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SCHWEINFURT

www.theaterschweinfurt.de/

 

DER VETTER AUS DINGSDA

Operette funktioniert auch ohne großes Orchester

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 31.03.2017      

Premiere in Hof 05.11.2016

Das Theater Hof bringt den „Vetter aus Dingsda“ nach Schweinfurt und sorgt für überwiegend zufriedene Gesichter

Wieder einmal ist das Theater Hof im Theater Schweinfurt zu Gast und sorgt für einen fröhlichen Nachmittag und viele zufriedene Gesichter beim Nachhause gehen.

Die Geschichte, oder wollen wir lieber sagen das Märchen von der endlos liebenden Julia, die ganz fest daran glaubt, dass ihr Roderich, der ihr Treue fürs Leben geschworen hat, bevor er nach Dingsda, sprich Batavia aufgebrochen ist, zu ihr zurückkommt und man gemeinsam durchs Leben geht, ist halt auch gar so schön. Julia, die bei ihren ungeliebten Verwandten, Onkel und Tante aufwächst, verzehrt sich seit sieben Jahren nach ihrem Roderich und die einzige Verbindung, die sie zu ihm hat, ist der Mond, zu dem sie jeden Abend aufschaut, so wie man es sich versprochen hat. Ihre Freundin Hannchen steht ihr die ganzen Jahre treu zur Seite. Und dann erscheint er, der ferngeglaubte Roderich, der in Wahrheit ein gewisser August Kuhbrot ist, der die Situation erkennt und sie ausnutzt, vor allem, weil er sich unsterblich in Julia verliebt hat. Diese ist überglücklich. Dann jedoch wird das Glück von Egon von Wildenhagen, einem hoffnungslosen Verehrer Julias abrupt zerstört. Er kann ihr beweisen, dass ihr Roderich gar nicht ihr Roderich sein kann. Und obwohl sie ihn liebt, stößt sie den nunmehr Fremden fort, denn er ist ja nicht ihr ferner Geliebter. Dieser, nämlich der richtige Roderich, taucht nun auch auf, verliebt sich in Hannchen und ist total erstaunt, dass Julia so lange sich in Liebe verzehrend an ihn gedacht hat, denn für ihn war es eine Liebesspielerei, er hat sie längst vergessen. Er gibt sich als Roderich zu erkennen und nun erst merkt Julia, dass man mit dem Herzen lieben muss und nicht über den Mond. Sie sinkt ihrem Roderich, halt nein, August natürlich in die Arme und Roderich wird glücklich mit Hannchen. Und alle sind zufrieden - hoffen wir wenigstens.

Stefanie Rhaue – Marianne Lang - Benjamin Popson – James Tolksdorf (die zwei Vordergrund nicht gesungen)

Die Inszenierung von Holger Seitz bringt den märchenhaften Charakter der Handlung auf den Punkt. Viel Humor, manchmal sogar ein bisschen zu dick aufgetragen, und eine märchenhafte Handlung. Er führt die Rolle der Erzählerin ein, die Gute muss auch beide Diener spielen, und er kann hier auf ein Urgestein aus Hof zurückgreifen, die sich nach über 35 Jahren mit dieser zauberhaften Rolle von ihrem Theater verabschiedet, der in Bad Tölz geborenen Schauspielerin und Sängerin Marianne Lang. Sie ist immer als ein kleiner Kobold im Zentrum des Geschehens, verknüpft die Handlungsstränge miteinander, erläutert, wo es notwendig ist, führt, wo es erforderlich ist, ist immer präsent und gibt dem Ganzen eine außergewöhnliche Note. Man kann über diesen Kunstgriff verschiedener Meinung sein, auf jeden Fall ist sie ein belebender zentraler Teil im Zentrum des Geschehens. Die herrlich bunten, teilweise überdrehten und immer grell plakativen Kostüme von Ursula Gaisböck tragen einen weiteren Baustein zum Gelingen der Operette bei. Die Bühne selbst ist eigentlich sehr einfach, fast spartanisch ausgestattet. Verschiebbare Holzteile, Würfel, die man beliebig anordnen kann, geben das Geschehen dennoch gut wieder. Im hinteren Teil der Bühne, durch einen Vorhang abgetrennt spielen die Hofer Symphoniker oder das, was bei dieser Aufführung von Ihnen übriggeblieben ist. Ein Salonorchester, welches in kleiner Besetzung dennoch Großes zu leisten imstande ist. Das Dirigat hat an diesem Nachmittag Roland Vieweg und er macht einiges aus den im Verhältnis wenigen Musikern. Er führt sein Kammerorchester mit straffer Hand, schwungvoll, voller Elan, lässt es aufblühen und sich zum größten Teil auch sängerdienlich zurücknehmen, wenn es erforderlich ist. Fast vermisst man die rauschenden Wogen des normalen Symphonieorchesters nicht, oder nur wenig. Alles ist etwas überspitzt, die Bühne, die Kostüme, die Darstellungen. Alles auf einer bunten und spitzigen Fahrt durch die Landschaft des Vetters. Manchmal etwas überzeichnet, aber es passt und der Großteil des Publikums wird zu wahren Beifallsstürmen hingerissen. Ein paar ganz wenige haben in der Pause das Theater verlassen, ihnen ist es wohl etwas zu überzeichnet. Dies macht der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Und zu dieser guten Stimmung tragen natürlich vor allem auch die Sängerdarsteller bei. Und da hat Hof an diesem Nachmittag einiges zu bieten.

Marianne Lang – nicht gesungen – nicht gesungen – Benjamin Popson

An erster Stelle zu nennen ist der junge amerikanische Tenor Benjamin Popson aus Port Clinton, Ohio, der als „erster Fremder“ August Kuhbrot, der den vermeintlichen Roderich gibt, eine gute Figur machen kann. Sein junges, unbekümmertes Spiel nimmt für ihn ein, sein geschmeidiger, warmer, lyrischer, zuweilen auch kraftvoller Tenor kann gefallen. Die Spitzentöne vermeidet er noch etwas, kann aber mit warmer fließender Stimme nicht nur seine Julia beeindrucken, sondern auch den größten Teil der anwesenden Damen im Publikum. Der arme Wandergesell erobert die Herzen der Damen im Nu und ist auf jeden Fall ein Glücksgriff für Hof, von dem und dessen Entwicklung man noch einiges erwarten kann. Ihm zur Seite die junge Rebekka Reister, die als Julia nicht nur den Mond besingt, sondern auch ihr Publikum bezaubert. Sie hat einen beweglichen, sehr schlanken und ausdruckstarken Sopran, der in jeder Lage zu leuchten und strahlen in der Lage ist. Sie kann nicht nur in ihren Soli punkten sondern auch in den Duetten mit Benjamin Popson. Mit vollem sonoren ausdrucksstarken, wuchtigen und kräftigen Bariton kann James Tolksdorf als Josef Kuhbrot, dem Vormund von Julia voll überzeugen, auch darstellerisch ist er ein eindrucksvoller Vormund. Als seine Frau Wilhelmine, genannt Wimpel, macht die Mezzosopranistin Stefanie Rhaue eine gute Figur. Präzise und stimmlich überzeugend verkörpert sie die Gattin des Vormunds. Ihr Kostüm ist vielleicht ein bisschen überzeichnet, aber das stört im Publikum niemanden. Karsten Jesgarz gibt den verliebten Intriganten Egon von Wildenhagen, er tut dies mit viel Einsatz, sowohl stimmlich als auch darstellerisch und kann seinen gepflegten Tenor gut zur Geltung bringen.

Stefanie Rhaue – nicht gesungen – Marianne Lang – James Tolksdorf

Als Hannchen muss Patrizia Margagliotta kurzfristig für die erkrankte Julia Spaeth einspringen. Sie stößt erst einen Tag vor der Aufführung zum Ensemble. Unter diesen Umständen, kann man der in Hilden geborenen Sopranistin nur gratulieren. Sie hat es geschafft, sich in kürzester Zeit in die Rolle zu singen. Darstellerisch mit viel Einsatz, sehr intensiv und charmant, nimmt sie für sich ein. Leider kommt sie mit ihrem warmen, aber nicht so durchschlagskräftigen Sopran nicht so über die Rampe. Dennoch eine – unter diesen Umständen – ausgezeichnete Leistung. Dem Einspringen ist dann wohl auch das wunderschöne Duett „Ach heil´ger Nikolaus“ zwischen dem zweiten Fremden und Hannchen zum Opfer gefallen. Dies ist umso bedauerlicher, weil der zweite Fremde von Tenor Thilo Andersson dargestellt wird. Dieser hat deshalb an diesem Nachmittag nur eine Sprechrolle, und dies finde ich deshalb so bedauerlich, weil ich Thilo Andersson in der Vergangenheit als exzellenten Sänger zu schätzen gelernt habe. Das Publikum jedenfalls ist zufrieden, langanhaltender warmer Applaus und fröhliche Gesichter beim Verlassen des Theaters zeigen, dass dieser Nachmittag eines auf jeden Fall gebracht hat, nämlich pure Unterhaltung. Und was will man mehr.

Manfred Drescher, 08.04.2017  

Fotos Harald Dietz Fotografie, Hof

 

CHARLYS TANTE

Auch eine „moderne“ Operette kann entzücken

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt am 26.02.2017      

Premiere in München 09.01.2014

Die Kammeroper München bringt ein weltberühmtes Lustspiel als Neuoperette nach Schweinfurt und kann alle Vorurteile beseitigen

Fast hätte es bei uns einen Ehestreit gegeben, weil ich mich weigern wollte, die 100 km ins Theater der Stadt Schweinfurt zu fahren um dort die Operette „Charleys Tante“ anzuschauen und anzuhören. Ja, Sie haben richtig gelesen, die Operette. Das war es ja. Vor meinen Augen sah ich den exzellenten Film mit Heinz Rühmann als wunderbare Charleys Tante und den nicht minder guten Peter Alexander in einer weiteren Verfilmung. Diese Filme und damit das Lustspiel waren für mich nicht zu toppen und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dies als Operette zu sehen, in keinem Fall jedoch als gute Operette. Wenn ich voreingenommen bin, dann schon richtig und wenn meine Frau nicht so energisch auf der Fahrt bestanden hätte, wäre ich wohl nie in den Genuss eines außergewöhnlichen Nachmittags gekommen. Gut, die Operette wurde an diesem Nachmittag nicht neu erfunden, aber eine tolle Inszenierung mit eingängigen und richtig schön altoperettischen Melodien gaben meiner Frau (wieder einmal) Recht und mir blieb wieder etwas Zeit zu überlegen, ob man nicht sich doch erst vergewissern sollte, bevor man etwas vehement ablehnt.

Der Klassiker des Lustspiels wurde vom Engländer Brandon Thomas geschrieben, der von 1850 bis 1914 lebte und mit der Musik versehen, des für mich völlig unbekannten Komponisten Ernst Fischer, der von 1900 bis 1975 lebte und total vergessen worden war bzw. man hatte ihn eigentlich gar nicht groß zur Kenntnis genommen. Die Unterhaltungsmusik von Fischer, die dieser für Orchester komponiert hatte, wird von Dominik Wilgenbus mit Gesangstexten unterlegt und das ganze so geschickt arrangiert, dass es einfach Spaß macht, nicht nur zuzusehen sondern vor allem auch zuzuhören. Gut, einen richtigen ins Ohr gehenden Operettenschlager wie bei Strauss und Lehár gibt es hier nicht, aber alles ist mehr als gefällig, eingehend, teilweise mitreißend und wunderbar eindrucksvoll gesungen und gespielt. Man merkt die ganze Zeit über, wieviel Spaß es allen Beteiligten macht hier mitzuwirken. Dominik Wilgenbus ist nicht genug für diese Arbeit zu danken, denn er führt nicht nur die Regie (hatte in den ersten Aufführungen auch mitgespielt und gesungen), er übersetzt auch, arrangiert alles und ist eigentlich der Hauptinitiator im gesamten Ensemble, ohne dies herabwürdigen zu wollen. Ohne ihn hätte es diese „Neuoperette“ nie gegeben und er hat sie auch zu diesem für mich eigentlich sensationellen Erfolg geführt. Das Publikum sieht es genauso und applaudiert stürmisch, lacht befreit und geht durchwegs glücklich aus der Vorstellung heraus. Ja, sie hat einfach Spaß gemacht – und das ist mehr, als man von manchen anderen Operettenaufführung heutzutage sagen kann.

Hervorzuheben ist auch noch Alexander Krampe, der für die Bearbeitung und die Arrangements verantwortlich zeichnet. Einfühlsam, behutsam und einfach stimmig hat er die Musik von Fischer für das doch relativ kleine Orchester bearbeitet und arrangiert. Und noch mehr kommt dazu, ein wunderschönes informatives und ausführliches Programmheft, mit viel Gefühl und Stil von Nerina Wilter gestaltet und ein zweites Heft, welches die kompletten Texte der Operette enthält, so etwas findet man nicht oft, wenn ich ehrlich bin, habe ich dies in dieser Form noch nie gefunden. Herrlich stimmige Kostüme von Uschi Haug, ein einfaches aber desto mehr beeindruckendes Bühnenbild, zum großen Teil aus Buchrücken zusammengesetzt von Peter Engels, welches davon zeugt, dass Einfachheit auch wunderschön sein kann. Dazu eine Choreografie, für die Bettina Fritsche verantwortlich zeigt und die einfach gekonnt ist und wo bei allen der Funke überspringt, einfach weil hier ein Team am Werk ist, dass den Namen Team auch zu recht trägt.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Nabil Shehata und er lässt sein kleines Orchester strahlen und leuchten. Man merkt ihm die Leidenschaft an, diese Musik dem Publikum näher zu bringen. Er lässt das gut aufgelegte Orchester der Kammeroper München funkeln und sprühen und nimmt es zurück, wo es sängerdienlich erforderlich ist. Die Lachmuskeln werden durch das Erfolgsstück gereizt, die Ohren durch die Sänger verwöhnt und das ganze durch den Klangteppich des Orchesters geadelt. Keine Sekunde habe ich bereut, den Weg nach Schweinfurt auf mich genommen zu haben.

