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Versailles

André Modeste Grétry

RICHARD COEUR DE LION

Opéra Royal de Versailles am 13.10.2019

Zum 250 Jubiläum der Hofoper eine wunderbare Wiederentdeckung als Anfang einer Grétry-Renaissance?

Am 16. Mai 1770 wurde die wunderschöne königlicher Hofoper in Versailles eröffnet für die festliche Hochzeit das damals 16-jährigen „Dauphin“ mit der 14-jährigen Marie-Antoinette. Der Prunksaal war eigentlich eine Sparmaßnahme. Weil der französische Staat schon damals sehr verschuldet war – der Hauptgrund, der zu der französischen Revolution von 1789 führte – rechnete die Hofintendanz aus, dass es billiger sei, einen permanenten Saal für solche Festanlässe zu bauen, als dreimal in einem Jahr, wie bis dann üblich, die große Reithalle für die drei bevorstehenden Hochzeiten der drei Enkel von Ludwig dem XV. umzubauen. Kurz nach dem „Dauphin“ (der spätere Ludwig der XVIe) heirateten noch seine beiden Brüder „Provence“ und „d’Artois“ (die späteren Könige Louis XVIII und Charles X). Und in diesem Saal passierte einer der dümmsten politischen „faux-pas“ von Königin Marie-Antoinette, im Volksmund inzwischen „Madame Déficit“ genannt, als ihre Leibgarden in ihrer Anwesenheit die Arie ihres Lieblingskomponisten Grétry sangen, „O Richard ! O mon roi !“ und dabei die revolutionäre Trikolore-Fahne auf der Bühne zertrampelten. Dies führte zur „Verhaftung“ der Königsfamilie, die am 6. Oktober 1789 durch das „Volk“ nach Paris verschleppt wurde und ab dann de facto „Häftling“ war. Die Arie wurde s zum Versammlungslied aller Königsgesinnten und während der „Restauration“ 1814-1830 quasi die französische Nationalhymne.

Dieser politische Kontext hat meiner Meinung nach ganz verheerende Wirkungen auf die Rezeptionsgeschichte des Komponisten André Modeste Grétry (1741- 1813) ausgeübt, der bis heute immer noch (nur) mit Königin Marie-Antoinette assoziiert wird. Er war sicherlich ihr Lieblingskomponist – abgesehen natürlich von ihrem Musiklehrer „Papa Gluck“, den sie politisch sehr unklug für einige Jahre nach Paris holte. Grétry war quasi ihr Hofkomponist (sie war z.B. auch Patin seiner Tochter Antoinette) und hat wunderschöne Opern (eher „opéras comiques“ mit gesprochenem Text) komponiert, die quasi alle von den Spielplänen verschwunden sind. Seit über 30 Jahren haben wir nur 1994 „Zémire et Azor“ und 2010 „L’Amant Jaloux“ auf einer französischen Opernbühne gesehen. Nun folgt endlich seine bekannteste Oper „Richard Coeur de Lion“, die hier und dort noch regelmäßig durch königsgesinnte Amateure aufgeführt wird (was nicht despektierlich gemeint ist) und unseres Wissens zum letzten Mal 1978 in seiner Geburtsstadt Liège (Lüttich), wo es auch ein schönes Grétry-Museum gibt, auf einer größeren Opernbühne gespielt wurde.

Diese Wiederentdeckung – seit 1789 nicht mehr in Versailles gespielt und anscheinend nicht oder kaum in Paris – ist gleichzeitig auch das zehnjährige Jubiläum der Wiedereröffnung der Königlichen Hofoper in 2009 (der Raum diente im 20. Jahrhundert dem Senat), die nun auch zum ersten Mal eine eigene Produktion auf die Beine stellt (zehn Jahre lang waren es nur reisende Opernvorstellungen aus z.B. Drottningholm oder maßgeschneidert für z.B. Cecilia Bartoli oder Max Emanuel Cencic). Zu diesem Anlass holte man alte Bühnenbilder aus dem Centre de musique baroque de Versailles wieder hervor für eine musikalisch und szenisch historisch absolut einwandfreie Vorstellung.

