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ADRIAN ERÖD & MONICA THEISS-ERÖD im Gespräch

Eröd adrian1-medium


Zwischen Dresden und Tokio…

Adrian Eröd, der soeben mit seiner Gattin Monica Theiss-Eröd gemeinsam eine Duette-CD mit dem schönen Titel „Ich und Du“ herausgebracht hat, wird nächste Spielzeit an der Wiener Staatsoper erstmals den Eisenstein und erstmals den Prospero singen. Im übrigen locken Angebote aus aller Welt, so dass man Eröd an seinem Stammhaus nicht mehr so „fest“ und sicher im Ensemble hat wie früher…

Herr Eröd, gehen wir gleich aktuell vor: Der Loge im diesjährigen Staatsoper-„Ring“ ist Ihnen abhanden gekommen, dafür dürfen Sie erstmals den Sprecher in der „Zauberflöte“ singen, was nicht unbedingt wie ein toller Ersatz aussieht?

Es liegt nicht an mir, dass ich den Loge nicht singe, aber die Kollegen wollen ja auch einmal mit den schönen Rollen zum Zug kommen. Als mich der Direktor wegen des Sprechers fragte, dachte ich kurz nach und meinte dann: Warum nicht? Ich habe zehn Jahre lang immer wieder den Papageno gesungen, im Mozart-Jahr 2006 sogar 30mal – und seither keine einzige Vorstellung in dieser Rolle. Sie war geplant, dann kam es nicht dazu, und jetzt denke ich, es sollte wohl nicht sein. Und der „Sprecher“ ist zwar keine große Partie, wird aber eigentlich immer  hoch besetzt, Hotter, Waechter, Berry, das kann  man schon machen. Außerdem ist er ja mit dem zweiten Priester gekoppelt, der sich mit dem Papageno auseinandersetzt. Ich habe diese Szene so oft „von der anderen Seite“ her gespielt, dass das sicher vergnüglich wird. Und im übrigen ist ja der Loge nicht verloren, der wird schon wiederkommen, zuerst in Budapest, ebenso wie der Beckmesser.

Nächste Saison gibt es für Sie zwei Rollen an der Staatsoper, die Sie zwar kennen, aber für uns, das Wiener Publikum, sind Sie darin neu – der Eisenstein und der Prospero im „Sturm“ von Thomas Adès sowieso. Das sind immerhin zwei schöne Aufgaben.

Ja, nach mehr als ein Dutzend Dr. Falke endlich den Eisenstein in Wien, den ich bisher in Tokio gesungen habe und mit der Rolle übrigens auch wieder dorthin zurückgehe. In Chicago, wo ich auch der Falke war, hat damals übrigens Juliane Banse als Rosalinde debutiert, und ich sagte ihr damals: „Wenn Du diese Rolle drauf hast, bist Du jeden Silvester beschäftigt.“ Und tatsächlich wird Sie für meinen Eisenstein zu Silvester 2014 die Rosalinde sein. Was den Kopfstand betrifft, den Eberhard Waechter als Eisenstein immer gemacht hat – ich habe ihn als Falke gemacht und muss mich nun wahrscheinlich mit Clemens Unterreiner, der dann der Falke sein wird, zusammenreden, wer von uns „Kopf steht“… Wichtig ist beim Eisenstein, dass es zwar eine wienerische Tradition der Bariton-Besetzungen der Rolle gibt, ich aber alle hohen Töne, die es da gibt, wirklich singe. Ich bin eben kein Bassbariton, sondern eher ein hoher Bariton. Das kommt mir auch beim Prospero zugute.

