DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
Startseite
Unser Team
Impressum/Copyright
Alle Premieren 19/20
---
Kontrapunkt
Die OF-Schnuppe :-(
Der OF-Stern * :-)
Neu im Kino
Neue Silberscheiben
Neue Bücher
Oper DVDs Vergleich
Musical
-----
Aachen
Aachen Sonstige
Aarhus
Abu Dhabi
Bad Aibling
Altenburg Thüringen
Altenburg Österreich
Amsterdam DNO
Amsterdam Th. Carré
Amst. Concertgebouw
Andechs
Annaberg Buchholz
Ansbach
Antwerpen
Arnheim
Aschaffenburg
Athen
Athen Onassis Cultur
Augsburg
Avignon
Bad Hersfeld
Bad Ischl
Bad Reichenhall
Bad Staffelstein
Baden bei Wien
Baden-Baden
Badenweiler
Baku
Bamberg
Bamberg Konzerte
Barcelona
Basel Musiktheater
Basel Sprechtheater
Basel Ballett
Basel Musicaltheater
Basel Konzerte
Bayreuth Festspiele
Bayreuth Markgräfl.
Bayreuth div.
Pionteks Bayreuth
Belogradchik
Bergamo
Berlin Deutsche Oper
Berlin DO WA
Berlin Staatsoper
Berlin Staatsoper WA
Berlin Kom. Oper
Berlin Kom. Oper WA
Berlin Neuköllner Op
Berlin Konzerte
Berlin Ballett
Berlin Sonstige
Bern
Biel
Bielefeld
Bochum Ruhrtriennale
Bochum Konzerte
Bochum Sonstiges
Bologna
Bonn
Ära Weise 2003-2013
Bordeaux
Bozen
Brasilien
Bratislava
Braunschweig
Braunschweig Konzert
Bregenz Festspiele
Bremen
Bremen Musikfest
Bremerhaven
Breslau
Britz Sommeroper
Brühl
Brünn Janacek Theate
Brünn Mahen -Theater
Brüssel
Brüssel Sonstige
Budapest
Budap. Erkel Theater
Budapest Sonstiges
Buenos Aires
Burgsteinfurt
Caen
Cagliari
Casciana
Chemnitz
Chicago Lyric Opera
Chicago CIBC Theatre
Coburg
Coburg Joh. Strauss
Coesfeld
Colmar
La Coruna
Cottbus
Crevoladossola
Daegu Südkorea
Darmstadt
Dehnberg
Den Haag
Dessau
Dessau Weill Fest
Detmold
Dijon
Döbeln
Dortmund
Dortmund Ballett
Dortm. Konzerthaus
Dortmund Sonstiges
Dresden Semperoper
Dresden Operette
Dresden Ballett
Dresden Konzert
Duisburg
Duisburg Sonstiges
MusicalhausMarientor
Düsseldorf Oper
Rheinoper Ballett
Düsseldorf Tonhalle
Düsseldorf Sonstiges
Schumann Hochschule
Ehrenbreitstein
Eisenach
Ekaterinburg
Enschede
Erfurt
Erl
Erlangen
Essen Aalto Oper
Essen Aalto Ballett
Essen Aalto WA
Essen Phil NEU
Essen Philharmonie
Essen Folkwang
Essen Sonstiges
Eutin
Fano
Fermo
Flensburg
Florenz
Frankfurt
Frankfurt WA
Bockenheimer Depot
Frankfurt Sonstiges
Frankfurt Alte Oper
Frankfurt Oder
Freiberg
Freiburg
Füssen
Fürth
Fulda
Sankt Gallen
Gelsenkirchen MiR
Genova
MiR Ballett
Genf
Gent
Gera
Gießen
Glyndebourne
Görlitz
Göteborg
Gotha Ekhof-Festsp.
Graz
Graz Styriarte
Graz Konzerte NEU
Graz Sonstiges
Gstaad
Gütersloh
Hagen
Halberstadt
Halle
Halle Händelfestsp.
Hamburg StOp
Hamburg StOp Wa
Hamburg Konzert
Hamburg Sonstige
Hamm
Hanau Congress Park
Hannover
Hannover Sonstiges
Heidelberg
Heidenheim Festsp.
Heilbronn
Heldritt
Helsinki
Hildesheim TfN
Hof
Hohenems
Gut Immling
Ingolstadt
Innsbruck Landesth.
Innsbruck Festwochen
Jekaterinburg
Jennersdorf
Kaiserslautern
Karlsruhe
Karlsruhe Händel
Kassel
Kiel
Kiew
Bad Kissingen
Klagenfurt
Klosterneuburg
Koblenz
Oper Köln
Wa Oper Köln
Köln Konzerte
Köln Musical Dome
Köln Sonstiges
Konstanz Kammeroper
Kopenhagen
Krummau a.d. Moldau
Krefeld
Kriebstein
Landshut
Langenlois
Bad Lauchstädt
Leipzig Oper
Leipzig Mus. Komödie
Leipzig Ballett
Leipzig Konzert
Lemberg (Ukraine)
Leoben
Leverkusen
Lille
Linz/Donau
Linz Sonstiges