Und dann ein Schreck, noch vor dem Beginn der Aufführung. Von der Bühne aus wird angekündigt, dass gerade einer der Hauptdarsteller, der Darsteller von Charleys Tante, Lord Fancourt Babberley kurzfristig erkrankt ist und mit vielen Medikamenten versehen wird. Er hat sich aber bereit erklärt, die Partie zu singen, da kein Ersatz vorhanden ist. Und eben dieser Maximilian Nowka singt und spielt die Rolle so begeisternd, dass man von seiner Erkrankung überhaupt nichts merkt. Er schont sich nicht im Geringsten und bringt eine außergewöhnliche Leistung als Mann in Frauenkleidern auf die Bühne. Sein klarer und frischer Tenor wirkt in keinem Moment angestrengt oder angegriffen und sein superbes Spiel, bringt das Publikum mehr als einmal zum befreiten Lachen. Bemerkenswert ist auch, dass er Abstand davon nimmt, dem Pferd zu viel Zucker zu geben, er übertreibt also den Humor in keinem Bereich und ist auch zu nachdenklich anregenden Szenen bereit. Eine ausgezeichnete Leistung. Ebenso wie die des jungen lyrischen Tenors Semjon Bulinsky als Charles Wykeham. Er spricht mit seinem hellen, beweglichen lyrischen Tenor die Zuschauer an und auch bei ihm ist eine große Spielfreude zu erkennen. Anne-Katrin Steffens als seine Liebste, hat einen klaren voluminösen durchschlagenden stimmschönen weichen Sopran, den sie gekonnt einsetzt und besitzt vor allem eine natürliche Spielbegabung, auch ihr merkt man in jeder Sekunde an, wie sehr sie bereit ist, alles auszuschöpfen um das Publikum zu unterhalten. Und wenn das Publikum, wie an diesem Nachmittag, begeistert mitgeht, dann ist das auch der schönste Lohn für die Künstler, bei denen alle ihr Herzblut einsetzen um diese Operettenlustspielität auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu bringen. Mit kräftigem klangschönem Bass gibt Burkhard Kosche einen überzeugenden Brassett und der junge Leipziger Bariton Torsten Frisch weiß mit vollmundigem rundem kräftigem klarem und stimmschönem Bariton in der Rolle des Colonel Sir Francis Chesney zu überzeugen. Maximilian Kiener als Lord Stephen Spettigue und Theresa Pilsl als Ela Delahay ergänzen das Ensemble eindrucksvoll und ohne Fehl und Tadel. Bleibt noch die aus der Soko Fernsehreihe bekannte Schauspielerin Katharina Blaschke als resolute Donna Lucia d´Alvadorez, die richtige und echte Tante von Charly. Sie überzeugt in erster Linie mit einem ausgezeichneten differenziertem Spiel und kann auch gesanglich einige Glanzpunkte setzten.

Insgesamt eine moderne schwungvolle und überzeugende Aufführung des altbekannten Lustspiels. Meine Befürchtungen, dass man dies nicht als Operette aufführen kann, vollkommen weggeblasen. Eine wunderschöne und begeisternde Aufführung, die auch vom musikalischen Teil voll zufrieden stellen kann und noch etwas darüber hinaus. Bei Nachhausgehen nur fröhliche und heitere Gesichter – und das soll Theater bewirken. Der Reiz der Bühne ist es, den Besucher für einige Stunden weg zu bringen vom Alltag. Und das ist der jungen Truppe der Kammeroper München mehr als gelungen und es ist zu hoffen, dass wir sie noch öfter zu sehen bekommen.

Manfred Drescher, 11.03.2017  

Fotos 1 und 2 (c) Sabina Tuscany, München, / Bild 3 Der Opernfreund

 

DIE CSARDASFÜRSTIN

reißt das Schweinfurter Publikum mit

Aufführung der Operettenbühne Wien in Schweinfurt

Besuchte Vorstellung: 11. Januar 2017

Theaterdirektor Kreppel gratuliert Heinz Hellberg zum 20jährigen Jubiläum

Nach den letzten Applauswogen, die Heinz Hellberg mit seiner Operettenbühne Wien für 20jährige Treue zum Theater Schweinfurt und für eine überaus gelungenen Vorstellung danken, springt der Schweinfurter Theaterdirektor Christian Kreppel auf die Bühne und gratuliert Heinz Hellberg für sein Jubiläum, 20 Jahre Operettenbühne Wien. Und er verspricht dem Maestro, dass er ihn noch oft verpflichten wird und die beiden ausverkauften Nachmittagsvorstellungen geben ihm Recht. Fast nicht endend wollender Applaus am Ende eines beschwingten, heiteren und erfrischenden Nachmittags. Doch nun der Reihe nach.

Die Operettenbühne Wien kommt mit der „Csárdásfürstin“ nach Schweinfurt, und wer kennt die Geschichte des Sohnes des Fürsten von und zu Lippert-Weylersheim nicht, der sich unsterblich in die reizende Chansonette Sylva Varescu verliebt. Nachdem diese auf eine Tournee gehen will, zwingt er sie mit seinem schriftlichen Heiratsversprechen zum Bleiben. Ihm ist die höfische Etikette egal, er liebt Sylva trotz aller Widerstände. Seine Eltern haben aber schon Verlobungskarten mit Komtesse Stasi gedruckt, die ihm seit Kindheit versprochen ist. Diese Karte kommt Sylva in die Hände und sie fährt überstürzt und total enttäuscht auf die Tournee. Wenige Tage vor Ablauf der schriftlichen Heiratsfrist erscheint sie bei Edwin Roland, dem Sohn des Fürsten und gibt sich als Frau seines Freundes Graf Boni aus. Edwin, der sich schon in sein Schicksal mit Komtesse Stasi abgefunden hat, glaubt nun, seine nach wie vor Geliebte als dann geschiedene Gräfin heiraten und seiner Familie vorstellen zu können. Nachdem sich Boni in Stasi verliebt hat, scheint alles einfach. Doch dann gibt sich Sylva als Chansonette zu erkennen, die um den Standesdünkel aufzuzeigen, sich verstellt hat. Sie verlässt Edwin und reist ab. Dieser jedoch kann nicht von ihr lassen und als sein fürstlicher Vater erfährt, dass seine eigene Frau, die Kupfer-Hilda vom Varieté ist, die sich hochgeheiratet hatte, gibt er seinen Widerstand auf. Sylva und Edwin sowie Boni und Stasi finden für immer zueinander.

Und um es gleich vorweg zu nehmen, das zwanzigjährige Jubiläum von Heinz Hellberg auf der Bühne in Schweinfurt ist in jeder Weise gelungen. Hellberg inszeniert die Operette in der authentischen ungarisch-wienerischen Form – und er tut gut daran. So macht Operette Spaß, so kann sie auch wieder in die Herzen ihres Publikums kommen, trotz aller Widerstände und trotzdem sie in den letzten Jahren einfach totgeschwiegen wird. Im Fernsehen kaum noch Operette, im Rundfunk ebenso, der öffentlich-rechtliche Auftrag alle Formen der musikalischen Unterhaltung anzubieten, wird auf das schmählichste ad absurdum geführt und leider erheben sich auch nicht die Stimmen der nach wie vor vielen Operettenliebhaber und zeigen an, dass man sie so nicht behandeln kann. Ein Aufschrei der Musikliebhaber müsste die Rundfunkanstalten erschüttern, und einer der liebenswürdigsten Formen der Musik, der Operette wieder die ihr gebührende Rolle zurückzugeben. Dies geschieht heute „nur“ auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und die Operette begeistert nach wie vor ihr Publikum – natürlich nur, wenn sie so stilsicher aufgeführt wird, wie von Heinz Hellberg und seinen Mannen.

Die Kostüme von Lucia Kerschbaumer sind wunderschön anzusehen, stimmig und prächtig und beleben das Bild auf das trefflichste wie auch das an die Gegebenheiten hervorragend angepasste Bühnenbild, für das Adrian Boboc verantwortlich zeichnet. Man kann sich in die damalige Zeit richtig hineinversetzen und das ist doch schon sehr viel. Der Funken springt über, über auf ein Ensemble, bei welchem es keinen Ausfall gibt.

Dies merkt man zuerst am hervorragend aufgelegten Orchester, welches von Heinz Hellberg straff aber gleichzeitig mit leichter Hand geführt wird. Er lässt es jauchzend galoppieren, nimmt es aber auch stimmschonend zurück, wenn es der Begleitung der Gesangssolisten dient. Melodienreichtum und reine Walzerseligkeit lassen das Publikum dahinschmelzen und es im Walzerrhythmus begeistert applaudieren.

Es ist eine schmissige und schwungvolle Operettenaufführung, an der es praktisch nichts auszusetzen gibt. Sowohl szenisch als auch musikalisch kann man eine Operette erleben, wie sie leider nur noch selten aufgeführt wird. Als Csárdásfürstin Sylva Varescu steht mit der Wienerin Kerstin Grotrian eine lebendige und stimmschöne Sopranistin auf der Bühne. Ein bisschen fehlt ihr zu Anfang gerade beim feurigen Csárdás das leidenschaftliche Feuer. Stimmschön, mit warmem und weichem Sopran, kann sie jedoch weiter entzücken und die ungarische Leidenschaft kommt halt ein bisschen später. Nun wird sie immer besser, fast könnte man sagen, sie singt sich warm, um dann auch in den Duetten mit ihrem Edwin zu glänzen. Insgesamt gesehen eine sehr gute, auch mit viel Beifall versehene Leistung. Als Edwin steht der junge blonde gutaussehende Österreicher Stefan Reichmann auf der Bühne. Er besitzt einen strahlenden, höhensicheren Tenor, den er mühelos einsetzt, vielleicht ihn manchmal etwas zu sehr schont. Aber wo hat man noch einen so blendend aussehenden und auch vorzüglich spielenden sympathischen jungen Tenor. Ich freue mich, dass man wieder einmal einen tenoralen Hingucker und Hinhörer besitzt. Beim Buffopaar bin ich etwas gespalten. Da ist einmal die ewig junge Susanne Hellberg als Komtesse Stasi, die über die Bühne wirbelt, als wäre das ihre eigentliche Berufung. Leidenschaftlich, voller Feuer und Temperament gibt sie alles und auch stimmlich bekommen wir eine überdurchschnittliche Leistung zu sehen und zu hören. Man fragt sich, wo diese kleine, zierliche Person dieses ganze Feuer herholt und freut sich dann doch, dass sie es besitzt und damit ihr Publikum begeistert. Zusammen mit ihrem Bühnenpartner, dem aus Slowenien stammenden David Hojsak als Graf Boni sind sie die eindeutigen Lieblinge des Publikums. Darstellerisch und tänzerisch weiß David Hojsak vollstens zu überzeugen, er bringt eine überaus sympathische Rollengestaltung auf die Bühne. Was mir leider fehlt, ist ein bisschen die Stimme, da ist er für mich einfach zu schwach, zu untergewichtig und selbst bei zurückgenommenem Orchester schwer verständlich. Ich weiß, dass das Publikum dies an diesem heutigen Nachmittag ganz anders sieht, für mich bleibt er ein darstellerisch, gestalterisch und tänzerisch überdurchschnittlicher, stimmlich – momentan – leider etwas untergewichtiger Darsteller. Das Publikum mitreißen kann er jedoch schon vorzüglich. Auf jeden Fall sind beide ein toll aufeinander eingestimmtes Buffopaar, bei dem es einfach Spaß macht zuzuschauen.

Einen tollen, leichtlebigen, aber auch weisen und mahnenden Feri Bácsi brachte der Ungar Csaba Fazekas auf die Operettenbühne. Einige Rezensenten freuten sich, dass er mit ungarischem Akzent spricht – ja, wenn das ein Ungar nicht schafft, wer dann? Jedenfalls verkörperte er den alternden Schwerenöter exzellent. Er lebt alle Facetten dieser Rolle aus und wird zu Recht gefeiert. Gefeiert wie auch das Fürstenpaar, welches von Viktor Schilowsky und Judith Bellai, die beide eine Luxusbesetzung für diese Rollen darstellen, weit über das normale Maß hinaus verkörpert wurden. Beide trumpften toll auf und Judit Bellai zeigte in Spitzenunterwäsche, was sie noch alles so drauf hat. Lang anhaltender Applaus zeugte davon, dass diese Aufführung wieder den Weg zu den Herzen des Publikums gefunden hat. So will man Operette sehen und hören und so macht die gute alte Operette auch weiterhin viel Freude.

Manfred Drescher 20.01.2017      

Bilder (c) Operettenbühne Wien                 

 

HÄNSEL UND GRETEL

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 04.12.2016 

(Premiere in Hof 11.03.2016)

Etwas düstere Aufführung dieser Märchenoper

Das Theater Hof bringt zur Vorweihnachtszeit die Kinderoper, die eigentlich gar keine Kinderoper ist, „Hänsel und Gretel“. Weil diese Märchenoper von Engelbert Humperdinck halt gar so gut in die Weihnachtszeit passt, ist das Theater Hof damit in Schweinfurt zu Gast. An diesem Nachmittag fallen viele Kinder im Publikum auf, neben mir sitzt ein kleines vierjähriges Mädchen, welches mit großen Erwartungen auf ihr Märchen wartet. Die teilweise schwere und knallende Musik ist aus meiner Sicht so gar nichts für so kleine Kinder und die verbrannte Hexe trägt auch nicht so sehr zur Erheiterung meiner kleinen Nachbarin bei. Dazu ist das ganze Stück einfach zu dunkel gehalten, zu schwerblütig auf die Bühne gebracht. Nach der Pause ist meine kleine Märchenfreundin jedenfalls geschafft, Konzentration vorbei, es ist ihr schlicht und ergreifend einfach zu langweilig und die Musik zum Teil zu voluminös. Ich habe nie verstanden, warum man diese Märchenoper zu einer Kinderoper machen will, das ist sie – jedenfalls in dieser Inszenierung in keinem Fall. Überraschend, wie brav und ruhig sich die vielen kleinen Gäste verhalten haben, ob diese Aufführung aber dazu geführt hat, dass sie später verstärkt in die Oper gehen, wage ich sehr zu bezweifeln. So kann man sich keinen Publikumsnachwuchs heranziehen. Einige meiner Rezensionskollegen sprachen davon, dass diese Aufführung uneingeschränkt für kleine Kinder geeignet ist, diese Aussage verstehe ich in keinem Fall. Nein, dies ist keine Oper für kleine Kinder und meine kleine Freundin flüsterte mir beim Abschied noch leise ins Ohr, dass sie so große Angst vor der Hexe gehabt habe und sicher nicht gut schlafen könne.