Von „Der Sturm“ von Thomas Adès kennt man ja nur, wenn man sie nicht live in New York gesehen hat, die DVD mit der eindrucksvollen Met-Inszenierung mit Simon Keenlyside. Wien übernimmt ja diese Produktion – die Rolle hört sich entsetzlich schwer an, und die Tätowierungen, mit denen Keenlyside bedeckt war, wirkten höchst aufwendig…

Ja, ich kann nur hoffen, dass man da eine Lösung mit einem Body findet, sonst sitze ich jedes Mal für ein paar Stunden länger in der Maske… Aber darauf soll es nicht ankommen, es ist wirklich eine tolle Rolle, die ich 2010 in Frankfurt gesungen habe. Damals hat mir der Komponist, der die Wiener Aufführung übrigens dirigieren wird, bestätigt, ich sei bis dahin der einzige Sänger, der alle hohen Töne des Prospero auch so gesungen hat, wie sie in der Partitur stehen…

Apropos Adès und „Sturm“: Sie zeigen ja wirklich besonders große Bereitschaft, sich immer auf die Moderne einzulassen, nicht nur auf die „klassische“ wie Berg, sondern auf ganz neue Opern. Die naive, aber logische Frage lautet: Hat man da nicht Angst, sich die Stimme zu ruinieren?

Ich würde mir die Stimme ruinierten, wenn ich versuchte, mit meinen Mitteln etwa den Pizarro zu singen. Bei den zeitgenössischen Komponisten ist das anders. Sie sind zwar schwierig zu lernen und zu singen, aber beim Prospero etwa ergibt sich nach und nach eine innere Logik der Musik – und dann ist er nicht schwerer als der Faninal. Auch der Shylock in „Der Kaufmann von Venedig“ von André Tchaikowsky, den ich vorigen Sommer in der Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen gesungen habe, war sehr gut machbar. Nur der Jason in der „Medea“ von Aribert Reimann, den er wirklich „für mich“ geschrieben hat – der blieb bis zum Schluss von Vorstellung zu Vorstellung schwierig, da musste ich jedes Mal noch vorher „üben“ und mir etwa Einsätze und Übergänge klar machen – und war froh, dass es den Souffleur gab…

Vor Eisenstein und Prospero nächste Spielzeit gibt es für Sie im Sommer den „Rosenkavalier“ in Salzburg. Es ist nicht Ihr erster Faninal – aber der erste mit Regisseur? Und: Sind Sie nicht ein bisschen jung für die Rolle?

Wenn man es genau nimmt, ist der Faninal – als Vater einer vielleicht 16jährigen Tochter – wahrscheinlich so alt, wie ich es heute bin, aber es ist mir schon klar, dass ich nicht wie ein „älterer Mann“ wirke, wie es die Rollentradition will. Hauptsache aber bei dieser Figur ist, glaube ich, das zutiefst Wienerische daran, und das kann ich mitbringen. Ich habe die Rolle erst in Dresden, dann in Wien gesungen, immer in – ganz verschiedene – Inszenierungen eingestiegen. Dass ich das nun mit Harry Kupfer erarbeiten kann, wird auf jeden Fall sehr spannend und ich bin sehr neugierig. Schön ist ja auch, dass es ein völlig ungekürzter „Rosenkavalier“ sein wird, was die anderen zwar mehr trifft als mich – der arme Günter Groissböck hat als Ochs einen doppelt so langen Monolog wie üblich -, aber immerhin ist eine meiner Lieblingsstellen jetzt drin, wenn Faninal von der „ordinären Metzgerei!“ singt. Schön ist, was man bei ihm sprachlich alles machen kann – wenn er Ochs gegenüber „vornehm“ Hochdeutsch sprechen will und ihm das Wienerische „ins G’nack“ haut, wenn er ins Schimpfen gerät… Interessant war übrigens für mich, als ich mit der Rolle – nachdem ich sie aus der Partitur studiert habe – zu den Wiener Korrepetitoren kam und diese mich aufmerksam machten, dass es für manche Stellen eine „Wiener Tradition“ gäbe, auf die man Wert lege: Egal, ob da korrekt steht „So heirat Sie ihn als Toter!“, in Wien singt man: „So heirat Sie ihn ois a Tota!“

Es fällt auf, Herr Eröd, dass Wien für Sie eine zunehmend geringere Rolle spielt?