Ljubljana/Laibach
Loeben
London ENO
London ROH
London Holland Park
Lucca
Ludwigshafen
Luisenburg
Lübeck
Lübecker Sommer
Lüneburg
Lüttich/Liège
Luxemburg
Luzern
Luzern Sprechtheater
Lyon
Maastricht
Macerata
Madrid
Magdeburg
Mahon (Menorca)
Mailand
Mainz
Malta
Mannheim
Mannheim WA
Mannheim Konzert
Mannheim Opernstudio
Maribor/Marburg
Marseille
Martina Franca
Massa Marittima
Meiningen
Melbourne
Meran
Minden
Minsk
Miskolc
Modena
Mönchengladbach
MG Sonstiges
Mörbisch
Monte Carlo
Montpellier
Montréal
Moskau Bolschoi N St
Moskau Sonstige
München NT
München NT Wa
München Cuvilliés
MünchenPrinzregenten
München Gärtnerplatz
München Ballett
München Sonstige
Münster
Münster Konzerte
Münster Sonstiges
Muscat (Oman)
Nancy
Nantes
Neapel
Neuburger Kammeroper
Neuburg/Donau
Neustrelitz
Neuss RLT
New York MET
Nizhny Novgorod
Nordhausen
Novara
Nürnberg
Nürnberg Gluck Fest
Nürnberg Konzerte
Oberammergau
Oberhausen
Odense Dänemark
Oldenburg
Ölbronn
Oesede (Kloster)
OperKlosterNeuburg
Oslo
Osnabrück
Ostrau
Palermo
Paris Bastille
Paris Comique
Paris Garnier
P. Champs-Elysées
Théâtre du Châtelet
Paris Ballett
Paris Philharmonie
Paris Versailles
Paris Sonstiges
Parma
Passau
Pesaro
Pfäffikon
Piacenza
Pisa
Pforzheim
Plauen
Posen
Potsdam
Prag StOp
Prag Nationaltheater
Prag Ständetheater
Radebeul
Raiding
Recklinghausen
Regensburg
Reggio Emila
Remscheid
Rendsburg
Rheinsberg
Riga
Riehen
Rosenheim
Rouen
Rudolstadt
Ruhrtriennale
Saarbrücken
Saint Etienne
Salzburg Festspiele
Salzburg LT
Salzburg Osterfestsp
Salzburg Sonstiges
San Francisco
San Marino
Sankt Petersburg
Sarzana
Sassari
Savonlinna
Oper Schenkenberg
Schloss Greinberg
Schwarzenberg
Schweinfurt
Schwerin
Schwetzingen
Sevilla
Singapur
Sofia
Solingen
Spielberg
Spoleto
Staatz
Stockholm
Stralsund
Straßburg
Stuttgart
Stuttgart Ballett
Sydney
Szeged (Ungarn)
Tampere (Finnland)
Tecklenburg
Tel Aviv
Teneriffa
Toggenburg
Tokyo
Toulon
Toulouse
Tours
Trapani
Trier
Triest
Turin
Ulm
Utting
Valencia
Valle d´Itria
Venedig Malibran
Venedig La Fenice
Verona Arena
Versailles
Weimar
Wels
Wernigeröder Festsp.
Wexford
Wien Staatsoper
Wien TadW
Wien Volksoper
Wien Konzerte
Wien Ballett
Wien Sonstiges
Wiesbaden
Wiesbaden Wa
Wiesbaden Konzert
Bad Wildbad
Winterthur
Wolfenbüttel
Wolfsburg
Wunsiedel
Wuppertal
Würzburg
Zürich
Zürich WA
Zürich Ballett
Zürich Theater 11
Zürich Konzert
Zürich Sonstiges
Zwickau
---
INTERVIEWS A - F
INTERVIEWS G - K
INTERVIEWS L - P
INTERVIEWS Q - Y
Christian Räth
Sergey Romanovsky
Rolf Romei
Francois-Xavier Roth
Paolo Rumetz
Matti Salminen
Michael Schade
Andreas Schager
Sigrun Schell
Erwin Schrott
Tatiana Serjan
Yuval Sharon
Anja Silja
Irina Simmes
Christian Sist
Andreas Spering
Dorothea Spilger
Petra Sprenger
Michael Spyres
Annalisa Stroppa
Jens Tröster
Irina Tsymbal
Alberto Triola
Constantin Trinks
Christopher Ventris
Rolando Villazon
Klaus Florian Vogt
Michael Volle
Bernd Weikl
Tamara Weimerich
Ibrahim Yesilay
Sonja Yoncheva
Angela Maria Zabrsa
---
Bilsing in Gefahr
Herausgeber Seite
YOUTUBE Schatzkiste
NRW Vorschau
Jubiläen
HUMOR & Musikerwitze
Essay
Nationalhymnen
Leser reisen
Doku im TV
Oper im Fernsehen
Oper im Kino
Lenny Bernstein 100.
Unsitten i.d. Oper
Buckritiken alt
Wiesbaden Archiv
Christoph Zimmermann
---
---
---

