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DEUTSCHE OPER AM RHEIN BALLETT

Demis Volpi neuer Ballettdirektor

Ich möchte das Repertoire um abendfüllende Handlungs-Ballette erweitern

Der in Insiderkreisen durchaus schon international bekannte deutsch-argentinische Choreograf wird ab der übernächsten Spielzeit 2020/21 Ballettdirektor der Rheinoper Düsseldorf. Der 33-jährige, hochsympathisch wirkende Volpi war von 2013 bis 2017 Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts.

Der in Düsseldorf weltbekannte bisherige Direktor Martin Schläpfer, der seit 2009 dem Düsseldorfer Ballett vorstand – er hatte, neben seinen Verdiensten um das moderne Tanztheater, einen nicht geringen Teil der rheinischen Ballettfreunde extrem verärgert, weil er rigoros Handlungsballette als für ihn nicht mehr zeitgemäß aussperrte –  geht zum Ende der nächsten Spielzeit nach Wien und wird dort Direktor des Wiener Staatsballetts.

Eine Situation, die – wie aus Wiener Ballett- und Zuschauerkreisen verlautet – schon jetzt Angst und Schrecken verbreitet, denn 90 Prozent aller Ballette in Wien sind bisher noch schöne, klassische Handlungsballette. Etwas anderes können sich die Wiener eigentlich kaum vorstellen und wollen die Menschen dort auch nicht sehen. Auch weil eben diese tollen Wiener Tänzer – die technisch vielleicht sogar weltbeste Compagnie – eben noch exakt auf Linie tanzen kann – was Schläpfer in einem Interview der WZ für seine Düsseldorfer Tänzer ja rigoros ablehnte.

Doch zurück zum Neuen: Die Düsseldorfer Freunde des schönen Balletts können sich freuen. Volpis wunderbares Krabat, ein Handlungsballett nach dem Roman von Otfried Preußler, ist nicht ohne Grund zum Publikumsliebling in Stuttgart avanciert. Schöneres und mit großer Liebe zum Tanz ganz Ausgefeiltes habe ich selten gesehen. Krabat begeisterte damit Jung und Alt.

Volpis Credo für Düsseldorf lautet: Ich möchte das Repertoire um abendfüllende Ballette erweitern. Wie wunderbar, denn darauf haben die Düsseldorfer und Duisburger Ballettfreunde ganze zehn Jahre warten müssen.

Auch wenn Intendant Christoph Meyer davon spricht, dass er sich Volpi auch als Opernregisseur vorstellen könne, hoffen wir, dass er das genua nicht macht, sondern dass er erst einmal „bei seinen Leisten“ bleiben sollte.

 

Foto (c) Rheinoper

Peter Bilsing, 17.3.2019

 

KRABAT TRAILER

 

(c) Stuttgarter Ballett

 

 

 

SCHWANENSEE ohne Schwäne

Premiere am 8.6.2018

Ein Barfuß-Schwanensee

"Hallo, ist die Musik kaputt?"

Plärrte eine gut neunjährige in der Reihe vor mir, als zum zweiten Mal das Orchester eine Generalpause macht und sich die Tänzer nur imaginär zeitlupenhaft oder gar nicht bewegen. "Psssst!" erklärte ihr die wohl kenntnisreiche Tanz-Mutter (dankenswerter Weise) leise und einfühlsam

"Das ist große Kunst, das verstehst du noch nicht."

Und in der Tat wird kaum ein Kind verstehen, worum es bei diesem "Schwanensee" überhaupt geht, hat es sich doch auch dem Rezensent, trotz der umfangreichen Erläuterungen (ca. 2/3 des Programmheftes) welches der in Düsseldorf weltbekannte Meisterchoreograf Martin Schläpfer mit seinen "Gedanken zu Schwanensee" ellenlang füllt, leider nicht erschlossen.

"Wo sind denn die Schwäne ? Sind die auch kaputt?"

Bevor ich mich lauthals und wütend einschalten konnte, hielt die tapfere Mutter dann aber der Kleinen GöreGott-sei-Dank den Mund zu und machte ihr drastisch klar, jetzt nicht weiter dumme Fragen zu stellen; außerdem fing ja die Musik wieder an und so erstarb das Pausen-Gespräch von selbst. Jetzt mal ganz ehrlich unter uns Eltern: ist es nicht eine üble Form von Ignoranz und Nicht-Empathie, seinen unbedarften Nachwuchs mit in ein so hoch diffiziles und psychologisch verworrenes Tanz-Märchen-Opus wie "Schwanensee" zu nehmen. Solche Rotzlöffel haben den "Struwwelpeter" verdient... Punktum!