Ja, es hat sich einiges verändert. Natürlich ist die Staatsoper nach wie vor mein Haus, ich lebe ja auch in dieser Stadt, aber meine Anwesenheit im Rahmen eines Residenzvertrags ist geringer geworden und geht eben mit gewissen Rollen Hand in Hand. Dass man einfach als Ensemblemitglied da ist und schnell einmal einen Morales singt, das hat sich auch deshalb geändert, weil es sehr viele Angebote von anderswo gibt, die ich gerne annehme. Tokio ist so ein Beispiel: Dort gibt es eine National Opera, die unter wirklich guter Führung steht, eigene Produktionen von so gutem Niveau macht, dass immer mehr Sänger aus aller Welt gerne hinkommen, auch weil man sich dort so gut aufgehoben und bestens betreut fühlt. Die Qualität der Aufführungen ist gut, und das Publikum ist wunderbar, begeistert, aufgeschlossen und sehr kenntnisreich – die Japaner sind ja verliebt in europäische Musik. Dort werde ich nächste Saison zweimal je einen Monat lang sein, einmal für den Don Giovanni, einmal wieder für den Eisenstein.

Den „Don Giovanni“ haben Sie ja im Lauf Ihrer Karriere ein bisschen verloren, ebenso wie den Pelleas?

Den Pelleas habe ich zuerst in Linz und dann noch 2009 in Hamburg gesungen, seit dem nicht mehr, aber das liegt nicht an mir, sondern daran, dass das Werk relativ selten gespielt wird und wenn, dass man dann auf die französischen Sänger zurückgreift. Aber ich hoffe, dass vielleicht eines Tages in der Staatsoper… Den „Don Giovanni“ hatte ich 2002  an der Volksoper gemacht, damals war es eine tolle Erfahrung, ich habe aber beschlossen, die Rolle noch ein paar Jahre wegzulegen und reifen zu lassen… Aber inzwischen habe ich ihn in Houston gesungen, er kommt in Tokio und wer weiß, wo noch. Ich möchte Mozart auf jeden Fall treu bleiben, auch als Figaro-Graf, am liebsten auch als Guglielmo. Aber es ist gar nicht so einfach – ich habe darüber auch neulich mit meinem Kollegen Luca Pisaroni gesprochen. Hinter uns steht  nicht nur eine Generation junger Sänger, sondern schon zwei, die sich in diesem Fach umtun – und die wohl auch billiger sind als wir.

Und wenn man sich Ihre Pläne so ansieht, scheint es, als ob Christian Thielemann einen Narren an Ihnen gefressen hätte und Sie sehr häufig in Dresden sein werden?

Ich denke, er schätzt mich seit den Wiener „Meistersingern“ und ich war ja auch der Loge in dem Wiener „Ring“, den er dirigiert hat und wo es hinter der Bühne und bei den Proben wirklich wild hergegangen ist. Aber Thielemann kann durchaus auch flexibel sein, und ich habe gemerkt, dass er dem vertraut, was ich mache, und so kommen wir sehr gut miteinander aus. Ich werde in Dresden wieder den Faninal singen, mit Anja Harteros als Marschallin, den Olivier in „Capriccio“ mit Renée Fleming als Gräfin – sie und Thielemann sind einfach ein Herz und eine Seele – , und als Neuinszenierung den „Freischütz“. Der Ottokar ist neu für mich und keine große Rolle, aber er steht als Erster am Theaterzettel und wird auch immer hoch besetzt. Und wenn Thielemann mich will – da wird man nicht nein sagen!

Gibt es eigentlich Wunschrollen?

Sagen wir so: Es gibt Rollen, die ich singen könnte wie etwa den Wolfram im „Tannhäuser“, aber wenn ich es nicht tue, bricht die Welt nicht zusammen, und ob ich einmal Kurwenal sein kann, wird man sehen – Telramund sowieso nie, das kann ich nicht, das weiß man. Zwei Rollen, meine ich, sollten in absehbarer Zeit kommen, nämlich der Eugen Onegin und – der Danilo. Bei „Onegin“ wäre es die russische Sprache, für die man Zeit braucht, darum würde ich die Rolle nur in einer Premiere singen, wo man sie in Ruhe erarbeiten kann. Der Danilo dagegen – der ist schwer zu singen, auch wenn – oder gerade weil – man es nicht merken darf.