 

Irina Tsymbal

erste Solotänzerin des Wiener Staatsballetts

Anlässlich des grossen Erfolges bei der „Sylphide“-Première an der Wiener Staatsoper wurde die Interpretin der Hauptrolle, Irina Tsymbal, zur ersten Solotänzerin ernannt. Die grazile Tänzerin wurde in Minsk (Weissrussland) geboren, wo sie 1997 ihr Ballettstudium an der Choreographischen Akademie abschloss. 1992 gewann sie den 1. Preis beim Ballettwettbewerb in Szczecin und den 2. Preis beim Diaghilew-Ballettwettbewerb in Moskau, 1996 den 3. Preis beim Internationalen Ballettwettbewerb in Varna, und 2000 den Sonderpreis beim Internationalen Ballettwettbewerb in Paris.

Ihr erstes Engagement erhielt sie an der Lettischen Nationaloper in Riga, 1998-2002 war sie Solistin am Litauischen Opern-und Balletttheater in Vilnius, Lettland, bevor sie bis 2005 ebenfalls als Solistin in Budapest beim Ungarischen Nationaltheater tanzte. 2004 gastierte sie mit dieser Kompanie als Mary Vetsera (Mayerling, MacMillan) in St. Pölten. 2005 wurde sie Solotänzerin des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper, ab 2010 Wiener Staatsballett, und ist seit dem 26. Oktober 2011 erste Solotänzerin. Zu ihren wichtigsten Partien gehören die Sylphide (Lacotte), Julia (Cranko), Tatjana (Onegin, Cranko), Giselle (Tschernischova), Prinzessin Maria (Der Nussknacker, Harangozo), Mary Vetsera (Mayerling, MacMillan), Anna Karenina (Eifman), Titania (Sommernachtstraum, Elo), Micaëla (Carmen, Bombana), Verlobte des jungen Dichters (Platzkonzert, Harangozo sen.), sowie Hauptpartien in Ben van Cauwenberghs „Queen“, George Balanchines „Rubies“, Jerome Robbins’ „The Concert“ und „In the Night“, Twyla Tharps „Variationen über ein Thema von Haydn“, Jiří Kyliáns „Petite Mort“ und „Bella Figura“, Myriam Naisys „Ederlezi“ und Jorma Elos „Glow – Stop“ sowie Marius Petipas Pas de deux aus „Dornröschen“ und Wassili Wainonens „Moszkowski-Walzer“. In Ivan Cavallaris „Tschaikowski Impressionen“ kreierte sie zwei Partien. Sie gastierte in Italien und beim Stuttgarter Ballett.