Der kanadische Regisseur Marshall Pynkowski, der mit seiner Choreografin Jeannette Lajeunesse Zingg 2013 „Lucio Silla“ in Salzburg inszeniert hat, kennt die Bühne der Hofoper so gut wie der Bühnenbildner Antoine Fontaine. Fontaine weiß wie man alte (Ballett?)-Bühnenbilder restauriert und bespielt und schuf so eine herrliche „alte Burg in Linz“. Denn Grétrys Librettist Michel-Jean Sedaine (Freund von Favart und Diderot) verlegte die in Inhaftierung des englischen Königs Richard Löwenherz nach dem dritten Kreuzzug 1119 vom historisch korrekten Oberrhein nach „Lints“ (sic, so steht es im Libretto). Hier sehen wir, wie der eingesperrte König, durch seinen treuen Diener Blondel befreit wird, der sich als blinder Straßenmusikant verkleidet hat und ein kleines Liedchen spielt, das Richard Löwenherz einst für seine angebetete Gräfin Marguerite komponiert hat, die sich zufällig auch in Linz befindet, auf dem Weg ins Kloster, wo sie der Welt entsagen will. Nach nur anderthalb Stunden gibt es schon ein Lieto Fine und ist die Welt wieder in Ordnung.

Musikalischer Mentor dieser Aufführung – die leider nicht als Platte aufgenommen wurde war der Dirigent Hervé Niquet, der schon fünf Mal den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ bekommen hat und der wenige Tage vor der Premiere auch das Gala Konzert des 10-jährigen Jubiläums des Palazzetto Bru Zane dirigiert hat (wir haben darüber berichtet). Er dirigierte hervorragend das durch ihn 1987 gegründete Concert Spirituel auf historischen Instrumenten, das diese Musik perfekt beherrscht. Besonders gefreut hat uns, dass die in den Aufnahmen immer gestrichenen Balletteinlagen nun endlich mal gespielt wurden und dazu noch so perfekt choreografiert (eben in die Handlung eingebunden) durch Jeannette Lajeunesse Zingg, die sich offensichtlich mit ihren elf Tänzern in die historischen Vorlagen von Maximien Gardel vertieft hatte. Dieser brachte 1774 bei der Uraufführung von „Richard“ z.B. einen der ersten „Walzer“ auf eine französische Opernbühne - ein österreichischer Tanz, der Marie-Antoinette natürlich besonders gut gefiel.

Die Sänger waren alle jung und spielfreudig und wurden durch den Dirigenten und Regisseur exzellent geführt in stilvollen Kostümen von Camille Assaf. Der Held des Abends war natürlich Rémy Mathieu als Blondel, auch wenn seine große Auftrittsarie „O Richard ! O mon roi !“ mit gerolltem „R“ etwas gewöhnungsbedürftig für uns klang (wozu später). Reinoud van Mechelen war ein wunderbarer, stimmkräftiger Richard Coeur de Lion, und man wunderte sich nicht, dass er sich in die temperamentvolle Gräfin von Marie Perbost verliebt hat, die gleichzeitig auch noch in der Hosenrolle des Antonio auftrat. Melody Louledjian sang die berühmte Arie der Laurette (wozu später) und durfte am Ende dann doch den bösen Gefängniswärter Florestan heiraten (Jean-Gabriel Saint-Martin, der gleichzeitig auch noch zwei andere Rollen übernahm). Auch die Comprimari sangen und spielten perfekt: Geoffroy Buffière (Sir Williams), François Pardailhé (Guillot & Charles), Charles Barbier (Sénéchal), Cécile Achille (Madame Mathurin), Agathe Boudet (Colette) und Virginie Lefèbre (Béatrix).

Ein wunderbarer Abend und Grétry mal ganz anders als auf den meisten Platten. Denn in der Referenz-Aufnahme (Edgar Doneux, Brüssel, 1977) klingt die bekannte Arie „O Richard ! O mon roi !“ mit großem modernen Orchester und einen halben Ton höher (Niquet wählte gezielt 415 Herz) sicher viel heroischer, doch verliert dafür die ganze restliche Oper an Feinheit und schillerndem Glanz. Und wie besonders dieser gewesen sein muss, hören wir jedes Mal in der „Pique Dame“. Denn dort singt die alte Gräfin in Erinnerung an ihre Jugendzeit am Hof in Versailles die oben genannte Arie der Laurette: „Je crains de lui parler la nuit… J’écoute trop tout ce qu’il dit… Il me dit „je vous aime“ et je sens malgré moi (…) mon coeur qui bat“. Das war für Tschaikowski der Inbegriff von Versailles vor der französischen Revolution. Hoffentlich werden sich nun auch andere auf Grétry besinnen und kommt sein Werk wieder auf unsere Opernbühnen, wo es absolut wieder hingehört. Waldemar Kamer

 

Fotos (c) Agathe Poupeney

Waldemar Kamer, 17.10.2019

Dank an unseren Kooperationspartner MERKER-online

 

P.S.

als Livestream verfügbar

 

 

 

 

 

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