Das Stichwort „junge Sänger“ und „Nachwuchs“ ist gefallen, und vielfach wird die Meinung vertreten, dass Direktor Dominique Meyer in seinen Besetzungen  zu sehr auf unerfahrenen Nachwuchs setzt, der der Wiener Staatsoper noch nicht „würdig“ ist?

Als ich an das Haus kam, hatte ich meine „Provinzjahre“ in Linz hinter mir und war erst einmal für kleine Rollen vorgesehen. Aber Ioan Holender, was auch immer andere über ihn sagen mögen, hatte ein Ohr für Stimmen und er wusste auch, wie sie sich entwickeln würden, und er hat dann in dieser Hinsicht etwas riskiert. Als ich meinen ersten Rossini-Barbier singen durfte, sagten viele, es sei zu früh, aber es ging so gut, dass dann anderes folgte, dass es dann zum Beispiel der Marcello wurde anstelle des Schaunard. Aber es wäre fatal gewesen, zu schnell Rollen zu singen, für die man nicht bereit war. Es gab auch Rollen, die ich versucht und dann gelassen habe, etwa den Paolo Albiani in „Simon Boccanegra“, den ich 2004 viermal gesungen habe. Und nie wieder, weil ich eben keine Verdi-Stimme besitze. Im übrigen kann und will ich mich zur Ensemblepolitik des derzeitigen Direktors nicht äußern, weil ich, seitdem ich nicht mehr im Ensemble bin, dafür zuwenig Einblick habe und viele der jungen Sängerinnen und Sänger noch gar nicht kenne.

 

 Theiss Eroed  Eröd CD Ich und Du

 

MONICA THEISS-ERÖD

Die glückliche andere Hälfte

Die Sängerin Monica Theiss hat das Leben als Monica Theiss-Eröd gewählt, eine Ehefrau und Mutter, die daneben aber ihr künstlerisches Dasein nie aufgegeben hat und keine Minute ihre Entscheidung bereut, „dass Adrian seine Karriere machen sollte“.

Frau Theiss-Eröd, Sie haben mit Ihrem Mann Adrian Eröd eine gemeinsame CD mit dem schönen Titel „ICH UND DU“ herausgebracht, Duette von Felix Mendelssohn-Bartholdy, César Franck, Peter Cornelius, Camille Saint-Saens, Anton Rubinstein, Carl Millöcker und Wolfgang Amadeus Mozart – man wusste gar nicht, dass es so vieles für Sopran und Bariton gibt?

Es gibt sogar noch viel mehr, Adrian hat da enorm recherchiert. Manches kannten wir von gemeinsamen Liederabenden wie die Mendelssohn-Duette und das Duett aus der unbekannten Operette „Das Nordlicht“ von Millöcker, die wir oft gesungen haben, anderes war neu. Wir wollten diese CD eigentlich als Geschenk für Familie und Freunde machen, haben uns dann aber doch gedacht: Wenn schon, denn schon, dann ordentlich. Der ursprünglich vorgesehene Pianist ist zwei Mal ausgefallen, das Ganze hat sich um ein Jahr verzögert, aber dann haben wir es doch in zweieinhalb Tagen im Studio durchgezogen. Und wir haben in der Staatsoper nachgefragt und durften im Gustav-Mahler-Saal eine sehr schöne Präsentation machen, die dann auch sehr gut besucht war.

Es gab eine Monica Theiss, die u.a. bei Walter Berry studiert hat, bei Wettbewerben erfolgreich war, an der Volksoper sang, beim Studium den Kollegen Adrian Eröd kennen lernte – und…?

