, auch mit Arturo Toscanini gab es ein Wiedersehen (lange Jahre nach dem Bayreuther „Tannhäuser“ 1930). Unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler absolvierte Erna Berger ihre letzten Bühnenauftritte 1954 im Salzburger „Don Giovanni“ https://www.youtube.com/watch?v=lmkSuMyLHDA. Auch beim Film war die Künstlerin erfolgreich, nicht nur mit ihrer Koloratur-Synchronisation für Ilse Werner, sondern auch leibhaftig, so mit Beniamino Gigli in „Traviata“ https://www.youtube.com/watch?v=5xKvKONIhpk. Eine Sängerin, irgendwo auf dem himmlischen Olymp.

CZ 22.5.2018

 

Who ist Gustav Mahler ?

Leonard Bernsteins "Young Peoples Concerts" gehörten zu den Meilensteinen in der Musikpädagogik des 20. Jahrhunderts. Einer der wahrscheinlich größten Dirigenten der Welt erklärt zusammen mit seinem Hausorchester - den weltberühmten New Yorker Philharmonikern - Musik mit Livebeispielen. Fast alle diese Konzerte sind als Aufzeichnungen noch irgendwie erhältlich. Besser und eindrucksvoller und überzeugender hat noch nie jemand klassische Musik jungen (aber auch älteren!) Menschen erklärt. In dieser Richtung war Lenny Bernstein ein Genie.

Und wie er hier in knappen 52 Minuten den Menschen GUSTAV MAHLER nahe bringt, ist geradezu phänomenal. Sie können englische Simultannuntertitel auch bei Tube zuschalten.

PB 15.5.2018

OPERNFREUND Plattentipp

 

 

 

EULA BEAL

Eine sensationelle Entdeckung

Fernsehaufzeichnungen mit der nahezu unbekannten Kontraaltistin Eula Beal. Nicht einmal das fast alleswissende Sängerlexikon Riemens/Kutsch nennt ihren Namen. Man sieht eine ausnehmend schöne, junge Frau, hört ihre hypnotisierende Stimme und fragt sich immer wieder, wer ist/war denn diese Ausnahmekünstlerin? Vier Titel bietet Youtube: Schuberts „Erlkönig“ https://www.youtube.com/watch?v=6PwdmwpWkjg,

Tschaikowskys „Nur wer die Sehnsucht kennt“ https://www.youtube.com/watch?v=SCtW1RucS-w, das Ave Maria von Bach/Gounod https://www.youtube.com/watch?v=8-KcRmidxTo (jeweils mit Marguerite Campbell als Klavierpartnerin) sowie die Arie „Erbarme dich“ aus Bachs „Matthäus-Passion“ https://www.youtube.com/watch?v=gIdNBgyC88o. Begleitet wird die Sängerin bei dieser Aufnahme von einem Sinfonieorchester in Hollywood. Der Dirigent Antal Dorati ist noch jung, der Geiger Yehudi Menuhin ebenfalls. Es handelt sich um die Aufzeichnung eines TV-Konzertes 1947.

Geständnis: Durch eine Fehlschreibung des Nachnamens der Sängerin (Biel statt Beal) machte der Rezensent bei der Erstversion seines Beitrags zunächst unvollständige Angaben. Jetzt aber kommt Wikipedia zu Hilfe. Eula Beal (* 25. Januar 1919 in Riverside, Kalifornien; † 29. Juli 2008 in Napa, Kalifornien) war eine amerikanische Konzert- und Opernsängerin mit der Stimmlage Kontra-Alt. In ihrer Laufbahn sang sie mit der Los Angeles Philharmonic oder dem Boston Pops Orchestra. Bekannt wurde Beal für ihre Rolle in Concert Magic, dem ersten abendfüllenden Konzertfilm aus dem Jahr 1947. Dort sang sie unter anderen begleitet von Adolph Baller oder Yehudi Menuhin. 1948 folgten Auftritte in der San Francisco Opera als Erda in Siegfried und als Wirtin in Boris Godunow. 1941 heiratete sie den Fotografen William Garnett (1916–2006) und bekam mit ihm drei Kinder. Nach rund zehn Jahren Konzerttätigkeit zog sie sich zugunsten ihrer Familie weitgehend zurück und absolvierte nur noch lokale Auftritte.