James Tolksdorf - Vater, Patrizia Häusermann - Hänsel, Inga Lisa Lehr - Gretel, Stefanie Rhaue - Mutter

Die Geschichte der Märchenoper zu erzählen, wäre Eulen nach Athen getragen, sie dürfte jedem bekannt sein. Hinrich Horstkotte ist für die Inszenierung, die Bühne und die Kostüme zuständig. Außer dass es mir persönlich alles etwas zu duster und finster ist, hat er eine stimmige Inszenierung auf die Bühne gestellt. Der märchenhafte Charakter kommt gut zum Ausdruck, auch die Kostüme sind märchenhaft und alles passt und ist teilweise sogar sehr gut gelungen. Auf offener Bühne dürfen vier Lebkuchenmännchen die Kulissen schieben, ich hatte am Anfang etwas Probleme sie als Lebkuchenmännchen zu erkennen, weil sie auch ein bisschen bedrohlich wirkten und durch ihren schlurfenden Gang etwas in Untotennähe gerieten. Die jeweiligen Auftritte, zB. von Sand- und Taumännchen werden mit Bühnennebel, der durch die Reihen wabert, angekündigt, die 14 Engel werden hervorragend vom Kinderchor des Jean-Paul-Gymnasiums Hof verkörpert und man merkt ihnen auch an, dass ihnen der Auftritt großen Spaß macht. Auch der Chor trägt seinen Teil zum Gelingen bei, beide sind von Hsin-Chien Chiu einstudiert, beim Kinderchor tritt ihr noch Maniana Füg zur Seite. Richard Wagner ist ständig im Hintergrund auf der Bühne präsent, sei es als Wandbild in der Besenbinderwohnung oder sei es in der Darstellung des Hexenhäuschens, welches bewusst dem Festspielhaus Wagners in Bayreuth zum Verwechseln ähnelt.

Patrizia Häusermann und Inga Lisa Lehr zusammen mit dem Ensemble

Die musikalische Leitung hat an diesem Nachmittag im ausverkauften Theater in Schweinfurt Roland Vieweg und er hat sein Orchester gut im Griff. Schwungvoll und mit Elan und musikalischem Gespür lässt er das Orchester regelrecht aufblühen, auch die immer wieder angesprochenen Parallelen zu Richards Wagners Musik wird hörbar. Leider auch darin, dass er die musikalischen Wogen bisweilen etwas zu lautstark agieren lässt und damit leider auch die Sänger teilweise einfach etwas zudeckt. In Teilen sind die Stimmen der überwiegend ausgezeichneten Sänger fast nicht zu hören und daran tragen die Solisten die wenigste Schuld. Etwas mehr Rücksichtnahme auf die Sänger und etwas mehr Zurückhaltung hätten der musikalischen Umsetzung mit Sicherheit gut getan. Vor allem hatten Hänsel und Gretel mit den Wogen des Orchesters zu kämpfen. In einzelnen Bereichen, wie zum Beispiel dem Abendsegen zeigte der Dirigent und sein Orchester jedoch, dass sie auch zu feinem differenziertem Spiel fähig sind, plastisch und klangvoll im stimmlichen Bereich ging dies über die Bühne, eindrucksvoll und zurückhaltend und damit auch entsprechend beeindruckend.

Patrizia Häusermann, Stefanie Rhaue als Knusperhexe und Inga Lisa Lehr

Den Solisten merkt man an, dass dieser Ausflug in eine Märchenoper, der ja sicher nicht so oft auf dem Programm steht, ihnen Freude macht und sie sind auch leidenschaftlich mit dabei. Der Hänsel wird an diesem Nachmittag von Frauke Willimczik gesungen, die für Patrizia Häusermann (die auch auf den Fotos zu sehen ist) eingesprungen ist und sie macht dies vorzüglich. Die junge Mezzosopranistin verfügt über ein gutes Stimmvolumen und trumpft auch entsprechend auf, stellt einen frischen vollblütigen Hänsel auf die Bühne und kann sich auch durchaus gegen das Orchester behaupten, obwohl man es ihr leichter hätte machen können. Dies gilt auch für den aufblühenden, anmutigen Sopran von Inga Lisa Lehr, die die Rolle charmant und bezaubernd auf die Bretter legt, so wie es sich bei einer Märchenoper gehört. Mitunter leidet ein bisschen die akustische Verständlichkeit, gerade die vielen Kinder dürften da kaum etwas mitbekommen. Den Besenbindervater Peter sang und spielte James Tolksdorf, und er tat dies souverän mit wuchtigem, kräftigem durchschlagendem Bariton. Er brauchte keine Angst vor den Orchesterfluten zu haben und gab auch darstellerisch einen überzeugenden Part. Als seine Frau agierte die Mezzosopranistin Stefanie Rhaue, die gleichzeitig auch die böse Knusperhexe gab. Und beides voll überzeugend und vor allem auch mit einer stimmlichen aber auch darstellerischen Präzision, die mehr als überzeugte. Wie sagte meine kleine Nachbarin: Heute Abend werde ich wegen der Hexe aber schlecht einschlafen. Als Sand- und Taumännchen in schöner Maskerade konnte Dong-Joo Kim sich präsentieren. Die Sopranistin bot eine rollendeckende Leistung, mit hohem leuchtendem Sopran konnte sie die beiden gegensätzlichen Gestalten gut darstellen. Insgesamt gesehen ein Nachmittag, der viele Hochs bot, aber auch einige kleine Einschränkungen. Die größte war für mich, dass die vielen anwesenden Kinder sicherlich weniger Spaß an der Aufführung hatten wie die Erwachsenen. Man ging mit dem Gefühl nach Hause keinen vergeudeten Nachmittag gehabt zu haben. Und das ist heutzutage doch schon eine ganze Menge.

Manfred Drescher, 14.12.2016  

Fotos Harald Dietz Fotografie, Hof

 

 

LAND DES LÄCHELNS

Schwelgen in herrlichen Melodien mit kleinen Unebenheiten

Aufführung 08.05.2016         

Premiere 18.12.2015

Gastspiel Theater Hof

Wenn eines der Welterfolge von Franz Lehár aufgeführt wird, mit schwelgerischen Melodien, mit großen Tenorarien, die einst Richard Tauber präsentiert hat, für den diese Operette geschrieben wurde, dann ist das Theater in Schweinfurt bis auf den letzten Platz gefüllt. Die herzzerreißende Mär von der Liebe der Wiener Komtess zu dem Prinzen Sou-Chong aus dem fernen China ist aber auch zu schön anzuhören und anzusehen. Das für eine Operette traurige Ende, Lisa verlässt an der Hand ihres früheren Geliebten Ferdinand von Pottenstein, der der Schwester des Prinzen, der kleinen Mi den Kopf verdreht hat, ihren Traumprinzen, der sich für sie zum Tyrannen entpuppt hat und lässt eine tieftraurige Mi und einen noch berührteren Sou-Chong zurück, deren sentimentale „Immer nur Lächeln“ – Philosophie den Gegensatz von Europe und China aufzeigt. Diese vier Personen sind auch das Gerüst der Operette und mit ihnen steht und fällt die Aufführung.

Dorothee Koch als Lisa und Andre Nevans als Sou Chong

Die Hofer Symphoniker haben einen guten Tag erwischt, sie spielen brillant auf, leidenschaftlich geführt von Roland Vieweg, der sie immer sicher „in Griff hat“, viel Feuer, aber auch viele sentimentale Verträumtheit mitbringt. Er nimmt bei den Gesangspassagen seine Orchesterfluten behutsam zurück um den sängerischen Freilauf zu garantieren, was nicht ganz gelingt, vor allem bei den großen Arien des Sou-Chong´s. Der Chor, der von Hsin-Chien Chiu standesgemäß eingestellt wird und das Ballett geben eine ausgezeichnete Vorstellung, sind immer präsent und vor allem der Chor in seiner Choreographie, welche überzeugend von Barbara Buser gestaltet wird, gelangt mit zu einem Höhepunkt der Aufführung. Die Inszenierung von Francois de Carpentries und Karine van Hercke stellt das Werk in seine Anfangsbereiche, Gott sei Dank keine moderne Gestaltungsverhunzung. So wird dem Prinzen auch nicht die Gelbe Jacke verliehen, sondern er bekommt die rote Mao-Bibel überreicht, die auch vom Chor vielfach präsentiert wird. Es ist gewöhnungsbedürftig, aber durchaus stimmig, es gibt keinen Bruch in der Erzählung aus dem fernen Land. Teilweise sind prachtvolle Kostüme zu bewundern und alles ist üppig und schön anzuschauen.

Thilo Andersson als Gustl und Dorothee Koch und Andre Nevans

In die Rolle des Richard Tauber, dem aufgrund einer Erkrankung, durch welche er sich nur mühsam bewegen konnte, die Rolle von Franz Lehár auf den Leib geschneidert wurde, schlüpft Andre Nevans, der sich redlich bemüht. Die großen knallenden Höhen gehen ihm am heutigen Tag jedenfalls etwas ab, er muss auch des Öfteren transponieren und kann so den Schlagern der Operette zwar Leben einhauchen, aber es reicht für mich nicht ganz. Auch wird er vom Orchester öfter zugedeckt, vor allem, wenn er der Rampe abgewandt zur Seite oder gegen das Publikum singen muss. Hier hätte man auf ihn schon ein bisschen mehr eingehen müssen, denn er besitzt eine schöne vollmundige Stimme, für die Partie ist er mir jedoch an diesem Nachmittag etwas untergewichtig. Ebenso wie Lisa, die Tochter von Graf Ferdinand Lichtenfels, der ohne Tadel von Hans-Peter Pollmer dargebracht wird, die mit Dorothee Koch besetzt ist. Darstellerisch bringt sie eine sehr gute Leistung auf die Bühne, gesanglich ist jedoch auch sie mir etwas zu zurückhaltend, ihr schöner aber etwas kleiner zarter Sopran gibt alles, sie hat auch etliche sehr schöne Passagen und gefällt insgesamt in der Rolle. Thilo Andersson als Gustl, Graf von Pottenstein weiß da stimmlich schon mehr zu überzeugen. Er spielt gut, er singt sehr schön mit kräftigem Charaktertenor, der auch als sehr hoher Bariton durchgehen würde. Er ist ein ausgezeichneter Operettentenorbuffo und wirbelt in seinen nicht allzu großen Auftritten über die Bühne, dass es eine wahre Freude ist. Mit Tanja Christine Kuhn hat er aber auch eine adäquate Partnerin gefunden, die für mich eine Luxusbesetzung der Mi, der Schwester Sou-Chong´s darstellt. Quirlig, mit lebendigem glitzerndem Sopran ausgestattet, weiß sie als liebende Chinesin genauso wie als aufopfernd Versagende zu überzeugen. Sie bringt einen Hauch von Tragik in die ansonsten doch sehr kurzweilige Operette.

Dorothee Koch und Tanja Christine Kuhn als Mi

Alle weiteren Darsteller in teilweise sehr kleinen Rollen, machen ihre Sache recht gut und es gibt insgesamt gesehen keinen Ausfall. Marina Schuberth als Lore, die Nichte von Graf Lichtenfels, MacKenzie Gallinger als schottischer Botschafter, Lina Rifqa Kamal als Fini, Karsten Jesgartz als alter Diener und Obereunuch, Daniel Milos als Onkel Tschang und Tae Yil Yoon als Gardeoffizier vervollständigen stimmig das Ensemble.

Insgesamt eine Aufführung, die dem Publikum gefallen hat, teilweise wird sogar – was mich immer sehr stört – mitgesummt und bei „Dein ist mein ganzes Herz“ wird so manches Frauenauge feucht. Das Auge meiner Frau wird feucht, weil man auseinandergeht und der arme Prinz mit seiner noch ärmeren Schwester allein zurückbleibt. Aber so ist es nun einmal bei einer Operette, die nicht nur unbeschwert alle Paare zusammenkommen lässt. Unter dem Strich kann man festhalten, dass man sich sehr gut unterhalten hat, man geht, die eine oder andere Melodie vor sich hin pfeifend aus dem Theater und das ist doch schon sehr viel.

Manfred Drescher, 20.05.2016  

Fotos (c)  SFF Fotodesign Hof

 

 

Jubiläumsoperette bringt Stimmung nach Schweinfurt

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 11.01.2016         

Tourneebeginn Herbst 2015

DER BETTELSTUDENT

Die Operettenbühne Wien unter Heinz Hellberg feiert 20 jähriges Jubiläum mit der Erfolgsoperette „Der Bettelstudent“ in Schweinfurt

Ein gerngesehener Gast in Schweinfurt ist seit vielen Jahren Heinz Hellberg mit der Operettenbühne Wien. Diesmal ist es etwas Besonderes, feiert die Bühne doch ihr 20jähriges Jubiläum. Zwanzig Erfolgsjahre liegen hinter der Wiener Bühne und die treuen Besucher hoffen, dass noch ein paar Jubiläen draufgepackt werden können.  Der große Erfolg von Prof. Heinz Hellberg, der auch heute wieder für die Regie verantwortlich zeichnet,  liegt vor allem darin, dass er die Operette authentisch inszeniert, dass er sie nicht zum Kasperltheater macht, sondern dass er sie ernsthaft und mit Respekt behandelt. In dieser Art wird die schon so oft totgesagte Operette noch ein langes Leben führen, auch wenn sie vom Fernsehen und teilweise auch vom Rundfunk gnadenlos verbannt wird. Wo bleibt der Auftrag der öffentlichen Anstalten auch die Operette einem jungen Publikum näher zu bringen.

Wo bleiben die Leserbriefe, die Schreiben an die Rundfunkhäuser, endlich auch hier der Öffentlichkeit etwas zu bieten und damit auch den Ruf nach der Operette wieder hörbar zu machen. Wie sollen unsere Kinder denn mit dieser Musikgattung Kontakte aufnehmen können, wenn sie gnadenlos von unseren öffentlich rechtlichen Anstalten davon ferngehalten werden. Für mich ist dies einfach nicht nachvollziehbar und für die vielen zigtausend Operettenliebhaber in unserm Land sicherlich auch nicht.

