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TATIANA SERJAN
Von Karelien in die Welt

Tatiana Serjan, eine russische Hochdramatische, die besonders von Riccardo Muti immer wieder eingesetzt wird, debutiert in der ersten Premiere der Saison an der Wiener Staatsoper. In jener Rolle, die sie im letzten Jahrzehnt vermutlich öfter gesungen hat als jede andere Sopranistin: Seit 2002 in Turin ist die „Lady Macbeth“ ihr Markenzeichen, nach Wien warten schon Zürich und Barrie Kosky auf ihre Interpretation…


Frau Serjan, man kommt ganz durcheinander, wenn man zählen möchte, wo Sie die Rolle der Lady Macbeth schon überall gesungen haben. Wie haben sich Ihre Ladies eigentlich in den verschiedenen Inszenierungen unterschieden? Man findet in den Kritiken ganz unterschiedliche Beurteilungen – nach Ihrer Salzburger Lady hieß es, sie könnte fast sympathisch sein, nach der Lady in Chicago schrieb die Presse, sie sei „vile and evil“ gewesen?

Wie die Lady jeweils aussieht, hängt von dem Regisseur ab, aber an sich sind die „Farben“ der Rolle ja in Verdis Musik enthalten. Aber die Spannweite der Möglichkeiten reichen natürlich von der „Hexe“ bis zur liebenden Ehefrau, die ihren unentschlossenen Gatten drängt. Das machen wir nun in der Interpretation von Christian Räth hier in Wien, wo die Figur eher traditionell gesehen ist. Natürlich geht es immer um Macht – und die Lady ist es, die Macbeth in diese Richtung stößt.

Was war die extremste Interpretation der Rolle, die Sie bisher zeigen konnten oder mussten?

Das war gleich meine allererste Lady, im Dezember 2002 in Turin, dirigiert von Bruno Bartoletti, in der Regie von David Pountney. Er hatte einen zwei Meter hohen Kubus auf die Bühne gestellt, da war ich angeschnallt, damit ich nicht herunterfiel, und ich musste die Lady wirklich stellenweise wie ein wildes Tier spielen, es war eine gewaltsame Inszenierung. Es gab sicher auch noch andere extreme Interpretationen, aber wenn man in eine Vorstellung nur im Repertoire hineingeht, nach ein paar Stunden Proben wie in München in die Kusej-Produktion, dann ist man an der Erarbeitung der Figur nicht beteiligt.

David Pountney ist noch wichtig für Sie geworden, denn Sie haben in seiner Ära von 2005 bis 2012 in vier Produktionen bei den Bregenzer Festspielen auf der Seebühne mitgewirkt, in Troubadour, Tosca, Aida und André Chenier, obwohl die Bedingungen dort ja für Sänger gelinde gesagt schwierig sind.

Das stimmt schon. Manchmal weht der Wind so stark, dass man gar nicht atmen kann, dann tanzen einem die Mücken direkt vor dem Gesicht herum und man wird von den starken Lichtkegeln der Scheinwerfer geblendet. Und trotzdem – da ist der Sonnenuntergang über dem Bodensee, der herrliche Himmel, die Sterne, das gehört alles dazu und ist wunderschön. Und dieses Freilichterlebnis hat etwas, das man im geschlossenen Haus nicht befürchten muss – jede Aufführung ist unberechenbar, jede ist anders. Ja, es ist sehr speziell, sehr interessant, ich habe es gerne gemacht.

Nun sind Sie seit 2002, als Sie in Turin gleich mit der Lady Macbeth Ihr Debut im Westen gaben, in der ganzen Welt unterwegs, von Chicago bis Berlin, von Mailand bis St. Petersburg, Dresden bis Tokio, München bis Madrid, Zürich bis Rom und überhaupt sehr viel in Italien. Wieso kommt Ihr Debut an der Wiener Staatsoper so spät?

Da müssen Sie meinen Agenten fragen, aber ich denke, dass es schon Anfragen gab, aber die Termine nicht geklärt werden konnten. Die meisten Rollen, die ich singe – Tosca, Aida, Abigaile, Amelia in „Ballo“ und „Boccanegra“, Maddalena – stehen ja auch hier im Repertoire. Als nächste neue Rolle werde ich die Elisabetta in „Don Carlos“ dazunehmen.

Ich habe Sie 2011 in Salzburg in „Macbeth“ gesehen, Peter Stein inszenierte, Riccardo Muti dirigierte, und er ist ja seit Ihren Anfängen in Europa sehr wichtig für Sie? Man sagt ihm dieses unglaublich detaillierte Arbeiten, das Befragen jeder Note nach: Hat Ihnen das auch so viel gebracht wie Kollegen, die enthusiastisch davon berichten?