Das erwähnte Konzert ist bei Amazon zu haben.

CZ 18.5.18

 

 

Georg Soltis historischer Wiener „Ring“

Kaum zu glauben: sowohl Mahlers Sinfonien als auch Wagners „Ring“ waren in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch Repertoire-Außenseiter. Zu einem Brückenschlag für Wagners Tetralogie wurde u.a. die Wiener Schallplattenproduktion unter Georg Solti mit damaligen Top-Sängern (Kirsten Flagstad debütierte 1958 noch als „Rheingold“-Fricka!). Technisch (prinzipiell super) wurde noch etwas laboriert, wie bei Gottlob Frick/Hagens Mannenruf  oder dem Finale zu sehen, wo Birgit Nilsson/Brünnhilde kurz das Notenpult weggenommen wird und sie einige Schritte nach vorne tun muß , warum auch immer.

Wolfgang Windgassen erlebt man; Dietrich Fischer-Dieskau (plus Interview). Während der Trauermusik zu Siegfrieds Tod  (6 Harfen!) flippt Solti am Dirigierpult mit seiner Intensität förmlich aus. Mein Gott, die alte Wiener Garde, u.a. mit den Brüdern Berger (Roland: Horn, Horst: Becken).

Christoph Zimmermann (11.5.2018)

OPERNFREUND PLATTENTIPP

Eine komplette Dokumentation über den Wiener „Ring“ ist noch (!) auf DVD erhältlich; angeboten u.a. von Amazon (aktuell 15 Euro) mit deutschen Untertiteln.

 

 

6 x Nussknacker "Grand pas de deux"

Ich empfinde persönlich diese Passage als die schönste Ballett-Musik überhaupt. In jedem Nussknacker warte ich eigentlich immer nur auf diesen so wunderbar stimmungsvollen "Grand pas de deux". Auf meiner internen Hitparade der traumhaftesten Ballettmusiken seit jeh her Platz eins. Viel Spass     

 

Anna Tsygankova & Matthew Golding - Het national ballet 2014

Also wer bei soviel Schönheit, Grazie und absolut perfekter Umsetzung jeder noch so kleinsten Bewegung passend zur Musik nicht Tränen in den Augen hat ist ein Hulk.

 

Pas de d troi - mit Butler - Baryshnikov / Kirkland

Die unendliche leichtigkeit des Seins im Tanz. Achtung bei den Hebungen: Gelsey Kirkland scheint leicht wie eine Feder zu sein. Und alles noch wunderbar anno 1977 im Lichtkegel der alten klassischen Verfolger.

 

Rudolf Nureyev and Merle Park - Kongruenz Wahnsinn

Solch eine Bewegungskongruenz haut einen Beobachter heute völlig aus den Schuhen. Schon die Perfektion des Ensembles ist unfassbar, aber was Nureyew und Park anbieten ist von schierer Zauberkraft. Wieviele Proben gab es bis zu dieser perfekten Übereinstimmung? Für Ästheten und Puristen der totale Wahnsinn.

 

Die Eiskunstlauf Sensation - Shen & Zhao

Allein die tolle Atmosphäre bei den Weltmeisterschaften und das Mitgehen des Publikums ist irre. Gänsehautfeeling auch außerhalb des Opernhauses! Ein kulinarisches Kunst / Sport Ereignis. Fast so perfekt kongruent wie Nurejew/Park in der Oper. Das Gesülze der Sprecher kann man leider nicht stumm schalten, gehört aber einfach dazu. Immerhin keine deutschen Kommentatoren! Die für mich als alter Sportprofi die weltbeste Kür, die je getanzt wurde.