Die Geschichte des tief gekränkten Oberst Ollendorf, der mit einer Ohrfeige durch die schöne Laura, einer Tochter der verarmten Gräfin Nowalska, für seine Zudringlichkeit „belohnt“ wird, daraufhin zwei Bettelstudenten als Fürst und Adjutant auftreten lässt, um nach geschlossener Ehe der schönen Laura den Bettelstudenten zu präsentieren, um sie damit vorzuführen, ist wohlbekannt. Durch seine Überheblichkeit wird er durch einen der Bettelstudenten, der eigentlich ein Herzog ist, abgesetzt und der andere Bettelstudent geadelt. Beide finden in den Töchtern der Gräfin ihr Glück und bei Hellberg bekommt der Oberst Ollendorf zum Schluss noch die Gräfin Nowalska, in sehr gewagter Auslegung des Librettos.

Ella Tyran, Stefan Reichmann

Das Orchester der Operettenbühne Wien wird von Lazlo Gyüker mit straffer und gleichzeitig leichter Hand geleitet. Er atmet mit dem Orchester mit, nimmt es auch behutsam zurück, um die ein oder andere Singstimme besser zur Geltung kommen zu lassen und ist insgesamt feurig und ohne Fehl und Tadel bei der Sache. Ein stimmiges Bühnenbild, einprägsam und immer darauf bedacht, dass es ja bei einem Tourneetheater nur begrenzte Möglichkeiten gibt, wird hier von Adrian Boboc auf die Bretter der Bühne gestellt. Ebenso gute Arbeit geleistet hat auch Lucya Kerschbauer, die für die Kostüme die Verantwortung trägt und diese recht farbenprächtig und stimmig darbietet. Das gefällt auch den Augen des Publikums, welches mit Beifall nicht geizt. Auch der Chor und das Ballett der Operettenbühne können voll überzeugen. Gerade im Bettelstudenten, bei dem die Dialoge wesentlich kürzer geraten sind, als bei anderen Operetten, kommt dies ganz besonders zur Geltung.

Den Studenten Symon Rymanowicz, den Bettelstudenten, gibt Stefan Reichmann mit weichem klarem Tenor. Ein bisschen fehlt für mich am heutigen Nachmittag das Feuer, das Strahlen der Spitzentöne, alles wirkt etwas wie gebremster Schaum. Bei einem seiner Soli, dem „Ich hab kein Geld bin vogelfrei“ merkt man, was eigentlich an stimmlichen Qualitäten in ihm steckt. Hier leuchtet es plötzlich, die Spitzentöne strahlen, hier macht das Zuhören Spaß. Vielleicht war er an diesem Nachmittag auch nicht gesundheitlich in Höchstform. Mit klarem, kernigem Tenor ist Anton Graner sein studentischer Freund Jan Janicki und kann voll überzeugen. Er macht seine Sache gut, vor allem auch in den Duetten. Hier ist ihm Verena te Best als Bronislawa, einer der Töchter der Gräfin Nowalska eine exzellente Partnerin. Mit reiner, glasklarer, nicht übergroßen aber äußerst warmer, hübscher und ausdrucksstarker Stimme weiß sie zu beeindrucken. Dass sie auch reizend anzusehen ist, kommt noch dazu und dann besitzt sie etwas, was leider heutzutage selten geworden ist, eine übersprühende Spiellaune. Bei jeder Geste jedem Ton von ihr merkt man die Leidenschaft, mit welcher sie sich bedingungslos in die Rolle wirft, eine exzellente Leistung.

 

Verena te Best, Anton Graner, Ella Tyran, Stefanb Reichmann, Alexandra Scholik, Viktor Schilowsky. Susanne Hellberg

Ella Tyran setzt als zweite Tochter Laura einen schönen klaren, vollmundigen und sicheren Sopran ein. Leider ist sie von Spiel her etwas zu sehr zurückhaltend, zu eisig, zu unnahbar. Natürlich sind die beiden Töchter etwas eingebildet und arrogant, aber für mich ist das eine kleine Spur zu viel. Sonst aber auch bei ihr eine untadelige Leistung. Alexandra Scholik bringt eine resolute, immer noch stimmschöne Palmartica Gräfin Nowalska auf die Bühne, der es Spaß macht zuzuhören aber auch zuzusehen. Eine weitere Bravourrolle hat Viktor Schilowsky dazubekommen. Er bringt einen mehr als rollendeckenden Oberst Ollendorf auf die Bühne. Verschlagen, intrigant, spielerisch ein Erzkomödiant, gesanglich eine gepflegte, durchsetzungsfähige doch auch warme und einfühlsame, kräftige und vollmundige Baritonröhre. Jeder Zoll ein nur an sich Denkender, der als Gouverneur von Krakau glaubt, sich alles herausnehmen zu können. Viel Zwischenapplaus auch für ihn. Und schließlich Susanne Hellberg in der kleinen Rolle des Offiziers Richthofen. Eine Vollblutkomödiantin, die alles aus dieser Rolle herausholt und bei der man sich mehr als nur ein Couplet gewünscht hätte. Sie ist und bleibt halt, auch in kleinen Rollen, die Stütze des Ensembles. Urs Mühlenthaler als Enterich, der sächsische Gefängniswärter, überzeugt in erster Line in schauspielerischer Hinsicht und auch ihm merkt man an, dass er sich vollkommen mit seiner Rolle identifiziert.

Erneut hat die Wiener Operettenbühne ihr Publikum überzeugt, begeistert und mitgerissen. Auch im zwanzigsten Bühnenjahr präsentiert sie sich frisch und jung wie eh und je. So wollen wir Operette auch weiterhin noch viele Jahre erleben.

Manfred Drescher, 17.01.2016  

Fotos Eigenaufnahmen

 

 

BALL IM SAVOY

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 05.01.2016      

Tourneebeginn Ende Dezember 2015

Temperamentvolle und farbenprächtige Aufführung einer selten gespielten Operette

Das Operettentheater Salzburg lässt die selten aufgeführte Operette „Ball im Savoy“ des ungarisch-deutschen Komponisten Paul Abraham im neuen Glanz und prächtiger Ausstattung erstrahlen. Neben der Operettenbühne Wien ist auch die Operettenbühne Salzburg ein gern gesehener Gast in Schweinfurt. Ist doch bekannt, dass sie farbenprächtige Ausstattungsoperetten mitbringt, die viel dem Auge aber auch dem Ohr bieten. Der Komponist Paul Abraham (1892 – 1960) hat neben etlichen heute vergessenen Operetten „Viktoria und ihr Husar“, „Blume von Hawaii“ und eben „Ball im Savoy“ komponiert und alle drei waren zur damaligen Zeit riesige Erfolge und erleben zur Zeit auf den europäischen Bühnen eine kleine Renaissance. Abraham verstand es das bewährte Gestrige mit dem neuen Zukünftigen zu verbinden, anders ausgedrückt gelang es ihm, traditionelle Elemente der Musik mit jazzigen Rhythmen zu kombinieren und damit sein Publikum zu begeistern. Lucia Meschwitz führt Regie und sie tut etwas, was leider heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist, sie verkitscht die Operette nicht sondern nimmt sie in allen Phasen ernst und sie schafft dadurch auch den Spagat zwischen dem althergebrachtem und der Moderne. Sie inszeniert „Ball im Savoy“ als farbenprächtiges Spektakel und das Publikum geht begeistert mit. Einen großen Anteil am Erfolg hat auch Gerlinde Höglhammer, die für die Kostüme verantwortlich ist. Einfach nur toll, wie bunt, farbenprächtig, ja fast fließen die Augen vor dieser Farbenpracht dahin, die Kostüme und die Ausstattung sind. Dem steht auch das ebenfalls bunte und einprägsame Bühnenbild von Christine Sadjina-Höfer in nichts nach. Man muss ja immer bei allem berücksichtigen, dass es sich hier um ein Tourneetheater handelt, welches es wesentlich schwerer hat, dies alles auf die Beine zu stellen, als ein fest bespieltes Haus. In diesem Zusammenhang muss man auch lobend die Choreografie von Monica Fotescu-Uta erwähnen, die das Ballett zu einem herausragenden Punkt dieser Aufführung führt. Auch dies ist seit vielen Jahren ein Markenzeichen des Operettentheaters Salzburg. Die Mitglieder des Ballettensembles Illo Tempore aus Dortmund wirbeln über die Bühne, dass es eine wahre Freude ist.

Dieter Hörmann, Jasmin Bilek, Stefan Fleischhacker, Michael Kurz, Doris Langara

Die musikalische Leitung hat an diesem Nachmittag im ausverkauften Theater in Schweinfurt Dimitar Panov und er hat sein Orchester gut im Griff. In allen Facetten weiß das Orchester zu überzeugen und lässt es zum Teil auch ordentlich swingen, den Foxtrott, den Stepp und den Blues erklingen. Leider ist das Orchester ab und zu etwas zu euphorisch dabei und überdeckt die ein oder andere etwas schwächere Gesangsstimme. Die Geschichte um das Paar Marquis Aristide und seiner Frau Madeleine, die nach einer einjährigen Hochzeitreise zurückkehren, ein bisschen flirten, was der jeweilige Partner total missversteht und dem eheerprobten Mustafa Bey, der in der Jazzkomponistin Daisy Parker sein endgültiges Glück findet, ist überzeugend auf die Bühne gebracht. Die Spieldauer ist mit knapp drei Stunden (inclusive einer Pause) jedoch schon recht lange und es hätte der Geschichte sicher gut getan, etwas zu kürzen, vor allem in den teilweise doch sehr langen Dialogen. Etliche Ohrwürmer wie „Toujour lámour“, „Es ist so schön am Abend bummeln zu gehen“, „Was hat eine Frau von der Treue“, „Ich hab einen Mann der mich liebt“ oder „Wenn wir Türken küssen“ reißen das Publikum richtig mit, es ist halt eine Revueoperette, die richtig Spaß macht. In der Rolle des Marquise Aristide de Faublas ist Michael Kurz zu hören. Er, den ich in der Vergangenheit immer mit überdurchschnittlichen Leistungen im Ohr habe, ist an diesem Nachmittag für mich etwas gebremst, es fehlt der Glanz in der Stimme, er agiert sehr zurückhaltend, auch die strahlenden Höhen kommen nicht so, wie ich es von ihm gewöhnt bin. Darstellerisch wie immer ausgezeichnet, bietet er eine grundsolide Leistung, das Tüpfelchen auf dem I fehlt für mich jedoch. Doris Langara gibt seine getreue Gemahlin Madeleine und kann mit ihrem sicheren leichten Spiel, aber auch mit ihrem klaren, frischen und sauberen Sopran voll überzeugen. Als Mustafa Bey, dem türkischen Attaché in Paris hat Stefan Fleischhacker eine Paraderolle gefunden. Mit einer tollen Spiellaune verkörpert er den vielvermählten Türken und reißt das Publikum mehr als einmal zu Lachstürmen hin. Gesanglich kann man von ihm nicht so viel vernehmen, zum einen hat er keine so durchschlagende Stimme und zum anderen übertönt ihn das Orchester teilweise gnadenlos. Als Jazzkomponistin Daisy Parker legt Jasmin Bilek einen überzeugenden Auftritt auf die Bühnenbretter. In blendender Spiellaune und sauber geführtem hohem Sopran kann sie nicht nur Mustafa Bey von sich überzeugen sondern auch das Publikum – und den Rezensenten.

Dieter Hörmann, Jasmin Bilek, Stefan Fleischhacker, Doris Langara, Michael Kurz, Mariana Lazar

Da hat es Mariana Lazar als argentinische Tänzerin Tangolita ein bisschen schwerer. Sie, die ja den armen Aristide als Femme fatale verführen soll, hat für mich persönlich nicht diese Ausstrahlung einer männermordenden Verführerin. Die sinnliche Ausstrahlung, die diese Rolle eigentlich erfordert, ist an diesem Nachmittag für mich nicht so zu spüren. Gesanglich ist sie ohne Fehl und Tadel, kann hier wieder entsprechend punkten. Als verliebter, schüchterner, draufgängerisch sein wollender aber hoffnungslos scheitender Anwalt Célestin Formant liefert Dieter Hörmann ein Kabinettstückchen ab. Ein mit viel Beifall – und dies völlig zu Recht – bedachter Auftritt. Insgesamt ein Nachmittag, der ins Blut gegangen ist, der mit seinen schmissigen Melodien, seiner farbenprächtigen Ausstattung voll überzeugen konnte. Die kleinen Anmerkungen, die ich hier etwas beckmesserisch angebracht habe, fallen kaum ins Gewicht. Lediglich der zu viele Text war nicht unbedingt nötig. Hätte man hier etwas gestrafft, wäre die Aufführung noch schmissiger geworden. Unter dem Strich kann man festhalten, dass man hochzufrieden nach Hause gegangen ist. Und das ist in der heutigen Zeit schon sehr viel.

Manfred Drescher, 10.01.2016  

Fotos Eigenaufnahmen MDr

 

FEUERWERK DER OPER

Italienischer Arienzauber verzückt das Schweinfurter Publikum

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 03.11.2015      

Tourneebeginn Herbst 2015

Compagnia d´Opera Italiana di Milano reiht Opernperle an Opernperle

Nach dem geglückten Auftakt mit der Operettengala war nun in Schweinfurt die große Oper an der Reihe. Die Compagnia d´Opera Italiana di Milano kommt mit großem Orchester, einer Sopranistin, zwei Tenören, einem Bariton, einem Bass und einem kleinen aber feinen Chor nach Schweinfurt. Großer Aufwand für den Nachmittag, der unter dem Motto „Feuerwerk der Opernmelodien“ steht. Und es wird ein Highlight an das andere gereiht, leider wird weder das Stück noch der Interpret (denn es gibt alternierende) angekündigt. Bei den Stücken ist es noch zu verschmerzen, vor allem wenn man sich das dazugehörige Programm gekauft hatte, aber bei den Solisten wäre schon ein Hinweis recht schön gewesen – und wenn ihn der Dirigent gegeben hätte. Schade, denn so wirkt alles ein bisschen aneinandergereiht, ohne den berühmten roten Faden.