"Herta, wieso ist das so dunkel, ich seh kaum was?"

höre ich einen älteren Mann hinter mir in der nächsten Generalpause seine holde Gattin fragen. Es ist schon interessant, wozu solche Unterbrechungen vom Publikum genutzt werden. Lesen kann man ja nichts, wenn das Licht im Auditorium aus bleibt. Wahrscheinlich dachten Einige sogar, jetzt wäre quasi eine Umbauphase. Von den sich kaum bewegenden Tänzern sah man ja auch im Halbdunkel der Bühne nicht viel; es waren eher pantomimisch gestaltete Breaks.

Die Antwort von einem scheinbar fachkundig Wohlinformierten, der wohl schon die Generalprobe gesehen hatte, blieb natürlich nicht aus:

"Na warten Sie dann mal erst den zweiten Teil ab, da sieht man fast gar nichts mehr..."

Genug der Generalpausengespräche. Soweit: "vox populi - vox Rindvieh" - wie mein alter Lateinlehrer immer sagte. Gehen wir jetzt ernsthaft in medias res, denn es wurde in diesem "Schwanensee" durchaus große und vom Rezensenten schätzenswerte Tanzkunst geboten; Schläpfer-Ballett halt, wie wir es seit Jahren kennen und seine Fans schätzen, auch wenn es heuer wenig bis gar nichts mit Tschaikowskis romantischem Original zu tun hatte. Keine Schwäne...

Die Düsseldorfer Truppe muß respektvoll zu den besten Deutschlands gezählt werden, auch wenn die Tänzer in den größeren Ensembles erkennbar divergieren und an Kongruenz verlieren. Für mich absolut verständlich und nachvollziehbar, denn immerhin verkündete Ballet-Chef Schläpfer 2016  in einem WZ Interview klar und deutlich sein Credo: Wer Schläpfer wählt, wählt das Handlungsballett ab...

"Ich habe kein Publikum, das nach Handlungsballetten verlangt ... Ich habe den Verdacht, dass es eine Illusion ist. Ich kenne viele, die sich ein Erzählballett ansehen und hinterher enttäuscht sind ... Aber ist es meine Aufgabe, die Wünsche des Publikums zu erfüllen oder das zu tun, woran ich glaube? Ich bin ein Künstler, der heute arbeitet. Ich finde, der Tanz ist sich selber genug ... Mit meiner Company kann ich keine „Giselle“ machen. Wie soll ich mit diesen wunderbaren Persönlichkeitssolisten zwischen 18 und 47 Jahren eine einheitliche, klassische Linie hinkriegen? Ich habe kein Corps de Ballet...."

Das hat sich nun geändert. Schön, daß es sich geändert hat. Und so äußert er sich hic et nunc im aktuellen Programmheft der Rheinoper nun folgender Maßen:

„In der Arbeit an Schwanensee fühlte ich mich nun viel freier. Ob ein Schritt zu klassisch oder nicht originell oder stimulierend genug sei, war für mich hier selten eine Frage, sondern vielmehr, ob er das transportiert, was ich erzählen möchte. Wie schaffe ich es, eine vollständig erlebte und erlebbare, nicht kodierte Bewegungssprache zu find? ... Ich habe immer auf die romantischen Ballette geschaut, sie studiert und ihre Meisterschaft bewundert."

Des Meister-Choreografen Ansatz steht an diesem Abend unter dem Motto:

Hinweg mit der Romatik und jeglichem Ausstattungsplunder

Daß sich da nun viele traditionelle Schwanensee-Fans und Familien mit Kindern nicht sehr wohl fühlen, ist verständlich. Zum Teufel, wir machen doch kein Ballett für Kinder! Auch werden vielen eben immer noch dem Steinzeit-Ballett Frönenden die Kürzungen des Choreografennicht munden, denn der Wegfall der schönen Nationaltänze ist ausgesprochen bedauerlich. Ich jedenfalls mochte sie immer sehr, sind sie doch ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Geschichte. Aber sie passen halt nicht in dieses neue moderne Konzept.

"Mir ist die direkte Konfrontation der Protagonisten wichtig. Alles was sich in einer höfischer Etikette versteckt, interessiert mich weniger ... Auch im ersten und dritten Akt habe ich Striche vorgenommen. Ich wollte keine Staffage.