 

Der Klassiker von Balanchine

ohne weitere Worte

 

Kurioses ! Ein pas de cinqe - Merrill Ashley and Sean Lavery

Die vier Zusatztänzer als lebendiges Dekor sind widerum so kitschig, daß man es gesehehn haben muss. Ausserdem sind die vier knackigen eigentlich völlig überflüssigen Burschen sicherlich ein offensichtliches Zugeständnis ans nicht heterogene Publikum ;-)

PB 10.5.2018

 

 

Strauss: Vier letzte Lieder

Schöner geht’s nicht

Vielleicht hat dieser Liederzyklus die Popularität des „Rosenkavaliers“ bereits überrundet. Die kontemplativen Gesänge berauschen mit ihrem spätromantischen Duktus (welcher Hermann Hesse, dem Autor dreier der Lieder, übrigens missfiel). Was soll’s? Diese Musik streckt einen förmlich zu Boden. Unter den zahlreichen Aufnahmen, darunter die nicht ganz ideale der Londoner Uraufführung 1948 mit Flagstad/Furtwängler https://www.youtube.com/watch?v=-odXYLs-iE4  gibt es mehr Faszinierendes, als hier erwähnt werden kann, freilich auch Fatales wie die Bariton-Version von Konrad Jarnot (2005) - https://www.youtube.com/watch?v=oIRDVIVxbr8. Marilyn Horne kämpft 1959 mit den Höhen https://www.youtube.com/results?search_query=vier+ltezte+lieder+horne, während ihre russische, hierzulande kaum bekannte Mezzo-Fachkollegin Zara Dolukhanova (1918-20007)  den Sopranbereich mühelos beherrscht https://www.youtube.com/watch?v=TWsBPaEIT2w. Über geradezu narkotische Timbres verfügen Lucia Popp (1977, Solti) https://www.youtube.com/watch?v=zbj4EbGZ9fE (Lieder 1+2) und Leontyne Price (UN-Konzert 1979) https://www.youtube.com/watch?v=ItAmRzPTEdY . Persönliche Weiterrecherche empfohlen.

CZ 9.5.2018

 

DIE UNGEKÜRZTE GRALSERZÄHLUNG

Beinah zehn Minuten dauert die originale Version, die der geniale Tenor Franz Völker hier 1936 in Bayreuth sang. Nur noch einmal besonders an unsere jungen Opernfreunde gerichtet: LOHENGRIN ist nicht von Adolf Hitler, sondern von Richard Wagner komponiert worden, auch wenn es in den Nachrichten gerade heutzutage öfter anders klingt. Wagner war zwar auch Antisemit, wie veile seiner Zeitgenossen, hatte aber nichts mit dem Holocaust zu tun, oder ähnliches auch nur angedacht. Er starb ja schon 1883.                                                                    PB 8.5.2018

https://www.youtube.com/watch?v=MaWbPrfjX1M

 

10 TOSCA FINALI

Ich möchte noch ergänzen, daß auch der reale Sprung von der Engelsburg höchstens Superman gelungen wäre, weshalb denn es sind mindesten 30 Meter, wie man oben sieht, zu überbrücken. Daher wollten Puccinis Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica (sie kannten sich wohl auch in Rom aus) die Oper eigentlich so enden lassen, daß sie nicht stirbt, sondern wahnsinnig wird. Das allerdings hätte uns wirklich die folgenden tollen Aktschschlüsse diverser Opernhäuser verschlossen.

In Wuppertal sah ich vor Jahrzehnten mal eine Produktion, die auch anders geendet hätte als wie im Libretto vorgesehen, wäre man bühnenrealistisch vorgegangen, denn das Erschießungkommando stand quasi im Kreis (!) um Mario herum. ;-) !. Nein, das war nicht vom großen Otti. Der kommt jetzt:

Tosca auf dem Trampolin (kommt nach 35 Minuten - aber schauen Sie sich bitte unbedingt auch die anderen köstlichen Opernparodien an!)


Als besondere Schmankerl nun ein paar (mit Sicherheit) ernst gemeinte Finali

 

1.) Angela Georghiu - no comment dazu, sonst werde ich verklagt ;-)

2.) Raina Kabaiwanska

Super-realistisches Doku-Ende mit Blick auf Rom und Domingo

3.) Und in der Arena di Verona 2017 die genial Lösung: einfach Licht aus!