Maria Tomassi, Sopran

Das Orchester der Staatsoper Rousse ist auf der Bühne verteilt und gut aufgelegt. Vladimir Boshnakov leitet es mit sicherer und fester Hand. Insgesamt gesehen eine gute Leistung, auch wenn das italienische Feuer, die alles verzehrende Leidenschaft vom Orchester nicht immer so über die Rampe gebracht wird. In jedem Fall jedoch wird auf die Sänger eingegangen und die Klangwogen etwas zurückgenommen, wenn es erforderlich ist um den Sänger nicht zu überdecken. Das Orchester selbst stellt sich mit dem Preludio des 1. Aktes der Verdioper „La Traviata“ vor und nach der Pause mit dem Preludio des 4. Aktes fortzufahren. „La Traviata“ ist insgesamt gesehen sehr oft vertreten. Von den Sängern beeindruckt mich bei der heutigen Vorstellung die Sopranistin Maria Tomassi am meisten. Ob mit der Arie der Leonora aus Verdis „Troubadour“, der Arie der „Tosca“ von Puccini, ob mit „Madame Butterfly“, ebenso von Puccini, sie überzeugt in allen Rollen. Strahlend stimmschön ihr heller warmer leuchtender Sopran, der jede Regung auf das vortrefflichste übermittelt. Feurig, locker, leicht und durchschlagskräftig setzt sie an diesem Nachmittag Maßstäbe. Zu Recht erhält sie während und vor allem dann auch nach der Aufführung fast nicht endend wollenden Applaus. Eine ganz tolle Leistung an diesem Nachmittag. Eindrucksvoll auch der Tenor Thomas Yun. Er überzeugt neben Maria Tomassi mit der Arie aus „Das Mädchen aus dem goldenen Westen“ von Puccini und den beiden großen Arien des Cavaradossi aus „Tosca“. Sein strahlender Tenor ist belcantosicher, lyrisch zurückhaltend, aber wenn es erforderlich ist auch leidenschaftlich auftrumpfend. Ihm nimmt man das Feuer der Jugend und die Leidenschaftlichkeit in jedem Moment ab.

 

Luca Bodini, Tenor

Der zweite Tenor an diesem Nachmittag, Luca Bodini, hat die tenoristischen größeren Reißer. Er kann Mit La donna é mobile aus Verdis „Rigoletto“, der Celeste Aida aus „Aida“, ebenfalls von Verdi  und natürlich dem unverwüstlichen Nessun dorma aus Puccinis „Turandot“ punkten. Er singt zwar alles sehr überzeugend, mit auftrumpfender höhensicherer teilweise imponierender Stimme, aber irgendwie hat man ein bisschen das Gefühl von „gebremsten Schaum“, es fehlt – jedenfalls mir – die totale leidenschaftliche Verkörperung ohne jedes wenn und Aber. Das Publikum jubelt jedoch bei jeder seiner Arien und auch am Schluss tosender Applaus.

Andrij Shkurhan, Bariton

Eindrucksvoll wirkt auf mich der Bariton Andrij Shkurhan. Mit einem durchdringenden, urgewaltigen aber dennoch weichem und sehr schönem Bariton füllt er mühelos das Schweinfurter Theater bis in den letzten Winkel aus. Mit der großen Arie des Grafen Luna aus „Troubadour“, dem exzellenten Te Deum aus „Tosca“, bei welchem ihn der ausgezeichnete Chor, der nur aus 8 Personen besteht, aber ein Vielfaches an Stimmvolumen aufweist, vorzüglich begleitet, dem wunderschön gesungenen Qual Voce aus „Troubadour“, gemeinsam mit Maria Tomassi und nicht zuletzt dem beeindruckenden Di Provenza aus „La Traviata“ weiß er nicht nur voll zu überzeugen, sondern auch zu begeistern. Der Bass Slavin Peev ergänzt das Quintett überzeugend mit tiefem voluminösen durchdringenden Bass. Er kann mit der Arie Vi ravviso aus Bellinis „La Sonnambula“ glänzen, Ebenso mit der großen Arie des König Philipp aus Verdis „Don Carlos“.  Der Chor kann all seine Güte, vor allem erstaunlich bei der kleinen Besetzung, eindrucksvoll bei I Mattadori aus „La Traviata“ und Va pensiero aus „Nabucco“, ebenfalls von Verdi,  zeigen. Nicht endend wollender Applaus am Ende des Opernabends lassen als Zugabe dann noch ein weiteres Highlight zu. Spritzig, schwungvoll, das Publikum mitreißend treten alle Solisten nochmals mit „O Sole Mio“ auf und machen aus der Arie ein kleines Kabinettstückchen. Jetzt möchte das Publikum weiteres hören, jetzt ist das italienische Flair übergesprungen, aber auch ein schöner italienischer Abend muss einmal zu Ende gehen und so freut man sich auf das nächste Jahr und die Compagnia d´Opera Italiana di Milano. 

Manfred Drescher, 13.11.2015  

Fotos: Manfred Drescher

 

 

Heitere Operettenschmankerl

zum Saisonbeginn

Aufführung im Theater der Stadt Schweinfurt 29.09.2015      

Tourneebeginn Herbst 2015

Operettentheater Salzburg mit kleinen Schönheitsfehlern erfreut die Schweinfurter

Die musikalischen Aufführungen in Schweinfurt werden mit der großen Operettengala „Lass rote Rosen blüh´n“ eröffnet. Das hier gut bekannte Operettentheater Salzburg kann vor ausverkauftem Haus in Operettenseligkeit schwelgen und das Publikum geht begeistert mit. Dass die Operette im Fernsehen fast überhaupt keine Rolle mehr spielt und auch im Radio nur noch sporadisch aufgeführt wird (wo bleiben die Schreiben der vielen tausend Operettenbegeisteter an die Funkhäuser mit der Aufforderung, die Operette wieder verstärkt ins Programm zu nehmen?) ist an diesem Nachmittag nicht zu merken. Das Publikum freut sich über die altbekannten Weisen, applaudiert mit Feuereifer und geht mit allem, was es zu bieten hat mit. Leider ist der von mir hochgeschätzte Tenor Eugene Amesmann an diesem Tag nicht auf der Bühne und ich habe ihn schmerzlich vermisst.

Das Orchester ist auf der Bühne verteilt und gut eingerichtet. Katalin Doman leitet es mit fester, leidenschaftlicher Hand. Das Orchester folgt ihr in allen Belangen, zart zurückhaltend, dann wieder aufblühend und leidenschaftlich auftrumpfend, wenn es erforderlich ist. In jedem Fall aber sängerdienlich, denn Katalin Doman nimmt es immer dann etwas zurück, wenn die Sänger Probleme bekommen könnten. Durch das Programm führt mit leichtem Augenzwinkern und immer interessant und hörenswert Franziska Stanner, die auch als Juno im großen Querschnitt von „Orpheus in der Unterwelt“ auftritt. Sie verbindet die einzelnen Stücke und gibt Interessantes aus der Operettenwelt preis. Mit der Ouvertüre aus „Banditenstreiche“ von Suppé kann sich das Orchester gleich zu Beginn eindrucksvoll in Szene zu setzen und erntet zu Recht großen Applaus. Christian Bauer tritt dann als Barinkay aus dem „Zigeunerbaron“ auf und beweist mit „Als flotter Geist“ wieviel Feuer in dieser Bravourarie von Johann Strauss Sohn steckt. Der geborene sympathische Wiener weiß mit sanftem Timbre aber auch strahlenden Spitzentönen sein Publikum zu überzeugen. Er überzeugt auch die charmante Wiener Sopranistin Monika Medek, mit welcher er „Schenkt man sich Rosen aus Tirol“ aus dem Vogelhändler stimmungsvoll darbietet. Monika Medek konnte bereits kurz vorher mit „Es muss was Wunderbares sein“ aus „Im weissen Rössl“ mit ihrem klangschönen durchschlagskräftigen und leuchtenden Sopran voll überzeugen. Die zweite Sopranistin des Abends, die Schwedin Cecilia Berglund brilliert mit dem Auftrittslied der Saffi aus „Der Zigeunerbaron“. Sie erntet mit Recht den meisten Beifall des Abends, ihr reiner zarter lyrischer Sopran kann in allen Belangen überzeugen. Stimmschön mit bravourösen Koloraturen bringt sie das Publikum zum Luft anhalten, um ja keinen Ton der außergewöhnlichen Stimme, gepaart mit einer ebenso großen Spiellust zu verpassen. Auch das Viljalied aus der „lustigen Witwe“ gestaltet sie eindrucksvoll und erntet zu Recht donnernden Applaus. Das Bacchuslied aus „Orpheus in der Unterwelt“ wird durch ihre Interpretation zu einem Erlebnis. Der Wiener Baß-Bariton Manfred Schwaiger gestaltet mit kräftiger, vollmundiger und weicher Stimme einen Zsupán der Sonderklasse, auch in erster Linie deswegen, dass er seine komödiantische Ader voll ausspielen kann. Auch beim Überbringen der dunkelroten Rosen aus „Gasparone“ kann er die Herzen des Publikums und hier in erster Linie der anwesenden Damenwelt im Sturm erobern.

 

Der Tenor Raimund Stangl, ein geborener Österreicher bringt einen sympathischen Danilo aus „Die lustige Witwe“ auf die Bühne, ebenso wie das Operettenschmankerl „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ aus der „Csárdásfürstin“. Sein gepflegter Tenor ist sehr stimmschön, wenngleich die großen Höhen fehlen, die in diesen Arien auch nicht verlangt werden und die bei einem guten Buffo auch nicht von Nöten sind. Zu guter Letzt tritt noch der Schweizer Tenor Daniel Zihlmann auf. Er ist in Schweinfurt ein gefeierter Solist, seit Jahren die Stütze der Operettenfestspiele in Hombrechtikon und mit einem kraftvollen, ausdrucksstarken und höhensicherem Tenor ausgestattet. Seine große Bühnenpräsenz und seine strahlenden Höhen sind ein großes Plus, ebenso wie seine Wortverständlichkeit. Und gerade bei ihm beginnen die kleinen Schönheitsfehler, die vom Großteil des Publikums kaum wahrgenommen worden sein dürften. Zum einen wird er von Franziska Stanner mit der Arie aus Giuditta angekündigt, dies nimmt sie dann auch gleich zurück, erklärt, dass er nicht das Wolgaleid singen wird, um im nächsten Satz das Wolgalied anzukündigen. Und scheinbar ist er davon so durcheinander, dass er eine Textzeile des Wolgaliedes total „vergisst“ und sich nur mit großer Not wieder in die Arie zurückretten kann. Das dann auch noch in einer Orchesterpassage auf der Bühne ein leerer Stuhl des Orchesters lautstark und polternd umfällt, tut ein weiteres hinzu. Gott sei Dank hat er sich dann bei „Freunde das Leben ist lebenswert“ aus „Giuditta“ wieder gefangen und bringt diese Bravourarie aller Tenöre wunderbar mit schmetternden Spitzentönen über die Bretter, die die Welt bedeuten. Mit Recht kann er dazu tosenden Applaus erwarten. Ein großer Querschnitt aus „Orpheus in der Unterwelt“ beendet die rauschende Operettennacht (die in diesem Fall ein Operettennachmittag ist) und lässt das Publikum lange und ausdauernd klatschen. Hat sie doch der Cancan fast von den Sitzen gerissen. Ein wunderschöner Nachmittag mit viel schönen Melodien und vielen lachenden Gesichtern, die nach der Vorstellung das Theater verlassen.

Manfred Drescher, 07.10.2015  

Fotos Eigenaufnahmen

 

 

Moderne Version der altbekannten „Tosca“ erfreut Schweinfurt

TOSCA

Premiere Dessau 17.05.2014

Aufführung am 11.06..2015

Hermus verlässt Dessau und betrübt die Opernfreunde in Schweinfurt

Diesmal gab es im Theater der Stadt Schweinfurt einen Abschied. Abschied vom langjährigen Generalmusikdirektor und Chefdirigent dem Holländer Antony Hermus. Er verlässt das Anhaltische Theater Dessau zum Ablauf der diesjährigen Spielzeit. Doch davon später etwas mehr. Das Anhaltische Theater Dessau ist ein langjähriger, hochverehrter und vielgeliebter Gast in Schweinfurt. Diesmal stand die „Tosca“ von Giacomo Puccini auf dem Programm. Und auch diesmal kann das Anhaltische Theater Dessau Beifallsstürme entgegennehmen. Beifallsstürme in erster Linie für die sängerische Bewältigung der Oper und auch für das Orchester, welches letztmalig unter der Leitung von Antony Hermus steht. Der Regisseur Hans Peter Cloos bietet eine „aktualisierte Inszenierung“ der bekannten Oper, also den Versuch einer Modernisierung. Der werte Leser wird wissen, dass ich nicht unbedingt ein Freund der Aktualisierungen bin und auch nach dieser Inszenierung hat sich an meiner Meinung nicht viel geändert.

Der Maler Cavaradossi, der die Sängerin Flora Tosca unsterblich liebt, die auch der Polizeichef Scarpia begehrt, hilft seinem Freund Angelotti, der aus der Haft entflohen ist. Scarpia benutzt Tosca um den Aufenthalt Angelottis zu erfahren. Er nimmt Cavaradossi fest und foltert ihn, Tosca muss hilflos zusehen. Sie kann Cavaradossi retten, indem sie sich dem Drängen Scarpias hingibt. Nachdem dieser eine Scheinhinrichtung Cavaradossis zugesichert und Passierscheine ausgestellt hat, ersticht sie ihn, während er sie bedrängt. Sie eilt zu Cavaradossi, dessen Scheinhinrichtung wird jedoch real vollzogen und sie stürzt sich, bevor sie die Häscher Scarpias festnehmen können, in den Tod. Mit wenigen Worten ist dies die Geschichte Toscas.

Hans Peter Cloos verlagert dies alles in die Neuzeit, ich frage mich einfach nur warum? Statt Kirche eine Dombauhütte, der zweite Akt verläuft in der Halle eines Hotels, aus der Engelsburg wird ein Hochhausdach. Die Folterung Cavaradossis wird sehr direkt, sogar etwas überzeichnet, dargeboten und so könnte man fortfahren. Also gut, ich werde mich daran gewöhnen müssen, dass man Handlungen, die für mich auch heute noch zeitlos gezeigt werden können, aus welchen Gründen auch immer in die Jetztzeit stellt. Ob man damit jüngere Zuschauer anlockt möchte ich auf jeden Fall bezweifeln. Die Kostüme von Marie Pawlotsky passen sich der „Modernisierung“ an, Straßenkleidung, Lederschlips, rote Roben der 5oer Jahre Welle und etliches mehr. Gut, man kann diese Inszenierung wohlwollend betrachten, warum sie jetzt aber unbedingt sein musste, kann ich persönlich jedoch nicht ganz nachvollziehen.