Wir haben geheiratet, wollten Kinder und es war klar, dass wir diese Kinder nicht allein lassen würden. Und so musste und wollte ich auch einen Schritt zurückgehen. Man könnte pathetisch sagen, dass ich „die Karriere für die Kinder zurückgestellt habe“, aber das würde klingen, als ob ich etwas bereue, und das habe ich nie getan. Als die Mädchen – sie sind heute auch schon 15 und 17 – klein waren, habe ich in der Kammeroper sogar sehr viel gesungen, später dann beispielsweise auch am Stadttheater Klagenfurt und in der Kinderoper der Staatsoper. Jetzt, wo man die Mädchen bald „loslassen“ wird, werde ich auch bestimmt versuchen, wieder mehr Oper zu singen, nachdem ich in den letzten Jahren vor allem in Konzerten und Liederabenden aufgetreten bin: Wenn ich ein Engagement in einem Landestheater bekäme, würde ich ohne weiteres zugreifen.

Verzeihen Sie, wenn man das so rüde formuliert, aber hat man als „erwachsene“ Frau in einer Welt des Jugendwahns denn überhaupt noch eine Chance?

Das ist interessant, denn ich war in letzter Zeit bei einigen Vorsingen und da waren absolut nicht nur junge Sänger, die sich beworben haben. Ich muss ja auch mein Fach ändern – ich war immer ein hoher Sopran, das klassische Blondchen, aber wenn ich jetzt die Koloraturen der Konstanze singe, passen mir die perfekt, und die muss ja nun kein junges Mädchen sein. Es wäre auch schön, eine Pamina zu singen… Aufgrund meiner Lebenserfahrung und meiner stimmlichen Reife kann ich ja inzwischen so eine Partie ganz anders interpretieren als mit Mitte Zwanzig.

Haben Sie eigentlich nie etwas wie – Eifersucht auf die Karriere des Gatten empfunden?

Nie. Adrian hat auch immer an mich geglaubt und mich immer unterstützt. Natürlich denkt man manchmal, wenn er in einer tollen Produktion mit tollen Partnern auf der Bühne steht: Mein Gott, wäre das schön, wenn man da auch dabei sein könnte. Aber das bedeutet nicht, dass ich irgendwelche bitteren Gefühle habe.

Wie schwierig ist das Leben mit Familie und einem Gatten, der in den letzten Jahren mehr und mehr in aller Welt gastiert?

Ja, in letzter Zeit war es heftig, aber wir versuchen immer, so viel wie möglich zusammen zu sein, als Adrian in Paris war, waren Schulferien, da konnten wir alle mit ihm sein, wir haben ihn auch für eine Woche in Tokio besucht, und wenn er lange Wochenenden oder mehrere freie Tage hat, kommt er nach Hause. Im Vorjahr war unsere größere Tochter ein halbes Jahr in Australien – im Zeitalter von Skype ist es leichter, Trennungen zu überwinden, es hilft wirklich, wenn man von Angesicht zu Angesicht miteinander reden kann.

Zeigen die Töchter von zwei musikalisch so schwer belasteten Eltern auch Ambitionen, Sängerinnen zu werden?

Sie sind beide sehr musikalisch und spielen Instrumente, aber diesen Wunsch haben sie noch nicht geäußert. Sie sind in dem Alter, wo sie erst langsam suchen müssen, was sie einmal tun werden. Aber es ist sehr schön, wie aufgeschlossen sie sind – als Adrian beispielsweise den Shylock im „Kaufmann von Venedig“ in Bregenz gesungen hat, waren sie ganz begeistert und haben gar keine Berührungsängste mit der „Moderne“ gezeigt.

Was machen die Eröds in ihrer Freizeit?

Adrian ist ein geradezu besessener Leser, der steht in der Straßenbahn und hat ein Buch in der Hand. Unsere größte Sorge scheint zu sein, dass wir in unserer Wohnung zu wenig Platz für Bücher haben… Wir sind auch große Wanderer, machen gerne große Touren. Adrian ist auch ein Reisender, wahnsinnig neugierig auf alles, geht in jeder Stadt, wo er gastiert, in alle Museen. Und vor drei Jahren hat er einen Urlaub für eine Tibet-Reise genützt. Er will immer alles wissen, über Menschen, Landschaft, Kultur.

 Eröd pass-casnil-medium alle Fotos: Website

Übernahme Merker-online

Dank an Renate Wagner 19.7.14

 

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