(Leider so dunkel, daß ich die Sängerin nicht erkennen konnte ;-)

4.) Auch die tierischen Versionen der Wolf Trap Opera's Production gefallen mir

5.) Daß die große Dame Kiri de Kanawa (Paris 1982) nur langsam im Fahrstuhl runterfährt, verstehe ich bei dem Tempo des Orchester

(schnell vorspulen auf Minute "7", denn die Technik ist grauenhaft)

6.) Hier besteht die ganze Bühne nur aus einer einzigen riesigen einnehmenden Rampe, wobei der Zuschauer natürlich den ganzen Akt sich spannungsvoll fragt: Was macht diese Rampe da und wer wird am Ende da wohl runterspringen?

Aber immerhin springt und singt Viktoriia Chenska toll.

7.) Die Version mit der pistolehaltenden Catherine Malfitano (Amsterdam 1998) ist sagenhaft und olympiareif - anständig legt sie den teuren Nerzmantel wenigstens vorher ab - aber bitte achten Sie auf den phänomenalen geradezu superb gehechteten Sprung. Als alter Diplomsportlehrer und ehemaliger Bewertungs-Richter beim Wasserspringen gebe ich die absolute Bestnote dafür: 10 Points! WAHNSINN !!

8.) Tosca hat das Essen anbrennen lassen! Moderne Inszenierung! Bitte  vorspulen auf Minute 12 ;-) . Also stirbt sie in der Küche. Doch nicht Tod mit dem Gemüsemesser; sie erschießt sich. Und wie gemütlich Scarpias (?) Schergen dann da reinlatschen ist schon sagenhaft cool.

9.) Hier stirbt Mario (= Puccini ?) direkt im Komponierzimmer - tolle humorvolle Version für Minibühnen, die gar kein Orchester haben. Es geht alles!

10.) Sieger im Concours der am längsten gehaltenen Finaltöne ist

die Tosca Georgina von Benza - da es ziemlich dunkel ist, erschießt sie vermutlich der Dirigent. Irgendwann muß ja mal Schluss sein.

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und zum Schluß  die wirklich allerschönste und herzergreifend absolut jugendfreie Variante ab 5 Jahre  - My favourite !

 

 

Carlos Kleiber und seine beiden Wiener Neujahrskonzerte

Das Repertoire von Carlos Kleiber war fraglos ein überschaubares, die Komponisten Strauss Richard und Strauß Johann bildeten einen Schwerpunkt, was auch für Vater Erich gilt. Eine Veröffentlichung der Interpretationen von Borodins 2. Sinfonie durch beide Dirigenten - NBC 1947, SWR 1972 - bot eine interessante Korrektur.

Aber der Einstand für Carlos Kleiber an der Deutschen Oper am Rhein 1962 war Offenbach gewesen; dieser ist auf CD greifbar. Musikantische Leichtigkeit prägten auch seine zur Legende gewordenen Wiener Neujahrskonzerte 1989 https://www.youtube.com/watch?v=9QX4lfl0Hmc

und 1992

https://www.youtube.com/watch?v=R7Hn0do-xKE

Die Schwerelosigkeit wurde freilich mit eiserner Probendisziplin verwirklicht, wie bereits in der SDR-TV-Reihe „Probe und Aufführung“ in den 70er Jahren bei Gelegenheit der „Fledermaus“-Ouvertüre dokumentiert

https://www.youtube.com/watch?v=NVk2Glu-7kM)

Interessant der Vergleich mit Erich Kleibers Berliner Dirigat des Donau-Walters 1932 - gefolgt von einem Ausschnitt aus Beethovens „Neunter“ 1949 in Prag https://www.youtube.com/watch?v=sODAEBjpHbI

 

Christoph Zimmermann (4.5.2018)

 

 

Zwei Wagner-Primadonnen zum Hundertsten

Die Kategorisierung der Überschrift greift sowohl bei Astrid Varnay als auch bei Birgit Nilsson sicher zu kurz. Dennoch waren die beiden Hochdramatischen gleichen Jahrgangs (1918) nicht zuletzt Stützen der Bayreuther Festspiele. Zusammen haben sie nicht eben häufig auf der Bühne gestanden, doch immerhin im „Lohengrin“ der 54er Festspiele (Duett 2. Akt - https://www.youtube.com/watch?v=RK7JVNb0mkg). Vermutlich am wenigsten kennt man die Künstlerinnen im Bereich der U-Musik. Deshalb ein Verweis auf zwei TV-Sendungen. 1964 war sich Astrid Varnay nicht zu schade, im „Blauen Bock“ Cole Porters „Dein für alle Zeit“ herrlich vollmundig zu präsentieren (https://www.youtube.com/watch?v=EkILG138nmU – ab 9’32. Zuvor Auftritte von Windgassen, Wohlfahrt und Neidlinger). Birgit Nilsson traf sich 1977 mit Zarah Leander vor den Kameras des schwedischen Fernsehens, und ihr gemeinsames Singen steht dem berühmten Katzenduett Rossinis kaum nach (https://www.youtube.com/watch?v=t6fb36z5upc)