Die zeitlose Musik Puccinis, die man Gott sei Dank nicht verändern kann (bzw. darf), wird von der Anhaltischen Philharmonie vortrefflich dargeboten. Musikalische Geschlossenheit, das Erarbeiten feinster Nuancen, feuernde Leidenschaft, wo sie machbar ist und feine Zurückhaltung, wo sie zum Wohle der Sänger angebracht ist, zeichnet das Orchester aus. Das liegt auch daran, dass der Generalmusikdirektor und Chefdirigent Antony Hermus die Musik in sich einatmet und leidenschaftlich wiedergibt. Ihn zu erleben ist schon allein ein Erlebnis. Er verausgabt sich bis zum letzten und atmet mit seinen Musikern. Ein leidenschaftlicher Dirigent, der sein Orchester seit nunmehr sechs Jahren in Dessau fest im Griff hat, Der charismatische Holländer verlässt aus persönlichen Gründen im Sommer Dessau, er wird nicht nur dort fehlen, er wird auch uns fehlen. Dieses Orchester und dieser Dirigent haben Maßstäbe gesetzt und dies auch heute in der Tosca.

Kammersängerin Iordanka Derilova gestaltet die Tosca. Und so leidenschaftlich wie ihr Dirigent, verkörpert auch sie die Partie der leidenschaftlichen Frau Tosca. Mit klarem leuchtendem Sopran, der zur Zurückhaltung aber auch zum leidenschaftlichen Forte fähig ist, verzaubert sie nicht nur Cavaradossi sondern auch das Publikum, welches mit stürmischem Applaus die tolle Leistung honoriert. Das sie auch darstellerisch auf höchstem Niveau agiert, braucht man bei ihr, der Primadonna Assoluta nicht extra zu betonen. Ihr durchaus ebenbürtig der Cavaradossi von Charles Kim. Am Anfang noch etwas zurückhaltend, steigert er sich immer mehr und kann mit strahlendem Tenor beeindrucken. Leider hat er nur zwei große Arien, doch die setzt er so, dass man eigentlich noch mehr hören möchte. Auch darstellerisch ist er seiner Tosca ein ebenbürtiger Partner. Und dann, fast hätte ich gesagt das Dessauer Urgestein, Ulf Paulsen als verschlagener, boshafter und lüsterner Scarpia. Wieder eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert vorkommt. Hinterhältig und dämonisch, stimmlich bis an die Grenzen gehend, verkörpert er den machbesessenen Unmenschen, seine durchschlagskräftige Heldenbaritonstimme im Einklang mit einer überdurchschnittlichen darstellerischen Darbietung lassen diese Rollenbesetzung noch lange im Gedächtnis bleiben. Keinerlei Ausfälle in den übrigen Rollen, so Wiard Withold als Cesare Angelotti, André Eckert als Mesner, David Ameln als Spoletta, Cezary Rotkiewicz als Sciarrone und Steven Simon als Hirt. Der Opernchor des Anhaltischen Theaters, einstudiert von Helmut Sonne und der Kinderchor unter der Leitung von Dorislava Kuntscheva machen ihre Sache gut, man merkt ihnen auch die Freude am Spiel an. Insgesamt ein sehr erfreulicher Abend, der durch den Weggang von Antony Hermus ein kleines bisschen getrübt wird.

Manfred Drescher, 19.06.2015  

Fotos Claudia Heysel

 

 

DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR

machen Schweinfurt unsicher

Aufführung der Kammeroper Köln / Premiere 20.03.2015

Eine Premiere in einem Gastspieltheater ist nicht etwas Alltägliches

Diesmal gab es im Theater der Stadt Schweinfurt etwas Außergewöhnliches. Die Kammeroper Köln zeigte hier ihre Premiere von „Die lustigen Weiber von Windsor“ und das kommt kaum vor, dass eine Premiere an einem Gastspieltheater vorgestellt wird. Im fast ausverkauften Theater war man von den gezeugten Leistungen sehr angetan, doch dazu etwas Vorgeschichte. 1996 wurde die Kammeroper Köln von Esther und Inga Hilsberg gegründet, als privates unsubventioniertes Musiktheater. Eine Besonderheit ist vor allem, dass hier junge unverbrauchte Sänger sich ihre ersten Sporen verdienen und gar manche Karriere von hier aus gestartet werden konnte. Man will den Sängern den Start ins Berufsleben erleichtern und die Kammeroper Köln ist als Tourneetheater tätig und dies mit zunehmendem Erfolg. Das bedeutet natürlich auch, dass man gewisse Abstriche bei der Darstellung und Gestaltung machen muss, man wird dafür aber wieder entschädigt durch ein engagiertes Auftreten, welches nicht überall an größeren Bühnen gegeben ist. Was man zu sehen und zu hören bekommt ist Musiktheater im wahrsten Sinne des Wortes, mit gelegentlichem Auge zudrücken bei der einen oder anderen Gestaltung der jeweiligen Rolle.

Mit den „Lustigen Weibern von Windsor“ kommt eine heitere, phantastische, komische Oper nach Schweinfurt. Sie erzählt von dem sich selbst überschätzenden Sir John Falstaff, der zwei verheirateten Frauen den gleichen Liebesbrief schreibt um sein Ego und auch seine Geldbörse zu füllen. Die beiden Nachbarinnen sprechen sich ab und erteilen dem Schmalspurcasanova, aber auch den eigenen eifersüchtigen Männern eine Lektion, die sich gewaschen hat. Heiterkeit und Fröhlichkeit sind vorprogrammiert.

Die Ouvertüre wird unter der Leitung von Inga Hilsberg engagiert und zupackend vorgestellt. Auf der Bühne läuft dazu eine Pantomime ab, die sicherlich noch eindrucksvoller gewesen wäre, wenn man sie etwas verkürzt hätte. Doch das mindert die Leistung der Kölner Symphoniker an diesem Abend nicht, die beschwingt, sicher durch die Handlung führen. Ab und zu hätte man sich vielleicht gewünscht, dass die Orchesterwogen zu Gunsten der jungen Sänger etwas zurückgenommen hätten werden können, so taten sich die durchwegs guten Sänger zuweilen doch etwas schwer, insgesamt muss Inga Hilsberg jedoch eine ausgezeichnete hochmotivierte Leistung bescheinigt werden.  Die Inszenierung von Birgit Eckenweber als Regisseurin und Gretl Kautzsch als Ausstatterin kommt betont einfach und zurückhaltend daher. Im Prinzip besteht das Bühnenbild aus einer Vielzahl von weißen Würfeln und Kartons, die jeweils verschoben werden, um sie den jeweiligen Szenen anzupassen. Ergänzt wurde dies noch durch eine Art Baugerüst welches als Balkon fungierte, auch schon mal als eine Art Versteck und die höchste Ebene darstellt. Nun gut, man gewöhnte sich rasch an dieses Szenario, wobei ich meinen guten alten Wäschekorb schon etwas vermisst habe. Die Kostüme waren bunt, phantasievoll, mit vielen geometrischen Mustern versehen und erinnerten an Darstellungen in einem Zirkus. Das ganze unterstrich das unterhaltsame Verwirrspiel und kann deshalb auch voll akzeptiert werden.

Die Sänger boten insgesamt gesehen einen überaus positiven Eindruck, warfen sich voller Elan und Eifer in ihre Rollen und entfernten auch den letzten Rest von Staub aus der Inszenierung. Der alte, fette, abgehalfterte Ritter Sir John Falstaff wird von Christian Kaltenhäußer dargeboten und er macht dies ausgezeichnet. Nun gut, er ist kein schwerer schwarzer Spielbass, aber er punktet durchaus mit einer stimmlich äußerst ansprechenden guten Leistung. Er singt ohne sich groß dabei anstrengen zu müssen, man versteht jedes Wort und er lässt auch zuweilen (fast) vergessen, dass er ein viel zu junger und auch attraktiver Falstaff ist. Anders ausgedrückt, bei diesem Falstaff ist die rigorose Abwehr der beiden Nachbarinnen Frau Fluth und Frau Reich nicht so ganz nachvollziehbar. Hervorzuheben ist bei ihm auch noch eine ausgesprochene Spielfreude, er nahm die Bühne ein, wann immer er auf ihr erschien. Sicherlich eine große Hoffnung für die Zukunft. Als Frau Fluth konnte Cornelia Schmid mit einem höhensicheren klaren und sauberen Sopran sowie mit frischem überzeugendem Spiel punkten. Der schöne warme Mezzosopran von Julia Nikolajzyk harmonierte erstaunlich gut mit dem Sopran von Cornelia Schmid und auch im darstellerischen Bereich brauchten sich beide nicht zu verstecken. Herr Fluth, der sich selbst als gehörnten Ehemann sieht, wurde von Dominic Kron mit einem weichen gepflegtem Bariton dargeboten, auch in den Passagen mit Sir John Falstaff konnte er sich gut in Szene setzen und voll überzeugen. Überzeugend ebenso Andreas Post in der etwas kleineren Rolle als Herr Reich. Die beiden Verliebten Anna Reich und Fenton wurden von Sarah Cossaboon und Lemuel Cuento dargeboten. Sarah Cossaboon überzeugte dabei mit einem hohen, hellen, durchschlagskräftigem, feinen und klaren Sopran. Bei Lemuel Cuento war ich ein bisschen hin- und hergerissen. Auf der einen Seite hatte er einen hohen, klaren, durchsetzungsfähigen und kräftigen Tenor, dessen lyrische Fähigkeiten vor allem bei „Horch, die Lerche singt im Hain“ jedoch nicht voll zum Ausdruck kamen. Auch hatte man an diesem Abend den Eindruck, dass er manchmal etwas um die Töne kämpfen musste. Ergänzt wurde das Ensemble ohne einen Ausfall mit Alexander Tremmel als Junker Spärlich, Björn Adam als Dr. Cajus und Jan Schulenburg als Wirt. Kein Ausfall in einem engagiert auftretenden Ensemble, welches zu Recht viel Applaus am Ende einheimsen konnte. Ein unterhaltsamer Abend mit schönen jungen und unverbrauchten Stimmen, wie man ihn nicht immer geboten bekommt.

Manfred Drescher, 26.03.2015  

Fotos 1+2 Actors Photography Rolf Franke, Bild 3 Eigenaufnah

 

 

MASKE IN BLAU

Operettenbühne Wien

1.2.15

Seit vielen Jahren kommt Heinz Hellberg mit der Operettenbühne Wien nach Schweinfurt und beweist auch mit der heutigen Aufführung, warum er zum Dauereingeladenen geworden ist. Er hat einfach einen Draht zur Operette, bringt sie lebendig, ausgelassen und farbenprächtig auf die Bühne und lässt sie größtenteils authentisch aufführen, wobei man seine Hingabe und seine Liebe zu dieser Musikform nicht nur erahnen sondern in jeder Sekunde erspüren kann. Die Inszenierung von Hellberg ist etwas gestrafft, ist jedoch in jeder Szene nachvollziehbar. Ein schönes Bühnenbild, immer unter der Voraussetzung der Möglichkeiten eines Tourneetheaters, welches einfach gestaltet, aber aussagekräftig und einprägsam ist. Adrian Boboc hat hier gute Arbeit geleistet, wie auch die Kostüme von Lucya Kerschbauer farbenprächtig, stimmig und teilweise sogar verschwenderisch dargeboten werden. Allein die Juliska hat vier oder fünf Kostümwechsel, ich habe sie nicht gezählt, es können auch noch mehr gewesen sein. Und auch die übrige Truppe gefällt sich in immer wieder neuen Roben. Das macht dem Auge Spaß und löst heftigen Zwischenapplaus aus. Etwas gewöhnungsbedürftig ist für mich am heutigen Nachmittag das Orchester. Heinz Hellberg hat den Taktstock an László Gyükér übergeben und dieser macht seine Sache ausgezeichnet. Ich freue mich schon, ihn im Sommer in Bad Ischl erleben zu dürfen, wo er „My Fair Lady“ dirigieren wird. Er hat das Orchester im Griff, hilft ihm über manche Klippe hinweg, nimmt es bei den Sängern wohltuend zurück, damit die Stimmen nicht übertönt werden und zeigt insgesamt ein exzellentes Dirigat. Was mich trotzdem etwas irritiert, ist die Tatsache dass man das Orchester praktisch als Big Band auftreten lässt. Hellberg hat hierzu das Orchestermaterial neu arrangieren lassen. Allein durch diese Instrumentierung klingt alles frischer, schmissiger, voller Pep, manchmal aber für mich etwas zu jazzlastig. Aber das ist natürlich eine reine Auffassungssache, das Publikum jedenfalls geht begeistert mit dem Sound der Musik mit und geizt nicht mit ständigem starkem Applaus. Wenn man so will hat Hellberg versucht die Grenzen zwischen der klassischen Operette und dem Musical etwas zu verwischen bzw. anzugleichen. Der Showcharakter des Stückes wird so sehr stark betont und herausgestellt. Auch der Chor und das Ballett der Operettenbühne können voll überzeugen.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Der Maler Armando Cellini hat eine maskierte Frau gemalt, in die er sich unsterblich verliebt. Sein Bild „Maske in Blau“ wurde prämiert und er wartet, dass sie ihr Versprechen einlöst, ihn nach einem Jahr aufzusuchen und sich erkennen zu geben. In Evelyn Valera, die aus Argentinien eintrifft, erkennt er seine unbekannte Schöne wieder und sie verlieben sich ineinander. Durch eine Intrige werden sie fast getrennt, aber zum Schluss finden sie natürlich zueinander, ebenso wie sein Freund Seppl Frauenhofer die reizende Juliska Varady erobern kann. Lediglich der intrigante Pedro dal Vegas (der in der heutigen Inszenierung vom Prinzipal Heinz Hellberg höchstpersönlich verschlagen und rollendeckend geboten wird) bleibt allein zurück.

