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LA FILLE DU RÉGIMENT

5. Vorstellung seit der Premiere am 13.09.2019 in Biel, Premiere in Solothurn

Ah! Mesamis, quel jour de fête!

Andrea Bernards Inszenierung überzeugt auch bei der dritten Begegnung. Die inszenierte Ouvertüre mit demälteren Paar (Marie und Tonio), so wird es auf dem Besetzungszettel genannt, führt hervorragend in die Konzeption des Regisseurs ein. Massgeblichen Anteil daran hat das Spiel von Michèle Péquegnat (ältere Marie) und Laurent Grosjean (älterer Tonio). Wüsste man nicht, dass sie auf der Bühne spielen, hätte man das Gefühl beim Abendessen eines seit Jahrzehnten glücklich verheirateten Paaresim vierten Viertel des Lebens dabei zu sein. Tonio bereitet das Abendessen, einen Teller Tomatensuppe, legt Marie die Serviette in den Schoss und gibt ihr den Löffel in die Hand und zwischendurch unterstützt er seine Marie mit Dingen wie einem roten Béret oder einem Portrait aus früheren Zeiten bei ihren Erinnerungen. Tonios Rakete ist als Modell schon hier präsent.

Die ältere Marie wird im Verlauf des Stückes die Handlung immer wieder diskret von der Seite beobachten oder kommentieren.

Alberto Beltrame zeigt in seinem Bühnenbild des ersten Akts das Wohnzimmer, in dem die Erinnerungen Wirklichkeit werden. Die Räumlichkeit bleibt im zweiten Akt erkennbar, auch wenn sie nun den Palast der Marquise de Berkenfield zeigt. Mit der Panzertür, dem grossen Stahl-Tor im Hintergrund und der immer wieder ausgelösten Alarmanlage – inklusive Gasmasken, die immer zur Hand sind und mechanischem Aufzug – zeigt er die abgeschottete Gemütlichkeit der Schweiz im Kalten Krieg. Passend dazu und zur besten Armee der Welt sind die Schweizer mit Steinschleudern bewaffnet. Trotz aller vordergründigen Gemütlichkeit – welch herrliche 70er-Jahre Tapeten! – ist die Bedrohung (oder das, was dafür gehalten wird) immer präsent.

Elena Beccaro unterstützt und stärkt mit ihren Kostümen die Regie und die Erzählung des Inszenierten. Der Chor trägt Kostüme in rosa-orange-violett, die an zeitgenössische Sekten erinnern, durchaus aber auch für damalige Abschottung der Schweiz stehen können.

Die militärischen Uniformen sind selbstverständlich französisch inspiriert. Marie ist kostümiert wie ein Mädchen von heute. Tonio als Raumfahrer (1. Akt) und Fallschirmspringer (2. Akt) verkörpert die tenoralen Eigenschaften von Schwärmerei und Unbedingtheit (der Liebe). Das Kostüm der Marquise de Berkenfield darf wohl als das Gelungenste gelten. In Kombination mit dem Spiel und der wiederholten Verwendung des Berndeutschen entsteht so vor Aug und Ohr des Zuschauers ein schlüssiges Gesamtbild. Etwas weniger gelungen sind Hortensius Kostüme: der Slapstick ist etwas zu viel des Guten und seine Jackets wirken, als hätte man die Reste der Tapeten aufgebraucht.

Bernard erzählt die Geschichte eng am Libretto und führt die Personen tadellos. Während der erste Akt etwas langatmig abläuft, können die Protagonisten im zweiten Akt ihre ganze Spiellust zeigen. Die Inszenierung ist geprägt von zahlreichen Details, wie zum Beispiel der Rakete, die in grossen Schachteln als Bausatz angeliefert wird (Note d’Intention im Programmheft: „…, das dramaturgische Paradox des Stücks hervorzuheben, in dem der Krieg als solcher durchaus heiter besungen wird, als wäre er in Spiel“) oder Tonios Auftritt als Fallschirmspringer im zweiten Akt.

Das Sinfonie Orchester Biel Solothurn unter Franco Trinca trifft den Ton der Opéra comique des Maestro aus Bergamo ideal. Die Märsche und Militärmusik kommen schmissig, die lyrischen Stellen werden ausgekostet und die Sängerschar sensibel begleitet. Herrlich die Soli der verschiedenen Instrumente! Der Chor Theater Orchester Biel Solothurn ist mit grosser Spielfreude am Werk und dabei immer bestens verständlich.

Mit der irischen Sopranistin Aiofe Gibney ist die Rolle der Marie hervorragend besetzt. Zu einer bestens sitzenden und hervorragend ausgebildeten Stimme gesellt sich eine enorme Spielfreude und natürliche Bühnenpräsenz. Die frische, helle Stimme passt bestens zum Mädchen im heiratsfähigen Alter. Marie tritt mit einem Pfiff auf und ihre Interpretation der Rolle hat genauso Pfiff!

Yi-An Chen, der für den erkrankten Manuel NuñezCarmelino eingesprungen ist, hat in seiner nun zweiten Vorstellung die Premieren-Nervosität abgelegt, was der Interpretation nur zum Vorteil gereicht. Die Stimme sitzt und trägt besser und die hohen Tonio, von denen die Rolle des Tonio ja so einige zu bieten hat, kommen leichter und freier.Wird der Diamant weiter fachkundig geschliffen, ist eine gute Karriere durchaus im Bereich des Möglichen. Für das Mitglied des Opernstudios eine grossartige Leistung!

Michele Govi, seit langem eine tragende Säule im Ensemble von Theater Orchester Biel Solothurn, gibt bestens disponiert mit warmem Bariton einen sympathischen Sulpice.

Judith Lüpold ist eine herrlich schrullige und doch über alles sympathische Marquise de Berkenfield.PawełŚlusarz (Hortensius), IsabelleFreymond(La duchessedeCrakentorp) und Marek Pavlíček(Uncaporal/Unpaysan) ergänzen das Ensemble.

 

 

Fotos (c) Konstantin Nazlamov / Theater Biel

Jan Krobot, 26.9.2019

Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online (Wien)

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