Christoph Zimmermann 30.4.2018

 

MICHAEL GIELEN über "Die Soldaten"

Immerhin der Uraufführungsdirigent spricht über 20 Minuten, heute (!), also mit dem nötigen Abstand und einer augenzwinkernden Ironie und Reife über das einstige Abenteuer der Uraufführung von Zimmermann SOLDATEN in Köln. Ausführlich erfahren wir, warum diese Opern (die viele Musikwissenschaftler und kritiker ja für ein Jahrhundertwerk halten) als unaufführbar galt. Ein mehr als zeitgeschichtliches Dokument. Und ein MUST LOOK für all jene, die nicht nur DIE SOLDATEN schon kennen, sondern auch noch sehen wollen.

https://www.youtube.com/watch?v=LCg5Zx-qVFw

Peter Bilsing 2.5.2018

 

 

„L'Après-midi d'un Faune“, animiert

Ursprünglich hatte Claude Debussy „L'Après-midi d'un Faune“ für den Konzertsaal geschrieben, doch berühmt wurde es als Bühnenstück. Es war der legendäre Tänzer Vaslav Nijinsky, der es für die ebenso berühmten „Ballets Russes“ choreographierte und tanzte. Die Uraufführung (am 29. Mai 1912 im Pariser Théâtre du Châtelet) wurde aufgrund der Masturbationsszene des Fauns zum Skandal.

Man hat bereits in den 70er Jahren die ursprüngliche Choreographie zu rekonstruieren versucht, doch einer der Filme, die auf Youtube gezeigt werden, ist aussergewöhnlich: Christian Comte schuf einen Animationsfilm, in dem er Nijinsky und seine Partnerin auf der Grundlage von Fotos tanzen liess, da von Nijinskis „Faun“-Interpretation keine Filme vorliegen.

Das Ergebnis – buchstäblich bewegte Bilder des genialen Tänzers und seiner berühmten Arbeit - ist so gespenstisch wie beeindruckend.

Frank Piontek, 6.4.2018

 

 

Lorenz Fehenberger

Welch ein Tenor!

Wer kennt eigentlich noch Lorenz Fehenberger, den vor allem an der Bayerischen Staatsoper vielbeschäftigten Sänger (1912-1984, Bühnenabschied 1977)? Eine aktuelle Eugen-Jochum-CD-Edition enthält u.a. seinen Lohengrin von 1952, ein lyrisches Ereignis sondergleichen (Brautgemach-Szene mit der gleichfalls hinreißenden Annelies Kupper: https://www.youtube.com/watch?v=Fc6cI2AIpt8. Es gibt eine Alternativaufnahme mit Elisabeth Grümmer: https://www.youtube.com/watch?v=jYT-aE7tQeQ , welche aber keine weiteren Besetzungsangaben bietet. Fehenbergers Vorkriegszeit in Dresden ist durch einem lyrisch strömenden Ausschnitt aus Dvoraks „Jakobinern“ belegt (mit Elfride Trötschel) https://www.youtube.com/watch?v=e2odcM4Le7M  (hinreißende Musik!). Janaceks „Broucek“ (leider nicht bei Youtube greifbar, jedoch in Aufnahmen der Bayerischen Staatsoper und des Westdeutschen Rundfunks) macht mit dem Komödianten Fehenberger bekannt. Nochmal Wagner. Der Stolzing führt 1949 an die Staatsoper Hamburg mit Kupper und Rudolf Gonszar, ML: Hans Schmidt-Isserstedt - https://www.youtube.com/watch?v=nXNkocvvrVo)

Christoph Zimmermann (21.4.2018)

 

 

Bernstein über Mahler 9. 

