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Festspielhaus Glyndebourne

 

 

"La Clemenza di Tito“

Die große Kunst des Richard Croft

 

Premiere: 26.07.2017

 

Von dem Mitbegründer und langjährigen Generalmanager der Festspiele in Glyndebourne, Rudolf Bing, stammt die ironisch-launige Bemerkung, die Kühe auf den Wiesen rund um das Festspielhaus in Glyndebourne verständen mehr von Musik als die festlich gekleideten Opernbesucher. Bei moderner Musik nähmen sie alle Reißaus, bei Mozarts Musik fänden sie sich alle wieder ein. An dem verregneten Premierentag von Mozarts „La Clemenza die Tito“ waren jedenfalls Kühe und Festivalbesucher vollzählig erschienen und brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen, auch wenn das obligate Picknick im wunderschönen Park des Festspielhauses ausfallen und in ein großes Zelt verlegt werden musste.

Der deutsche Regisseur Claus Guth, der besonders mit seinen Inszenierungen der Opern von Richard Strauss an allen großen Bühnen der Welt reüssiert hat, legt den Focus der Handlung ganz auf die gefährdete Freundschaft zwischen Titus und Sextus. Schon zur Ouvertüre zeigt ein Videoclip (Arian Andiel) die beiden Freunde als Kinder beim Spiel in einer  wilden Wiesen- und Waldlandschaft. Ihre unterschiedlichen Charaktere werden hier schon sichtbar. Der draufgängerische, leidenschaftliche Sextus erlegt mit einer Zwille einen Vogel, während sich Titus eher schmerzlich und verstört von diesem brutalen Spiel abwendet.

In der kalten Atmosphäre des politischen Machtapparats seines Imperiums ist Titus dann auch folgerichtig ein Fremder. Voller Schmerz opfert er sein privates Glück mit Berenice der Staatsraison und ist den Intrigen am kaiserlichen Hof fast hilflos ausgeliefert. Designer Christian Schmidt und Ligthing designer Olaf Winter haben in ihrem Bühnenbild und in ihrer Lichtregie dafür eine stimmige Handlungsplattform geschaffen. In dem in zwei Ebenen angeordneten Bühnenbild sieht man im oberen Teil die dunkle, kalte und farblich in tristem Schwarz gehaltene Chefetage eines modernen Konzerns, aus der mit dem Auszug der farbenfroh gekleideten syrischen Hasmonäerin  Berenice der letzte Farbtupfer verschwindet.
Im unteren Teil erblickt man eine wild wuchernde Wiesenlandschaft, die Schauplatz wilder Leidenschaften und verbrecherischer Komplotte wird. Hier verführt die lasziv, fast nuttig aufgemachte Kaisertochter Vitellia, die sich von Titus verschmäht glaubt, Titus Jugendfreund Sextus in einem an Eindeutigkeit nichts auslassenden Liebesakt, hier stachelt Vitellia Sextus rachsüchtig zum Mord an Titus an. Andererseits ist dieser Naturraum auch Hintergrund für die Liebesschwüre von Sextus Schwester Servilia, die ihrem Geliebten Annius trotz der Aussicht, Titus‘ Gemahlin und damit Kaiserin zu werden, standhaft die Treue hält. Die Wildnis ist schließlich auch der Ort, zu dem sich Titus herabbegibt, um Sextus und Vitellia mit seiner Clementia zu beschämen. Die neuerlich eingespielten Videos aus der Zeit der Jugendfreundschaft lassen nur eine Deutung übrig. Titus hat endgültig allen Machtrankünen und Intrigen, aller Gewalt und Feindseligkeit abgeschworen. Er setzt auf Freundschaft und Humanität. Wenn Titus, Sextus und Vitellia im Schlusstableau allerdings weit voneinander entfernt, wie isoliert und verloren auf der Bühne stehen, so setzt Guth hinter ein solches Happy End doch zu Recht ein dickes Fragezeichen.

Musikalisch ließ die Aufführung keinerlei Wünsche offen. Glyndebournes Conductor Robin Ticciati dirigierte das auf alten Instrumenten musizierende Orchestra oft the Age of Enlightenment und den vorzüglichen „ Glyndebourne Chorus“(Jeremy Bines) mit einer Präzision, Agilität und Attacke, die eine ungeheure Spannung aufbaute, gleichzeitig aber den Sängerinnen und Sängern die nötige Luft zum Ausleben ihrer Gefühle und Leidenschaften ließ. Richard Croft sang und spielte den innerlich zerrissenen Kaiser Titus einfach großartig. Welches Maß an Stimmungsschwankungen in seinem Gesang gerade auch in den Rezitativen zum Ausdruck kam, wie uneitel sich Croft ganz in den Dienst der herrlichen Musik Mozarts stellte, das verdient größte Bewunderung. Der Sextus der englisch-französisch stämmigen Mezzosopranistin Anna Stéphany kann den Vergleich mit den größten Interpretinnen dieser Rolle wie Yvonne Minton, Theresa Berganza, Brigitte Faßbender oder in jüngster Zeit Eleana Garanca, Joyce DiDonato und Christina Gansch mühelos aushalten. Ihr leuchtender Mezzo bleibt der Partie nichts schuldig. Verzweiflung, Leidenschaft, Schmerz, Liebe: ihre makellos geführte, warm timbrierte und  in der Höhe groß aufblühende Stimme gibt alle Gefühle mit einer Intensität wieder, die dem Zuhörer ein um das andere Mal Schauer über den Rücken fahren lässt.

Die hoch dekorierte Alice Coote, gefeierter Star an allen großen Bühnen der Welt, sang und spielte die intrigante und rachsüchtige Kaisertochter Vitellia mit einer Glut und Leidenschaftlichkeit, die das hölzerne Rund des Festspielraumes fast zum Zerbersten brachte. Als Mezzo verfügt sie neben einer fulminaten Höhe über die nötige Tiefe, um ihre große Schlussarie „Non più di fiori“ zu einem stimmlich und musikalischen Glanzpunkt der Aufführung werden zu lassen. Einfach wunderbar! Da auch die Servilia Joélle Harveys, der Annius Michéle Losiers und der Publius von Clive Bayley sich in dieses erlesene Sängerterzett nahtlos einfügten, stand dem Opernglück der enthusiasmierten Festival-Besucher nichts mehr im Wege.

 

 

 

 

Der Schlussbeifall wogte auf wie die Wellen im nahen Seebad Brighton: überschäumend und heftig, aber auch recht schnell verebbend. Auch das ist offensichtlich neben Smoking, Abendkleid, High Tea vor der Aufführung und Picknick im Park Tradition. Ach ja, die Kühe! Sie standen nach der Aufführung alle an ihrem Platz und brachten so dem Genie Mozart und den großartigen Interpretinnen und Interpreten seiner Musik bei dieser Aufführung ihre stille Reverenz entgegen.

 

Norbert Pabelick

Fotos © DerOpernfreund und Monika Rittershaus

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