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Nizhny Novgorod

 

 

Za Shto Za Shto O Boshe Moi

DIE FLEDERMAUS

28.3.2015

Und es begab sich, dass sich Ihr Rezensent bei gefühlten minus 15 Grad in etwa 400 km östlich von Moskau im Opernhaus von Nizhny Novgorod wiederfand, in einem Haus, das den Charme des Stalinismus der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts versprüht und über dessen Toiletteanlagen man besser den Mantel des Grauens, äh des Schweigens, drüberstülpt.

Für die 12.Reihe Parkett zahlt man – bedingt durch die Rubelkrise – umgerechnet etwa 6 Euro. Das Theater war fast ausverkauft – es waren extrem viele junge Leute da (hier gehen junge Paare – auch Teenager – noch immer in die Oper). Wie ich schon oft in russischen Theatern bemerkt habe, ist die Disziplin der Zuschauer eine ganz andere als bei uns. Bis 10 Minuten nach Vorstellungsbeginn kamen Leute noch an, Handys werden prinzipiell nicht abgeschaltet (man könnte doch was Wichtiges versäumen… so telefonierte nicht weit von meinem Platz entfernt eine etwas ältere Dame ungeniert, während die Vorstellung lief). So muss es sich im 18.Jahrhundert in unseren Breiten abgespielt haben…

Die Produktion stammt aus dem Jahr 2002 und war (natürlich) konservativ. In dieser Gegend ist die Kunst der Kulissenmalerei noch nicht ausgestorben – ich konnte sogar im 2.Akt etwas ausmachen, das der Karlskirche entfernt ähnlich sah. Nette Kostüme, die dem Stil der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts angelehnt waren. Für die Inszenierung zeichnete der „geehrte russische Regisseur und geehrte weißrussische Künstler“ Otar Dadischkiliani verantwortlich. Pbwpjö die meisten Sänger auch diverse Ehrentitel tragen (diese entsprechen unserem „Kammersänger“), lasse ich diese dann aber weg.

Es stand also angeblich „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am Programm. Nun, zumindest der Großteil der Musik entstammt bei dieser Produktion seiner Feder. Das Libretto stammt von N. Erdman und M.Bolpin (was schon verdächtig war) – wie ich schon sehr bald bemerken konnte, war der Abend an das „wirkliche“ Fledermaus-Libretto nur angelehnt, Figuren wurden gestrichen, dafür neue dazu erfunden und die Handlung war wirklich sehr, sehr lose…

Die Overtüre, die ein recht klein besetztes Orchester aus einem recht kleinen, tief liegendem Orchestergraben recht dumpf und ohne wienerischen Esprit erklang, konnte ich ohne Probleme dem Stück zuordnen. Schon die Auftrittsarien der Adele und des Alfred hatten mit dem Originalstück nichts zu tun, wobei zumindest die Sängerin der Adele eine für das Haus durchaus ordentliche und tragende Stimme hatte. Koloraturen hatte man sich allerdings erspart, da Nadezhda Maslova eine der beiden Alternativbesetzungen für die Rosalinde ist und ihre Stimme schon recht abgedunkelt kling. Allerdings hat sie eine gut tragende Sprechstimme (es wurde fast mehr gesprochen als gesungen während der 3 ½ Stunden mit zwei jeweils fünfzehnminütigen Pausen). 

Noch eine Bemerkung zum Programm – es wird pro Produktion ein Programm für die ganze Saison erstellt – mit allen Künstlern, die auftreten werden. Dann wird neben den Künstlern, die am entsprechenden Abend auftreten, mit dem Bleistift ein Hakerl gemacht und wenn jemand überhaupt einspringt (wie an diesem Abend für die Adele – die keine geplante Zweitbesetzung hatte – wird der Namen dazugeschrieben).

Die Rosalinde wurde von Uljana Starkova dargestellt – sie hatte eine gute Mittellage, konnte aber hohe Töne überhaupt nicht halten und brach diese relativ schnell wieder ab. „Klänge der Heimat“ durfte sie singen, allerdings mit einem Text, der mit dem Original nichts zu tun hatte – aber das zog sich durch den gesamten Abend.

Im ersten Akt traten dann noch der Kaufmann Eisenstein (Aleksey Koschelev), der Theaterdirektor Falk (Aleksey Kukolin) und der Gefängnisdirektor Frank (Aleksandr Silytchuk) auf. Alle drei waren – sagen wir es so – rollendeckend besetzt, glänzten aber als Komödianten!

Übrigens – „Za shto, za shto, o boshe moi“ – das wurde für “O Gott, o Gott wie rührt mich dies” gesungen!

Auf den Dr. Blind wurde im ersten Akt komplett verzichtet, er trat nur ganz kurz im dritten Akt auf, wo ihm Eisenstein Stola und Perücke abnimmt!

Anfänglich verwirrt, dann amüsiert war ich im 2.Akt. Rosalinde und Adele traten gleichzeitig auf – und Rosalinde schien kein Problem damit zu haben, dass ihr Zimmermädchen ihr Kleid trägt. Dann aber der Höhepunkt des Abends – Einzug von Knjas Orlofsky, gemeinsam mit Frank, Falk und Eisenstein zu den Klängen des Radetzkymarsch! Begleitet von Hupfdohlen, die anscheinend noch gemeinsam mit Nurejew tanzten und durch deren dünnen Strümpfe man sah, wie die zellulitebesetzten Schenkel beim Gehen einander Beifall klatschten…

Orlofsky (Vladimir Borovikov) sang mit einem angenehmen Bariton zwar nicht die normale Orlofsky-Arie, dafür etwas Anderes, mir Unbekanntes. Aus in DIESEM Stück nicht nachvollziehbaren Gründen schnappte sich dann Rosalinde die Uhr von Eisenstein, Adele durfte (in Abwesenheit ihrer Schwester Ida) auch noch ihre Arie ohne Koloraturen singen – ein Diener gab noch einen Kommentar zur Lage der Nation ab und schon war die zweite Pause da.

Es gab im dritten Akt ein Gefängnis, einen Auftritt einer Figur, die dem „Frosch“ entsprach. Es gab da auch noch einen zweiten Wärter. Gesungen wurde wenig, gesprochen viel.

Dem Publikum gefiel es – mit Parteitagsklatschen wurden die Künstler verabschiedet (und es verabschiedeten sich auch viele Besucher schon während der letzten Takte des Stücks). Zu einer beschwingten Melodie (die ebenfalls in der Fledermaus nicht vorkommt) gab es auf offener Bühne die „Einzelvorhänge“.

Es war ein amüsanter und vor allem wirklich überraschender Abend, den ich aus verschiedensten Gründen sehr genossen habe!

Kurt Vlach 31.3.15

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