Auch jedwede Form von Walzerei kann natürlich barfuß - nota bene: es wird überwiegend barfuß getanzt - nur schwerlich choreografiert werden, und so findet sich an den schönen Stellen mehr Statik als Movement, sogar Bodenturnartiges. Ernüchternd trockene Bewegung, statt stimmungsvoller Drehungen zur herrlichen Musik. Natürlich auch kein Pas de Quattre der vier kleinen Schwäne. Zu niedlich!

Eine Bewertung des Ganzen, sollte jeder Ballettfreund, unabhängig davon was der Rezensent hier schreibt, aber für sich selbst entscheiden. Wobei das allerdings schwer ist, denn wie verlautet sind alle kommenden Vorstellungen, bis weit ins nächste Jahr ausverkauft. Aber, kleiner Trost für die Ausgesperrten: es soll ja demnächst noch eine Fernsehaufzeichnung von ARTE geben.

Über das Bühnenbild von Florian Etti - irgendwo schimmern im Halbdunkel der Hinterbühne große Fensterrahmen, ein riesiger Kiesel und ein transparenter Quader mit Wolken durch - kann ich nur Marginales sagen, da meine altersschwachen Äuglein nicht viel Konkretes sehen konnten. Ettis Kostüme repräsentierten schlichte Alltagsmode eines gehobenen Couturiers, wie nette Negligés, Roben, Westen, Hemden, T-Shirts und satinartig durchsichtige Kleider.

Die Solisten waren phantastisch. Allen voran die unglaublich vielfältige Leistung vom Marcos Menha in der Rolle des Siegfried. Odette (Marlucia do Amaral) war ein Traum und mit Alexandre Simoes (Benno) und einer grandiosen Stiefmutter (Young Soon Hue) hat die Rheinoper schon überragende Solisten auf internationalem Niveau, die Freude bereiten. Da ist dann eigentlich egal was sie tanzen...

Fazit: Wenn man dem Schwanensee die wunderbaren Kostüme, die klassisch runden Tanz-Bewegungen und schönen Bühnenbilder raubt, bleibt nicht viel übrig. Dann ist es halt moderner Tanz zu Tschaikowskis Musik: austauschbar, beliebig und déja-vu. Wenn dazu noch recht Grobes (Ausnahme die Streichersoli bzw. die Harfe - extra im Programmheft erwähnt) aus dem Orchestergraben der "Düsis" unter Axel Kober tönt, dann keimt auch akustisch nicht die optimale Freude beim Opern-Rezensenten auf. Ich gehe davon aus, daß es unter dem Folgedirigat von Aziz Shokhakimov nur erheblich besser werden kann.

Zusammenfassend würden böse Zungen, Neider, Ewiggestrige, Traditionalisten und Unwohl-Meinende den Abend sicherlich mit dem Satz bewerten:

Schläpfer ruiniert unseren schönen Schwanensee

Solch Hinterweltlerischem bewahrenden Denken würde ich mich natürlich keinesfalls anschließend, obwohl die empörten Buher schon bei der Premiere deutlich hörbar waren. Aber wie wird das demnächst wohl vom normalen Volk der Ballettfreunde der Theatergemeinden und Volksbühnen aufgenommen werden? Schau mer mal...

 

Peter Bilsing 10.6.2018

Bilder (c) hier geht ein besonderes Lob an Gerd Weigelt - denn was er aus dem Dunkel heraus holt ist top; vieles habe ich auf der Bühne so nicht erkennen können.

 

 

Das schreiben die Kollegen über diesen "Schwanensee"

hier macht sich keiner nass - tiefste Provinz - mit Geld  (FAZ)

Dekonstruktion der Romantik - das Wunder blieb aus (O-TON)

 

P.S. Unser Opernfreund Tipp für Familien aus NRW

Unser Tipp für Traditionalisten und Familien ist das Aalto in Essen (keine 25 Minuten Fahrtzeit). Dort gibt es einen herrlich klassischen Schwanensee von Ben Cauwenbergh mit märchenhaften Kostümen, richtig schönen 18 Schwänen incl. Teller-Tutus und mit all dem schönen Romantischen, was zu einem Märchenballett dazu gehört. Vor allem auch Ihre Kleinen wird es erfreuen. Für weitere grandiose Handlungsballette, die es ja auch an der Rheinoper seit der Ära Schläpfer nicht mehr gibt, empfiehlt die Opernfreund-Redaktion nach Dortmund oder Gelsenkirchen auszuweichen. Nahegelegene Ausflugziele für alle, denen dieser Schläpfer Schwanensee nicht mundet oder ggf. schwer im Magen liegen sollte.

 

 

 

 

 

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