Die Plantagenbesitzern Evelyn Valera wird von Judit Bellai verkörpert. Und sie macht ihre Sache ausgezeichnet. Mit schönem, leicht ansprechendem, in der Höhe leuchtendem Sopran verzaubert Judit Bellai nicht nur Armando sondern auch das Publikum im ausverkauften Theater der Stadt Schweinfurt. Als Armando Cellini brilliert der Tenor Thomas Markus. Sein voller, kräftiger, strahlender, die Höhen mühelos erklimmender Tenor beeindruckt das Publikum und Signora Valera. Bei seinem Tenorschlager „Schau einer schönen Frau nicht zu tief in die Augen“ werden einige Augen der anwesenden Damen im Publikum feucht. Gerne würden sie sich von Thomas Markus in die Augen schauen lassen. Die beiden Singschauspieler vereinen ihre Stimmen in den Duetten und sie harmonieren wunderbar zusammen, was man bei „In dir hab ich mein Glück gefunden“ sehen und hören kann. Operettenträume in Reinkultur beim Gesang dieser beiden Vollblutkünstler.  Ja und da ist dann ja auch noch die Juliska in Gestalt von Susanne Hellberg. Es ist unbeschreiblich, wie Susanne in immer neuen Kostümen wie ein Derwisch über die Bühne wirbelt. Gesanglich besticht sie mit Leidenschaft und Feuer und fast könnte man sagen mit ungarischem Paprika. Es ist bewundernswert, wie diese Künstlerin über viele Jahre als Stütze der Wiener Operettenbühne agiert und scheinbar nicht altert. Ihr kongenialer Partner ist Alexander M. Helmer, der mit sehr schönem weichen und warmen Bariton bestechen kann. In diesem Zusammenhang seien auch die vorzügliche Choreographie von Enrico Juriano und die Maske von Mioara Dumitrescu lobend erwähnt. Als Franz Kilian tritt David Hojsak auf, der mit seinem jugendlich frischen Spiel beeindrucken kann. Stimmlich kann er das leider momentan noch nicht so sehr, hier sollte er doch noch etwas zulegen, zu klein ist die Stimme momentan noch. Der treue Diener von Evelyn Valera wird mehr als rollendeckend von Urs Mühlenthaler dargestellt. Er kann in seinen Auftritten voll überzeugen, ist schauspielerisch immer präsent. Ebenso wie der bereits erwähnte Chef der Wiener Operettenbühne Heinz Hellberg, der den schmierigen Pedro dal Vargas darstellt. Mario Penev vervollständigt als Marchese Cavalotti das Ensemble.

Wieder hat die Wiener Operettenbühne das Publikum begeistert und mitgerissen. Wieder einmal wurde deutlich vor Augen geführt, dass die Operette noch lange nicht tot ist – im Gegenteil, wenn sie so wie in Schweinfurt geboten wird, wird sie zu unserer Freude noch sehr lange auf den Spielplänen unserer Bühnen stehen.

Manfred Drescher, 31.01.2015  

Fotos Claudius Schutte

 

 

DREIMÄDERLHAUS

unter Heinz Hellberg lässt die Alltagssorgen vergessen

Produktion der Operettenbühne Wien

3.1.14

Heinz Hellberg mit der Operettenbühne Wien ist ein gern gesehener Gast in Schweinfurt und beweist auch diesmal wieder, das dies mit völligem Recht der Fall ist. Heinz Hellberg weiß, wie man Operette inszeniert, schnörkellos, authentisch, dem Werk und der Musik in tiefer Liebe zugetan. Da gibt es keine Selbstbeweihräucherung wie bei vielen Pseudoregisseuren, sondern hier wird die Operette so dargeboten, wie sie es verdient. Heinz Hellberg und seiner Frau Susanne ist es sehr stark mit zu danken, dass diese Form der Musik wieder eine kleine Renaissance zu bekommen scheint – und sie hat es sich wahrlich verdient. Operette singen und spielen, dass sie beim Publikum und in den Herzen des Publikums ankommt, ist eines der schwersten Aufgaben, die es im musikalischen Bereich gibt. Operettensänger sollen nicht nur ganz toll singen, sie sollen auch ganz toll aussehen, ganz toll spielen können, ganz toll tanzen können und noch vieles mehr. Diese oft als „kleine Schwester“ der Oper bezeichnete Musikgattung ist in den letzten Jahren sträflich unterschätzt worden und auch durch das Musical etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Wenn man die musikalischen Qualitäten einer guten Operette mit einem aktuellen Musical vergleicht, merkt jeder Musikkenner, dass die Operette eindeutig triumphiert. Dann jedenfalls, wenn sie so dargeboten wird, in einer Qualität, wie dies die Wiener Operettenbühne Heinz Hellberg seit vielen Jahren tut.

Und diesmal steht eine ganz besondere Operette auf dem Spielplan, eine Operette, die klassische Schubert-Lieder in die Handlung eingewoben hat. Heinrich Berté hat in seiner Operette viele Schubertmelodien bearbeitet, eingebaut und dadurch ist „Das Dreimäderlhaus“ auch eine ganz besondere Operette.

Die Geschichte spielt in Wien, man schreibt das Jahr 1826. Franz Schubert ist mit seinen Freunden beieinander, zu denen Franz Schober, der Dichter zählt. Der Hofglasermeister Tschöll hat drei Töchter und Franz Schubert hat sich unsterblich in eine davon, das Hannerl verguckt. Auch er scheint ihr recht symphytisch zu sein und alles könnte zu einem guten Ende kommen, wenn Franz nicht so fürchterlich schüchtern wäre. Er schafft es nicht „seinem“ Hannerl seine Liebe zu gestehen, sondern sein Freund Schober, der ein Gspusi mit der Hofopernsängerin Grisi hat, muss ihr für ihn sein Liebeslied an sie „Ich schnitt es gern in alle Rinden ein“ vortragen. Es kommt wie es kommen muss, Hannerl verliebt sich in Schober und Franz Schubert bleibt allein mit seiner größten Liebe, der Musik zurück. Wunderschöne Melodien umrahmen diese zu Herzen gehende Geschichte und diese braucht auch die  entsprechenden Sänger und ein ebenso gut aufgelegtes Orchester.

Das Orchester der Operettenbühne Wien wird vom Altmeister Heinz Hellberg klug, zurückhaltend, in einigen Passagen auch fordernd und leidenschaftlich, aber immer sängerdienlich geführt. Eine ganz ausgezeichnete Leistung von Orchester und Dirigent. Die Kostüme, wunderschön im Biedermeier angesiedelt, sind von Lucya Kerschbaumer gestaltet und versetzten das Publikum in die damalige Zeit, ebenso wie das mit einfachen Mitteln, aber äußerst gekonnt gezauberte Bühnenbild, für eine Tournee sogar recht aufwendig, von Adrian Boboc. Auch der Chor der Operettenbühne kann überzeugen.

In den Gesangspartien gibt es praktisch keinen Ausfall, auch die kleinen Nebenrollen sind ausgezeichnet besetzt und können das begeistert mitgehende Publikum in allen Bereichen auf ihre Seite ziehen.

Bei den Gesangssolisten können zwei Damen den größten Applaus einheimsen. Das ist zum einen die bezaubernde Verena te Best als Hannerl und zum anderen Susanne Hellberg als Hofopernsängerin Giuditta Grisi. Verena te Best kann mit ihrem leuchtenden, in allen Passagen leicht ansprechenden, zart perlendem Sopran restlos überzeugen. Dass sie dabei auch ganz bezaubernd aussieht und einen natürlichen Charme auf die Bühne bringt, der zum Publikum überspringt, ist noch das I-Tüpferl ihrer Rollengestaltung. Hier möchte man gerne der Baron Schober sein, der von Thomas Markus mit kräftigem, vollmundigem, leuchtendem Tenor verkörpert wird. Es macht Spaß ihm zuzuhören, aber auch in den gemeinsamen Duetten. Anton Graner verkörpert den scheuen zurückhaltenden Schubert. Sein klangschöner, leichter Tenor lässt dabei manchmal ein bisschen die Durchschlagskraft vermissen, dies kann aber auch mit der Rollengestaltung des zaudernden zurückhaltenden und letztendlich unglücklich Verliebten zusammenhängen. Viktor Schilowsky mit beeindruckendem noblem, wohlklingendem und raumfüllendem Bariton weiß als Hofglasermeister Tschöll zu gefallen. Sylvia Denk als seine Frau Marie überzeugt im gemeinsamen Duett und ihre beiden Töchter Teresa Honzik als Hederl und Anita Tauber als Haiderl setzen sich in ihren kleinen Partien gut in Szene, ebenso wie Michael Weiland als Johann Michael Vogel. Einen besonderen Part hat Susanne Hellberg. Sie zelebriert mit viel Temperament und Feuer die Rolle der Liebhaberin des Barons Schobers, die aber gerne auch ein Auge auf den Hofglasermeister wirft. Sie verdreht dabei nicht nur den auf der Bühne anwesenden Herren den Kopf, sondern tut dies sicher auch mit dem ein oder anderem im Publikum sitzenden Herrn. Mit diesem Auftakt in die Operettenspielzeit von Schweinfurt hat man sich und dem begeistert mitgehendem Publikum einen großen Gefallen getan. Langer ausdauernder herzlicher Beifall des ausverkauften Hauses.

Am nächsten Tag sind viele der Besucher des Vortages auch wieder dabei, denn Heinz Hellberg lädt zu einer Operettengala unter dem Titel „Wien, Wien nur Du allein“ ein. Das Orchester ist an diesem Nachmittag auf der Bühne platziert und davor hat man eine Wiener Heurigenlandschaft aufgebaut, am großen Tisch ist ein Großteil der Sänger des Vortages dabei und Heinz Hellberg tut das, was er mit Bravour beherrscht. Er führt im ersten Teil des Nachmittags durch eine Reihe der bekanntesten Operetten, erzählt Geschichten dazu, parodiert, singt, dirigiert und hat – im wahrsten Sinne des Wortes – alle Fäden in der Hand. Und eines kann man jetzt schon sagen, dieser Auftakt einer weiteren Aboreihe wird vom Publikum begeistert aufgenommen. Ein Publikum welches von Anfang an auf die Reise mitgenommen wird, welches zum Teil mitsingt, mitschunkelt und in einem Fall sogar mittrinkt. Ja, Heinz Hellberg weiß genau, wie er sein Publikum zu nehmen hat – und dieses liebt ihn dafür. Wenn am Abschluss der Theaterleiter des Theaters Schweinfurt, Christian Kreppel mit einem großen Blumenstrauß die Bühne betritt, um sich zu bedanken und Heinz Hellberg zum kürzlich gefeierten  runden Geburtstag gratuliert, ist kein Halten mehr. Tobender Applaus zeugt davon, dass diese Form beim Publikum, auch wenn es überwiegend ein etwas reiferes ist, gut ankommt.  

Mit Johann Strauss beginnt man - mit wem sonst - und die Ouvertüre des „Zigeunerbaron“ wird vom Orchester der Operettenbühne Wien exzellent unter der Leitung von  Heinz Hellberg dargeboten. Schmissig, mitreißend, voller Feuer und Leidenschaft zeigt das Orchester, dass es nicht immer die Wiener Symphoniker sein müssen, sondern dass auch ein relativ kleines Orchester zu hervorragender Musikdarbietung fähig ist. Und dann geht es los, ein Highlight der Operette jagt das andere und dazwischen Heinz Hellberg, erklärende, erläuternde, Geschichten erzählend, parodierend, ein Allroundkünstler, wie man ihn heutzutage praktisch kaum mehr findet. Und es überzeugen dann auch die Solisten Thomas Markus mit dem gleichen durchschlagskräftigem Tenor wie am Vortag kann mit dem Chianti-Lied brillieren, ebenso mit dem Auftrittslied aus dem „Zigeunerbaron“. Anton Graner, der am heutigen Nachmittag etwas leidenschaftlicher als am Vortag auftritt, geht zu den Damen ins Maxim und „er liebt alle Frauen“ – egal ob sie blond oder braun sind. Verena te Best verdreht allen Männern den Kopf als sie mit blitzsauberem glockenreinem Sopran singt „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ – und mancher der anwesenden Herren, hätte dies sicher gerne ausprobiert.  Feurig und leidenschaftlich dann Susanne Hellberg und Michael Weiland, die singend und tanzend ganz vorzüglich dazu einladen: „Komm mit nach Varazdin“. Mit „Dunkelrote Rosen bring ich schöne Frau“ weiß Viktor Schilowsky die Damenherzen auf seine Seite zu bringen und diejenigen, denen er eine Rose in die Hand drückt, schmelzen sowie von alleine dahin. Sein Prachtbariton weiß zu gefallen.  Nach der Pause begibt man sich zum Heurigen nach Wien und Wiener Lieder stehen auf dem Programm. Und dann singt Anita Tauber „Draußen in Sievering blüht schon der Flieder“. Und sie tut dies so gefühlvoll, mit zartem leuchtendem in die höchsten Höhen tirilierendem Sopran, dass man nur die größten Hoffnungen in diese junge Sängerin legen kann, die am Vortag in der kleinen Nebenrolle gar nicht groß auffiel. Eine ganz tolle, mit starkem Applaus bedachte Leistung. Und dazwischen immer wieder Heinz Hellberg. Sein „Fiaker-Lied“ gestaltet er in verschieden Facetten, er bringt es mit einer zu Herzen gehenden Leidenschaft. Leidenschaftlich auch sein „I bin a stiller Zecher“, bei welchem er zeigt, was er stimmlich noch alles so drauf hat – Sonderapplaus. Seine Frau Susanne Hellberg macht es ihm, ebenso leidenschaftlich mit dem „Schwipslied“ nach, welches sie gekonnt, darstellerisch überzeugend mit klarem reinem und durchschlagskräftigem Sopran darbietet. Viel Beifall für sie. Alle Lieder und Arien aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, am Schluss herrscht reine Heurigenseligkeit und das Publikum summt, singt mit. Und wenn man Platz zum Tanzen gehabt hätte, hätte es auch mitgetanzt. Bei „Sag beim Abschied leise Servus“ wird manche Träne verdrückt, aber alles hat ein Ende. Tobender Applaus, Standing Ovation und die Bitte bald wiederzukommen. Fröhliche Gesichter beim Hinausgehen, wohin man schaut. Zwei unbeschwerte Stunden haben ein Publikum zurückgelassen, welches seine Alltagssorge ablegen konnte und sich hat verzaubern lassen von der Gewalt der Musik. Was gibt es Schöneres über ein Gastspiel zu vermelden 

Manfred Drescher, 03.11.2014  

Fotos 1 bis 4 Claudius Schutte; Foto 5 Eigenaufnahme 

 

 

 

 

 