Mit der frischgebackenen ersten Solotänzerin sprach unsere Opernfreund-Fachkritikerin fürs Tanztheater Katharina Gebauer.

 

OF: Sie wollten ja ursprünglich gar nicht Ballerina werden, erinnere ich mich von einem Künstlergespräch? (Anm.: mit Ingeborg Tichy-Luger, Präsidentin vom Ballettclub der Wiener Staatsoper und Volksoper)

IT: Als ich in der Volksschule war, wollte ich Biologie studieren. Aber das ist schon viele Jahre her. Ich war damals zehn, als ich mich entschieden hatte, auf die Ballettschule zu gehen. Meine Mutter hat mich sehr gefördert, und das Leben hat mir nun diesen Weg gezeigt.

OF: Was Sie ja besonders auszeichnet, ist die enorme Ausdruckskraft, gerade in dramatischen Partien, wie Tatjana und Mary Vetsera, aber auch in lustigen Partien, wie die Ballerina im „Concert“ und die Bella in der „Fledermaus“. Wie bereiten Sie sich auf neue Rollen vor?

IT: Ich versuche, soviel Informationen wie möglich zu bekommen. Zum einen, wenn es Literatur dazu gibt, wie bei der Tatjana – ich habe Puschkin oft gelesen und versucht, auch zwischen den Zeilen zu lesen – vertiefe ich mich darin, zum anderen lese ich auch verschiedene Meinungen über die jeweiligen Werke, der nächste Schritt ist, dass ich mich selbst in das Werk integriere und es für mich umsetze. Für mich ist eine grosse Rolle ein langer Prozess, würde ich sagen. Viel Lesen, Bilder anschauen, sofern sie vorhanden sind -gerade bei der Sylphide habe ich mich eingehend mit Marie Taglioni beschäftigt, mit Berichten und Bildern aus dieser Zeit. Man kann es mit einem Schwamm vergleichen, der sich langsam mit Informationen aufsaugt. Und dann kommen meine Gedanken, Gefühle dazu, wie ich das Werk verstehe.

OF: Das gelingt Ihnen auch sehr gut, wenn ich z.B. an Ihre berührende Interpretation der Tatjana denke.

IT: Es war eine grosse Arbeit für mich, besonders weil ich die Tatjana zum ersten Mal sehr früh, mit 23, getanzt habe. Ich war jung, damals noch in Budapest, hatte noch nicht soviel Lebenserfahrung und auch beruflich noch nicht. Und ich erinnere mich, wie ich mit dem letzten Pas de deux gekämpft habe, weil man hierfür eine gewisse Reife braucht. Und Ivan Cavallari hat mich in dieser Zeit vorbereitet, ist vor mir gekniet und hat versucht, meine Emotionen herauszulocken. Es war wirklich harte Arbeit, und es ist auch interessant, über die Jahre zurückzublicken, wie man sich weiterentwickelt hat, weil je länger man lebt, desto mehr Schwierigkeiten erlebt man, desto mehr Krisen macht man durch, dann kann man das alles auf die Bühne bringen. Besonders beim „Onegin“ letztes Jahr hatte ich begriffen, wie man den Schluss tanzen muss. Ich hatte viel erlebt und das hat mir viel gebracht. Besonders beim Pas de deux im 3. Akt habe ich viel empfunden und konnte das in die Rolle mitnehmen. Das ist ein glücklicher Moment für die Künstler.