Mind and prophetic soul

23 Minuten, die sich lohnen...

Wenn man diesen Genius reden hört, ist jeder angezogen von seiner enormen Ausstrahlung und man hört gespannt weiter zu, weil er so ungeheuerlich viel zu sagen hat. Hier geht es um die quasi "Endzeit-Sinfonie" Mahler 9 und die Beziehungen zu Schönberg und Berg.

Er beschreibt die neunte Sinfonie als Mahlers "last will and testament" und zieht einen Bogen über die Weltpolitik des 20 Jahrhunderts mit all ihrem leid und Tod, was in dieser Sinfonie - vor allem im Adagio schon anklingt. Eine kühne These, aber bitte hören Sie dem großen lenna diese knappen 23 Minuten einfach mal zu. Es klingt sehr überzeugend...

Peter Bilsing 20.4.2018

 

 

Frida Leider

Glückwunsch zum Geburtstag!

Heute wäre sie 130 Jahre alt geworden, die unvergessliche Frida Leider. Die Tochter eines einfachen Zimmermanns wurde am 18. April 1888 in Berlin geboren. Über Halle, Rostock und Königsberg führte sie der Weg 1919 an die Hamburger Staatsoper. Ab 1923 sang sie dann in der Staatsoper Berlin, wurde aber in den folgenden Jahren an allen großen Opernhäusern der Welt, so in London, New York, Paris, Zürich, Stockholm, Buenos Aires, München, Bayreuth etc., vor allem als Wagner-Interpretin gefeiert. Ihre Heirat mit dem jüdischen Konzertmeister der Berliner Staatsoper, Prof. Rudolf Deman, stürzte sie im Nazi-Deutschland in eine tiefe seelische Krise, die auch ihre Karriere verdüsterte. Sie gab dem Druck nach, ließ sich von ihrem Mann scheiden und stand 1942 das letzte Mal auf den Brettern einer Opernbühne, die für sie die Welt bedeuteten. Nach Kriegsende machte sie sich jedoch als Liedsängerin einen Namen. Am 4. Juni 1975 starb sie hochbetagt in Berlin.
Bei youtube kann man diese singuläre hochdramatische Sopranstimme hören, und der Eindruck ist einfach überwältigend. Das Liebesduett aus dem 2. Akt des Tristans mit dem dänischen Heldentenor Lauritz Melchior vereint wohl das wunderbarste Liebespaar der Tristan-Diskografie, das es jemals gab. Da kommen sogar Kirsten Flagstad und der in Köln geborene Ludwig Suthaus in der legendären Furtwängler-Aufnahme aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mit. Kirsten Flagstad hatte immer mit der Höhe zu kämpfen, Frida Leider triumphiert dagegen nicht nur mit ihrer bronzenen Mittellage, sondern gerade auch mit strahlenden Spitzentönen, die geradezu magisch über dem Orchester schweben. Aber hören Sie selbst!

Norbert Pabelick 19.4.2018

Hier ist der Link

 

 

Christa Ludwig

Eine Legende

Christa Ludwig, vor kurzem 90 geworden – was ist zu dieser einzigartigen, wundervollen Sängern überhaupt noch zu sagen? Zwei Beispiele ihres universalen Könnens: als klassische Liedsängerin beim letzten Wiener Konzert (das angegebene Jahr 2003 ist freilich in Zweifel zu ziehen), voll bei Stimme, warmherzig im Ausdruck. Und dann kastagnettenklappernd und mit tänzerischer Verve als Bernsteins Old Lady („Candide“) in Tanglewood zum 70 Geburtstag des sichtlich enthusiasmierten Allround-Genies. Keine wie sie: das gilt ganz und gar und mit euphorischem Enthusiasmus für Christa Ludwig.