Ich habe Riccardo Muti 2003 kennen gelernt, er ist natürlich wunderbar, für Sänger sehr hilfreich und sehr, sehr wichtig für mich, aber er tut eigentlich nur, was jeder Dirigent machen sollte, nämlich genau das zu realisieren, was in der Partitur steht, und sich zu fragen, was der Komponist gemeint hat.

In den biographischen Abrissen, die europäische Opernhäuser über Sie anbieten, steht oft „geboren in St. Petersburg“, nur beim Mariinsky Theater, wo man es ja am besten wissen muss, liest man Petrozavodsk.

Das stimmt, das liegt in Karelien, einer Landschaft zwischen Finnland und Russland, und wir haben in Petrozavodsk auch zwei Theater, ein finnisches, wo vor allem Konzerte veranstaltet werden, und ein russisches, wo es Operetten gibt, gelegentlich eine Opernaufführung, aber kein fixes Ensemble.

Und wie kam es, dass Sie Opernsängerin geworden sind?

Eigentlich durch Zufall. Ich muss sagen, dass es immer in meinem Leben Menschen gegeben hat, die sich meiner annahmen und für mich Entscheidungen trafen und mir die Richtung gewiesen haben. Es gab bei mir zuhause keine Musiker, aber ein Klavier, man meinte, ich solle doch spielen, das habe ich getan, dann haben Lehrer mich nach St. Petersburg ins Konservatorium geschickt, und dort habe ich eigentlich einen ganz anderen Berufsweg vor mit gesehen: Ich habe studiert, um Chorleiterin zu sein, und habe das auch abgeschlossen. Aber dann waren die Berufschancen zu gering, einen Kinderchor wollte ich nicht leiten, und die großen Chöre waren alle in festen Händen. Also habe ich mit Gesang neu begonnen, bin aber gleich in die zweite Klasse eingetreten, weil ich schließlich schon ein Musikstudium hinter mir hatte, und das habe ich dann auch vollendet. Dabei habe ich in St. Petersburg dann schon im Opernstudio einige große Rollen gesungen.

Und wie kamen Sie nach Italien?

Wieder durch Zufall und die Hilfe von Freunden, die an mich glaubten, die meinten, ich müsste weggehen, um etwas zu erreichen, die Geld sammelten, damit ich nach Italien fahren und in Vercelli am dem Gesangswettbewerb Gian Battista Viotti teilnehmen konnte. Ich bekam da 2001 ein Diplom, und wieder haben Menschen an mich geglaubt, mich weitergereicht, ich habe dann an der Accademia Delle Voci in Turin studiert, und nach zwei Monaten kam der Anruf einer mit bekannten Russin, ich solle die Lady Macbeth für ein Vorsingen studieren. Ich bekam die Rolle, ein Agent nahm sich meiner an, und so ging es weiter.

Sie waren in Ihren Studienjahren sehr in St. Petersburg verankert, haben damals im Zazerkalye St Petersburg Musik Theater gesungen, heute leben Sie wieder dort und singen alle ihren großen Rollen im Mariinsky Theater, wobei auffällt, dass Sie als Russin erstaunlich wenig Tschaikowsky singen, eigentlich nur die Lisa in „Pique Dame“, nicht einmal die Tatjana im „Eugen Onegin“, die doch eigentlich auch Ihre Rolle sein müsste?

Das liegt wohl daran, dass mein Agent mich meist an westliche Opernhäuser und besonders viel nach Italien vermittelt, da singt man eher einen seltenen Verdi, wie ich es immer wieder einmal mit Riccardo Muti getan habe, aber kaum Tschaikowsky. Man bietet ihn mir nicht an. Leider.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch.

P-S.

Salzburger Festspiele: MACBETH (12. August 2011)

Als seine Lady sieht man die bildschöne Russin Tatiana Serjan (seit Netrebko und Ushakova haben diese schönen Frauen ja die Opernbühnen im Sturm genommen), die schon eine große Arbeits-Vergangenheit mit Muti hat, in Bregenz die zweite Tosca und erste Aida war, die aber noch niemand nach Wien geholt hat. Sollte man, denn zumindest Lady ist eine Glanzpartie, wenngleich sie Verdis Wunsch nach „Hässlichkeit“ weder optisch noch stimmlich erfüllt (das wäre wohl weder in Mutis noch in Steins Sinn gewesen, die das alte, heute weitgehend verloren gegangene Prinzip der Ästhetik vertreten). Schön, kraftvoll, dunkle, dramatische Tiefe und attackierende Höhe, das macht sie zum Zentrum des Abends, wann immer sie auf der Bühne steht, und das ist glücklicherweise oft der Fall.                                           

Renate Wagner 24.9.15

Bild: Wiener Staatsoper

 

 

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