Gastspiel des Mainfrankentheaters Würzburg

DIE DIEBISCHE ELSTER

Aufführung 03.05.2014                  (Premiere Würzburg 15.02.201)

Bilder wie von Carl Spitzweg hingezaubert, verzaubern das Publikum - mit selten gespieltem Kleinod werden die Schweinfurter zum Schwärmen gebracht

Im Theater der Stadt Schweinfurt, dem kleinen Schmuckstück modernerer Bauart, gastierte das Mainfrankentheater Würzburg mit einer selten gespielten Oper von Gioachino Rossini, seiner „Die diebische Elster“. Und nach dieser Aufführung fragte sich jeder, warum dies Werk so selten aufgeführt wird. Selten sah man eine so vergnügliche Interpretation wie hier und selten war der Zwischen- aber auch der Schlussapplaus so heftig wie hier. Die Handlung ist schnell erzählt. Die Bedienstete Ninetta soll Silberbesteck gestohlen haben und zur damaligen Zeit war dies mit der Todesstrafe bedroht. Kurz vor der unvermeidlichen Hinrichtung wird Gott sei Dank der wahre Täter entdeckt, eine diebische Elster, die alles verschleppt hatte. Diese recht einfache Geschichte wird vom Regisseur Andreas Beuermann und dem Bühnenbildner Herbert Buckmiller in eine märchenhafte Handlung verlegt. Man sieht sich in die Zeit des Biedermeier zurückgesetzt und glaubt mitten in den Bildern von Carl Spitzweg zu stehen. Bunt, farbenprächtig auch die Kostüme von Götz Lanzelot Fischer, der alles etwas übertreibt, knallbunt statt bunt, grell statt zurückhaltend und überzeichnet statt realitätsbezogen. Und genau dies macht den Reiz der Inszenierung aus. Überdrehte Frisuren, spitze, runde, aber immer überlange Nasen zeichnen ein buntes skurriles Bild, welches einfach zum Schwärmen verführt. Eine amüsante Welt, die hier zur herrlichen Musik Rossinis überdreht gezeichnet wird. Voller Witz, Komik, aber auch voller Ironie. Und durch die ganze Aufführung flattert im schwarzen Federkleid der Tänzer Sylvain Guillot, der als stumme, fast möchte man sagen, Hauptrolle alles was glitzert aufsammelt und verschleppt. Die knappen drei Stunden der Aufführung vergehen wie im Flug und auch der Chor (Einstudierung Michael Clark) trägt präzise und ausdrucksstark zum großen Erfolg des Abends bei.

Der Dirigent Giovanni Battista Rigon, der unter anderem als ausgemachter Spezialist für Rossini gilt, hat sichtlich Spaß an dem musikalischen Spektakel. Gestenreich gibt er seinem Orchester bildlich gesprochen die Sporen und peitscht sie zu großen Leistungen. Seine Sänger begleitet er ebenso spektakulär, achtet aber auch akribisch darauf, dass sie nicht von den Klangwogen überdeckt werden, sondern voll zur Geltung kommen. Rossini ist ja auch nicht unbedingt der Meister der stillen zurückhaltenden Töne, sondern er versteht es, seine Musik trefflich und mitunter sehr deutlich zu platzieren. Der Spaß, der Giovanni Battista Rigon beim Dirigat anzusehen ist, überträgt sich nicht nur auf das Orchester und die Sänger, sondern ebenso auf das begeistert mitgehende Publikum.

Die Sänger passen sich den guten Leistungen von Orchester, Chor, Inszenierung, Bühnenbild und Kostümen nahtlos an. Auch bei ihnen kann man förmlich den Spaß am Geschehen sehen und spüren. Als armes unschuldig fast dem Tod geweihtes Dienstmädchen brilliert Anja Gutgesell. Mit geläufiger Gurgel, perlender Stimmführung und klarer ausdrucksstarker Diktion, weiß sie nicht nur Gianetto, ihren Liebsten zu überzeugen, sondern auch das Publikum. Gianetto, der von Josuah Whitener verkörpert wird, hat eine hohe, klare durchsetzungsfähige metallische Tenorstimme, die man gerne in „Die weiße Dame“ oder „Postillion von Lonjumeau“ erleben möchte. Ein Tenor, von dem man bei entsprechender stimmlicher Weiterentwicklung, sicher noch einiges hören dürfte. Beide zusammen waren ein nicht nur schön anzusehendes Liebespaar, sondern ebenso ein überdurchschnittlich anzuhörendes.

Ausdrucksstark, stimmlich wie auch darstellerisch beeindruckend Johan F. Kirsten, als Gottardo, den Podestà des Dorfes. Er verkörpert die ganze Palette des Schurken, der zu jeder Schandtat bereit ist und der am Schluss Ninetta retten will, wenn sie sich ihm nur hingibt. Da hat der Schurke jedoch Pech.

Daniel Fiolka verkörpert die Partie von Fernando Villabella, dem Vater Ninettas. Er bringt die zwiespältige Persönlichkeit, der sich am Schluss für die Tochter opfern will, glaubhaft und auch beeindruckend über die Rampe. Stimmlich weiß er ebenso wie von der gestalterischen Seite voll zu überzeugen. Hervorzuheben ist auch Omar Garridoo, der einen verschlagenen stimmschönen Kurzwarenhändler namens Isacco verkörpert. Als Pippo, einem jungen Bauernburschen zeigt Sonja Koppelhuber eine gute Leistung wie auch Ji-Su Park als Fabrizio Vingradito, einem reichen Pächter und Vater Gianettos. Barbara Schöller als seine Frau Lucia war an diesem Abend etwas zurückhaltend und blieb dadurch ein bisschen blass. Das gute Ensemble wurde komplettiert von Kenneth Beal als Kerkermeister Antonio, Paul Henrik Schulte als Giorgio, Diener des Podestá und Hyeong-Joon Ha als Amtsrichter des Dorfes.

Alles in allem ein Abend, der einfach Spaß machte und vom Publikum lautstark und langanhaltend gefeiert wurde – und dies ganz zu Recht. Ein begeistertes Publikum, ein spiel- und stimmfreudiges Ensemble, so gewinnt man mit Sicherheit weitere Freunde für die Oper. Und auch die leider etwas spärlich vorhandene Jugend im Publikum zeigte sich durchaus begeistert. Ich freue mich bereits jetzt auf die neue Saison in Schweinfurt – ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein.

Manfred Drescher, 16.05.2014                            Fotos: Falk von Traubenberg

 

 

 

 

Schwelgen im Glanz der Stimmen

OPERNGALA

27.04.2014

Festliche Opern-Gala des anhaltischen Theaters Dessau verzaubert die Schweinfurter

Im Theater der Stadt Schweinfurt, einem kleinen Schmuckstück der moderneren Bauart, werden seit über 44 Jahre musikalische Gastspiele durchgeführt. Die Menschen der Region nehmen dies so auf, dass diese Aufführungen fast immer ausverkauft sind. Aus diesem Grund werde ich von den musikalischen Erlebnissen in Schweinfurt berichten und damit auch ein Theater etwas in den Vordergrund rücken, von dem im musikalischen Bereich sonst nicht viel geredet wird. Und dies ist schade, schade für das wunderschöne Theater, die großen Anstrengungen musikalische Leckerbissen nach Schweinfurt zu holen und schade für die vielen Besucher, die sich hier vor allem auch an der Musik begeistern. Das Theater der Stadt Schweinfurt wurde 1966 fertig gestellt und eröffnet – wie sollte es fast anders sein, mit einem musikalischen Gastspiel – der Aufführung der Bayerischen Staatsoper München, mit der „Hochzeit des Figaro“. Glaskompositionen im Zuschauerraum, aber auch im Foyer dienen der Gestaltung, vor allem aber auch der Akustik, die in Schweinfurt hervorragend ist. Seit nunmehr 8 Jahren leitet Christian Kreppel mit viel Erfolg das Theater, welches mit über 6000 Abonnenten pro Spielzeit insgesamt eine Auslastung von über 85% erreicht. Bei musikalischen Ereignissen dürfte dies noch darüber liegen. Theater ist ein Ort der Entspannung, ein Ort der Freude, des Erlebens und des Mitgehens. In Schweinfurt wird dies in exzellenter Weise vorgelebt. Seit vielen Jahren bin ich ein treuer Besucher, vor allem des Musiktheaters und nehme die Fahrt gerne auf mich, weil ich durch musikalische herausragende Erlebnisse mehr als belohnt werde.

 

Beginnen will ich meine Rezensionen mit einem wunderbaren Aben

d mit festlichen Opernarien vom Anhaltischen Theater Dessau, welches seit vielen Jahren Gastspielpartner des Theaters der Stadt Schweinfurt ist. Es wurde an diesem Abend viel Bekanntes, aber auch etliches unbekannte gebracht. Durch das Programm führte mit launigen Worten als Moderator

Felix Losert. Er ist leitender Dramaturg für Musiktheater und Operndirektor am Anhaltischen Theater in Dessau. Er verstand es ohne erhobenen Zeigefinger, gespickt mit Anekdoten und kleinen Beispielen, die jeweiligen Figuren, die dann auf der Opernbühne zu erleben waren, zu kennzeichnen, zu charakterisieren. Im Gegensatz zu manch anderen Moderatoren lauscht man ihm gerne und empfindet seine verbindenden Worte als Gewinn und nicht als Unterbrechung der Musik.

 

 

Dirigent

Anthony Hermus leitet die ausgezeichnet aufspielende Anhaltische Philharmonie Dessau und er tut dies mit einer Leidenschaft, wie ich sie selten erlebt habe. Er atmet mit dem Orchester aber auch den Solisten mit, verausgabt sich bis zum äußersten, hat aber sein Orchester voll im Griff und lässt es erblühen und ebenso im leidenschaftlichen Feuer aufspielen. Daneben begleitet er seine Solisten zart und zurückhaltend, lässt ihnen den Freiraum und deckt sie nicht mit den Klangwogen zu, die er bei Orchestersoli voll ausleben lässt. Ein leidenschaftlicher Dirigent mit einem voll überzeugenden Klangkörper. Die Ouvertüren von „Carmen“ und von „Norma“ zeigen den hohen musikalischen Gehalt der Anhaltischen Philharmonie Dessau. Das Orchester, aber auch ihr leidenschaftlicher Dirigent, ein Erlebnis.

 

 

Und nun zu den Solisten: Iordanka Derilova wird als indisponiert angekündigt und eine Arie aus Massenet „Le Cid“ wird ihr gestrichen. Dann tritt sie jedoch mit dem Tenor

Francisco Almanza im Duett Amelia/Riccardo aus „Der Maskenball“ von Verdi auf – und man kann es nicht fassen. Keine Spur einer Indisposition. Die beiden Stimmen verschmelzen miteinander zu einem unglaublich schönen Erlebnis. Iordanka Derilova brilliert zum Schluss noch mit einer explosiv gesungenen und berührenden Abigaille aus Verdis „Nabucco“. Die Szene und Arie der Abigaille wird zum eindrucksvollen Höhepunkt eines insgesamt mitreißenden Abends. Sie ist die Primadonna assoluta des heutigen Abends.

 

 

Francisco Almanza überzeugt weiter gemeinsam mit Wiard Witholt

in dem bravourös dargebotenen Duett Nadir/Zunga aus Bizets „Perlenfischer“. Unglaublich schön gesungen, beide Stimmen ergänzen sich ohne Bruchstellen, ein Erlebnis. Die Herzen der anwesenden Damen gewinnt Francisoco Almanza endgültig mit der Cavatine des Herzogs aus Verdis „Rigoletto“. „La donna é mobile“ lässt so manchen Schauer den Rücken herunterfließen. Strahlend, fast ohne jegliche Anstrengung verzaubert Almanza seine Zuhörer. Zu Recht nicht endend wollender Applaus.

 

Und dann ist da noch Angelina Ruzzafante. Sie überzeugt mit der Arie der Juliette aus Gounods „Roméo et Juliette“. Ihr lyrischer Sopran, klar, jede Note perlend, wie gestochen abgeliefert, überzeugt sie das Publikum ohne Ausnahme.

 

Mit der Arie der Norma aus Bellinis „Norma“ reißt sie es gar zu Beifallsstürmen hin. Bewegend, in jeder Note überzeugend gibt sie hier eine ganz große Leistung, die sie mit der Arie der Lucia aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“ noch  toppen kann. Auch hier nicht endend wollender Beifall. Ihr fast in nichts nachstehend dann Cornelia Marschall . Sie reißt das Publikum, gemeinsam mit

Ulf Paulsen beim Duett Dulcamara/Adina aus Donizettia „Der Liebestrank“ zu Beifallsstürmen hin. Und dies gilt nicht nur der überragenden musikalischen Gestaltung, nein auch der schauspielerischen Leistung, die nicht unbedingt üblich auf der Opernbühne ist. Mit der Arie des Oscar aus Verdis „Ein Maskenball“ gelingt Cornelia Marschall ein weiterer Höhepunkt. Der Wandel vom witzigen Duett mit Paulsen zum Maskenball ist beeindruckend. Auch hier eine ganz tolle Leistung.

 

 

Rita Kampfhammer ist eine glaubhafte Carmen in der gleichnamigen Oper von Georges Bizet. Sie kann auch das verführerische Element über die Rampe bringen und zeigt damit auch, warum sie von den Männern begehrt wird. Als Ulrica aus Verdis „Maskenball“ kann sie eine ganz andere Facette zeigen, überzeugend ist sie bei beiden Arien.

 

Wiard Withold, der bereits das beeindruckende Perlenfischerduett mitgestaltet hat, kann auch mit der Arie des Germont aus Verdis „La Traviata“ eine gute Figur machen, wobei mir etwas mehr Fülle und Durchschlagskraft gefallen hätte. Ulf Paulsen schließlich überzeugt noch in der Arie und Cabaletta des Attila aus der gleichnamigen Oper von Verdi. Durchschlagskräftig, gewaltig und mit einer gut geführten Stimme kann er den Beifall zu Recht auf sich ziehen.

Ein großer Abend geht mit dem großen Finale „Brindidi“ aus Verdis „La Traviata“ beeindruckend zu Ende. Das Publikum ist begeistert, will die Protagonisten gar nicht von der Bühne lassen. So macht Oper Spaß und so gewinnt man auch junge Leute dazu. Hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen.

Manfred Drescher, 02.05.2014                                    Fotos Claudia Heysel        

 

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