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Wiens neuer “Don Pasquale” Michele Pertusi noch in Zivil,
fotografiert von Barbara Zeininger

MICHELE PERTUSI


Der italienische Bassbariton Michele Pertusi singt seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten regelmäßig an der Wiener Staatsoper, aber die Titelrolle in „Don Pasquale“ ist seine erste Premiere an dem Haus. Er erzählt von seiner Liebe zu Wien und den Schwierigkeiten des Opernberufs.

Signore Pertusi, wir haben Sie in Wien seit vielen Jahren in vielen Rollen gehört – aber nie in einer Premiere und nie in einer so bedeutenden Partie wie dem Don Pasquale?

Ja, seltsam, ich habe eine Menge Repertoire gesungen, Verdi und Belcanto-Partien, einmal auch Mozart, aber es hat eineinhalb Jahrzehnte gebraucht, bis ich zu einer Premiere kam. Es gibt immer wieder Überraschungen im Opernleben.

Wie oft haben Sie den Don Pasquale schon gesungen?

Gar nicht so oft, zuerst in einer traditionellen Inszenierung in Bologna, die im Geist der italienischen Komödie gestaltet war, und dann zweimal – einmal an der Scala, einmal in Valencia – in derselben Inszenierung von Jonathan Miller, die ein bisschen jener in Wien ähnelt, weil sie auch in ein modernes Ambiente versetzt wurde.

Wie gefällt Ihnen die Idee von Regisseurin Irina Brook, Don Pasquale zum Besitzer eines Nachtclubs zu machen?

Das ist ein Rahmen, in dem man das realisieren kann, was sie sich vorstellt – dass es durchaus eine Komödie ist, aber doch mit ihren bitteren Momenten. Wenn Norina Don Pasquale im dritten Akt so schlecht behandelt, dann überschreitet das Geschehen kurz eine Linie, und er wird zum Opfer. Im übrigen ist die Wiener Inszenierung immer witzig, ungemein lebendig. Als wir am ersten Probentag einfach Ideen austauschten, habe ich vorgeschlagen, ob wir uns nicht auch an den großen italienischen Komödien des Kinos orientieren wollten, an der italienischen „Actor’s School“ wie Vittorio Gassman oder Vittorio de Sica. Wir haben uns dann bei den Proben sehr wohl gefühlt, es herrschte eine wirklich gute Stimmung.

Sie haben einmal gesagt, die einzige heitere große Rolle des italienischen Repertoires, die es mit Don Pasquale aufnehmen kann, sei Falstaff?

Ja, den habe ich früher gesungen, ich bin ja ein Bassbariton, aber in den letzten Jahren bin ich eher in die Tiefen des Basses gesunken, Falstaff wäre jetzt zu hoch für mich. Es ist interessant, dass sich die Stimme in den 31 Jahren meiner Karriere – ich habe mit 19 begonnen – doch verändert hat. Natürlich singe ich noch Rossini, aber er ist für mich schwieriger geworden. Darum habe ich Dominique Meyer gefragt „Warum setzt Du mich alten Mann ausgerechnet als Alidoro an?“, den ich nach dem „Don Pasquale“ noch in ein paar „Cenerentola“-Vorstellungen singen werde, aber er hat nur gelacht. Neuerdings singe ich mehr und mehr die komischen Baß-Rollen, etwa den Basilio, auch den Dulcamara habe ich in den letzten Jahren für mich entdeckt. Früher habe ich viel mehr dramatische Rollen gegeben.

Doch scheint es, dass das Leben eines italienischen Basses insofern ein wenig undankbar ist, als Rollen wie Zaccaria, Fiesco, Guardian oder Sparafucile, den Sie nächste Saison in Wien singen werden, zwar schön und ausdrucksvoll sind, aber im Interesse doch hinter den Tenor, dem Sopran, dem Bariton rangieren…

Ich sehe das nicht so. Auch bei einem Fußballmatch braucht man alle Spieler am Feld, ich bin eben kein Stürmer, sondern ein Verteidiger, aber ohne diesen geht es auch nicht. Aber es stimmt schon, dass die ganz großen Bassrollen nicht so häufig sind. Ich werde demnächst zum ersten Mal in Lyon den Philipp in „Don Carlos“ singen, allerdings in der französischen Fassung. Ich denke, ich werde den Sommer brauchen, die Partie zu studieren – abgesehen von der „Norma“ mit Cecilia Bartoli, die diesen Sommer in Salzburg wieder kommt.

Sie sind in Parma geboren, leben Sie auch dort?

O ja, ich bin da geboren, lebe hier mit meiner Frau und drei Söhnen, und ich werde wohl auch hier sterben. Natürlich habe ich wie jeder Sänger, der viel unterwegs ist, das Problem, dass man nicht genug mit der Familie zusammen ist – aber das ist der Beruf, und ich versuche wirklich bei jeder Gelegenheit, daheim in Parma zu sein. Wir haben wunderbares Essen da, den Käse, den Schinken, ich liebe es zu essen und zu kochen. Übrigens ist Parma auch mit Österreich verbunden – „unsere“ Herzogin Maria Luigia war ja die Tochter Ihres Kaisers Franz I., und während sie als Kaiserin der Franzosen als Gattin Napoleons vielleicht nicht ganz so erfolgreich war, hat sie als Herrscherin in Parma viel geleistet. In ihrer Regentschaft wurde das Teatro Regio in Auftrag gegeben und mit Bellinis „Zaira“ eröffnet – es war übrigens ein totaler Misserfolg.