Christoph Zimmermann (14.4.2018)

noch ein Link

 

 

 

Musikalischer Gottesdienst  

Mahler zum Abheben

Gustav Mahler ist „in“. Die Auferstehungs-Sinfonie führte Gustavo Dudamel mit seinem Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela im Rahmen der BBC Proms 2011 in der Royal Albert Hall in charismatischer Weise auf. Der National Youth Choir of Great Britain war links und rechts neben der mittigen Orgel aufgestellt – ein intensives Raumklangerlebnis auch bei Kleinlautsprechern am PC. Es gibt den Mitschnitt der kompletten Sinfonie; der Rezensent hat sich mittlerweile (schon weit über 100 Mal) auf das 17’05 dauernde Finale beschränkt, wo die Emotionen geradezu überborden. Der Aufschrei des Publikums nach dem Schlussakkord treibt der herrlichen Altistin Anna Larsson Tränen in die Augen. Die Sopranistin Miah Persson hält stärker an sich. Die Gesichter der jungen Chorsänger: man spürt unglaubliches Beteiligtsein. Musik wird zum Gottesdienst.

Christoph Zimmermann (13.4.2018)

 

Solitär im Counterbereich

Counter-Sensation aus China

Anna Bonitatibus hat mit ihrer CD „en travestie“ gerade daran erinnert, dass es ungeachtet der gegenwärtigen Counter-Schwemme mit den vielen geschlechtsnegierenden Partien immer noch die weibliche Hosenrolle gibt, nicht minder schillernd. Aber Counter ist nun mal „in“. Von den derzeit führenden Vertretern dieses Fachs seien nur Philippe Jaroussky und Franco Fagioli genannt, auf Youtube fast schon unübersehbar dokumentiert. Aber da gibt es noch den jungen Chinesen Xiao Ma. Wie er Vivaldis „Agitata da due venti“ und vor allem Händels „Lascia ch’io pianga“ stilversiert, ausdrucksreich und mit raffinierten Verzierungen darbietet, ist nichts weniger als sensationell. Wann wird man diesen Sänger mal bei uns live erleben können?

Christoph Zimmermann (5.4.2018)

Noch ein Link: https://www.youtube.com/watch?v=2xuFIBvpGao

 

 

August Everdings “Dacapo”

Zwischen 1986 und 1998 lud August Everding 70 prominente Sänger zu Interviews beim ZDF ein. Alle Aufzeichnungen sind noch abrufbar. Abgesehen davon, dass die Fragen auf Dauer etwas schematisch wirken, erfährt man doch immer Interessantes zu persönlichen künstlerischen Überzeugungen. Etwa von dem machtvollen Hans Hotter, dem hochsympathischen Anton Dermota, der intellektuellen Edda Moser, der hinreißenden Christa Ludwig, der nicht minder hinreißenden Sena Jurinac, der herrlich sprudelnden Irmgard Seefried, der etwas dozierenden Astrid Varnay, der herzlichen Martha Mödl, der wirklich charmanten und klugen Anneliese Rothenberger oder auch der leicht kühlen, aber faszinierenden Anja Silja. Und, und, und … Nicht alle Gesprächspartner reißen vom Hocker; Gustav Neidlinger wirkt beispielsweise über Gebühr bieder. Mit Erna Berger und Ljuba Welitsch (köstlich) geht es besonders weit in die Vergangenheit zurück. Schön, dass mit Agnes Giebel auch eine Künstlerin zu Wort kommt, die mit Oper höchstens am Rande zu tun hatte.                           Christoph Zimmermann 5.4.2018

 

 

MOSKAU TSCHERJOMUSCHKI

Schostakowitsch einzige Operette

in einzigartiger Gesamtaufnahme aus der Lyoner Oper 2009. Leider gibt es von dieser köstlichen typisch ironischen Schostakowitsch Oper keine DVDs, daher lohnt hier der Einblick. Die Inszenierung ist witzig, spritzig und kurzweilig - so sollte eine "Operettenrevue" auch sein. Das Orchester spielt fulminant auf. Musik, die den Zuhörer oft regelrecht von den Stühlen reisst. Gesungen wird russisch (wie es sich gehört) - die Sprechtext sind natürlich auf Französisch. Länge: etwas mehr als zwei Stunden. Lassen Sie sich nicht täuschen von der Startseite, wenn dort "Part 1 - 32 Minuten" steht; die anderen teile hängen sich automatisch an, so daß Sie die ganze Oper genießen können. Die Produktion ist einfach grandios. Live würden wir hier sogar den OPERNFREUND STERN vergeben.                       

Peter Bilsing 5.4.2018

 

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de