Wenn Sie schon eine österreichische Herzogin hatten – fühlen Sie sich auch Wien verbunden?

Ich liebe Wien, ich bewundere die musikalische Tradition der Stadt unendlich, und dass ich in einem Opernhaus singen darf, das mit Gustav Mahler und Richard Strauss verbunden ist, wo Böhm und Karajan dirigiert haben, das bedeutet mir unendlich viel. Ich bedaure so sehr, dass ich nie das Glück hatte, mit Karajan zusammen zu arbeiten. Ich durfte ihm vorsingen, hätte für einen „Figaro“ 1991 als Cover agieren sollen – aber er ist davor gestorben. In meiner Jugend habe ich auch mehr Mozart gesungen, ich erinnere mich an einen „Don Giovanni“ 1998, wo Ildebrando d’Arcangelo, der heute „der“ Don Giovanni ist, noch mein Leporello war…

Sie haben einmal gesagt, Sie singen lieber dramatische Rollen als komische.

Nun, im Moment ist „Don Pasquale“ logischerweise meine Lieblingspartie, aber tatsächlich habe ich viel Dramatisches gesungen, wobei ich Verdi aus vielen Gründen liebe, nicht nur seinen Attila – interessante Musik, leider keine interessante Geschichte -, sondern auch ein selten gespieltes Frühwerk wie beispielsweise den „Oberto“, den ich zuletzt 2013 an der Scala gemacht habe. Aber ich liebe auch Bellini, das sind einfach wunderbare Melodien, die „Sonnambula“ habe ich – oft mit Natalie Dessay – wirklich überall zwischen Wien, Mailand, Paris und New York gesungen.

In Ihrer Biographie spielt Pesaro eine große Rolle.

Ja, Rossini war der „Papa“ meiner Karriere, sozusagen mein erster Komponist und ein großer Teil meiner Arbeit, da habe ich in Pesaro zahlreiche Opern gemacht, viele, die meist nur dort gespielt werden, aber natürlich ist auch Donizetti mit „Lucia“, „Liebestrank“ und seltenen Werken wie „Marino Faliero“ wichtig für mich – da gibt es ein Duett mit dem Sopran am Ende der Oper, das ist unglaublich! Wir haben in Italien das Glück – oder hatten es, solange Oper finanzierbar war – sehr, sehr viele Opernhäuser zu besitzen, darunter große und auch wunderschöne kleine, die ein großes Repertoire ermöglichten.

In Pesaro müssen Sie ja auch schon mit Juan Diego Florez zusammen getroffen sein?

Ja, wir haben in der „Viaggo a Reims“ zusammen gesungen, aber auch sonst öfter an anderen Häusern, zum Beispiel „Cenerentola“ in London. Es ist wirklich schön, jetzt im „Don Pasquale“ wieder mit ihm zusammen zu arbeiten, der Mann ist einfach Top Level und ein Top Player.

Deutsches Repertoire haben Sie nie versucht?

Ja, einmal einen Schumann, mit Maestro Lopez-Cobos übrigens, der jetzt den „Don Paquale“ dirigiert, aber das ist nicht meine Welt. Eher schon die Franzosen, obwohl Escamillo eine Rolle ist, die sich in meinen Augen nicht lohnt, sehr schwierig, aber nicht interessant. Da sind die vier „Bösewichte“ in „Hoffmanns Erzählungen“ schon eine größere Herausforderung, aber natürlich auch eine Plage – man muss fünfmal die Kostüme wechseln, das ist wahnsinnig anstrengend. Mir hat einmal ein Trainer gesagt, wenn man seine Energie für eine Sache verbraucht, fehlt sie einem bei der anderen, und genau so ist es – man braucht als Sänger ja seine Kraft zum Singen.

Wenn man sieht, was von Sängern heute auf der Bühne verlangt wird – ist das nicht generell kräfteverzehrend?

Genau so ist es. Die Welt der Oper hat sich ungemein verändert, In meiner Jugend habe ich viel gelernt, um ein guter Sänger zu werden. Heute muss ich auf der Bühne nicht nur singen und spielen, sondern auch tanzen, hüpfen, rennen, alles Mögliche tun, um die Ideen von Regisseuren zu befriedigen. So vieles ist Show geworden, was man auch wiederum verstehen muss – es gibt Fernsehen, Kino, Circus, alles ist voll von Effekten, da will die Welt der Oper mithalten.

Wird man da nicht manchmal der Sache müde?

Nein. Es ist schwierig geworden – und dennoch ist es ein wundervoller Beruf. Ich bin ein so glücklicher Mensch, dass ich ihn ausüben darf, es ist ein Privileg, mit großen Kollegen auf der Bühne zu stehen, ich liebe es ganz einfach. Und wenn Maestro Lopez-Cobos neulich bei der Probe sagte, er werde an einer Stelle das Orchester zurücknehmen, damit meine Stimme nicht überdeckt würde – mein Gott, wenn mich die Wiener Philharmoniker „zudecken“, wird es mir eine Ehre sein!

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Michele Pertusi zwischen seiner Regisseurin Irina Brook (rechts) und Renate Wagner
Foto: Barbara Zeininger

Interview von Renate Wagner 30.4.15

 

 

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