OF: Sie haben ja 2005 „Schwanensee“ für ein Gastspiel in Polen vorbereitet, gemeinsam mit Margaret Illmann. (Anm.: ehemalige 1. Solotänzerin des Wiener Staatsopernballetts)

IT: Ja, ich habe sie gebeten, mir bei den Vorbereitungen zu helfen, sie ist eine wunderschöne Künstlerin, Tänzerin und auch ein grossartiger Mensch. Ich hatte wirklich Glück, mit vielen tollen Leuten zu arbeiten und sie zählt zu diesen Menschen. Die Proben mit ihr werde ich nie vergessen, alles, was sie mir gesagt hat, hat mir enorm viel gegeben.

KG: Welche Tänzer oder Choreographen haben ansonsten Ihre Laufbahn geprägt?

IT: Während meiner ganzen Karriere war immer jemand da, die Wiener Staatsoper ist ja nicht mein erstes Engagement, es gab davor auch wichtige Personen. Ich kann nur sagen, hier habe ich in meiner schwierigen Zeit eine wunderbare Lehrerin kennen gelernt, sie unterrichtet in der Ballettschule St. Pölten und viele Schülerinnen von ihr sind jetzt Solistinnen an der Staatsoper. Wir haben uns zu einem Zeitpunkt kennen gelernt, wo es mir nicht gut ging, und sie war und sie ist eine besonders wichtige Person in meinem Leben, ich bin sehr dankbar um ihre Freundschaft. Sie heisst Schyda Mubaryakova. Sie hat meinen beruflichen Werdegang sehr beeinflusst, ich hatte genau das gefunden, was ich gesucht habe.

OF: Welche Partien tanzen Sie am liebsten? Gibt es Präferenzen, ob eher dramatische Partien, oder lustige, oder ganz klassisch, oder modern?

IT: Die traditionelle Frage *lacht*. Es ist so eine Stempelfrage. Ich müsste da länger ausholen. Ich fühle mich jeder Rolle, die ich tanze, so nahe, es bedeutet mir jedes Mal viel, wenn ich in den Vorbereitungen für eine Rolle bin. Es ist immer sehr emotional. Man kann es mit einer Schwangerschaft vergleichen. Man trägt das Kind in sich, man gibt dem Kind Leben, es ist ein langer Prozess. Und in dem Moment, wo man eine Rolle vorbereitet, entsteht etwas Neues. Und wenn jemand mich fragt, welche Rolle ist Ihre Lieblingsrolle, dann kann ich nur sagen, bei Rolle x hatte ich das erlebt, da gab es diese Schwierigkeiten, bei Rolle y waren es andere Herausforderungen, aber Rolle z liebe ich auch total. Jede Rolle, die man neu einstudiert, ist ein Schritt vorwärts. Genau wie im Leben. Unser Beruf IST unser Leben, das wird jeder Tänzer bestätigen. Das heisst, dass alles zusammenhängt, man entwickelt sich in den Rollen weiter, aber auch im Leben. Daher würde ich sagen, mir sind generell dramatische Rollen am liebsten, wie Mary Vetsera oder Tatjana.

OF: Auch die Julia war ganz phantastisch.

IT: Julia auch! Aber auch die lustigen Partien, wie z.B. die Ballerina im „Concert“ haben mir echt Spass gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lustig sein kann. Ich dachte zuerst, ich bin zu langweilig für diese Partie. Aber dann war das für mein Herz so eine natürliche Sache, ich musste gar nicht gross übertreiben. Wahrscheinlich habe ich einfach komisches Talent. Jetzt ist jede Rolle für mich schön zu tanzen. Ich bin dankbar dafür, dass ich so ein Glück in der Karriere hatte und viele Partien tanzen kann. Sylphide war etwas Besonderes, das war ein sehr grosser Schritt für mich. Ich kann allerdings sagen, welche Partie ich gerne einmal tanzen würde, die Kameliendame. Das würde ich wirklich gerne einmal tanzen.

OF: Sie haben sich ja in den 6 Jahren in Wien schon ein breitgefächertes Repertoire aufgebaut, wie z.B. Balanchine, Cranko, MacMillan, Nurejew, Tschernischova, Robbins und jetzt eben Lacotte. Welche Choreographien tanzen Sie am liebsten?

IT: Das ist schwer zu sagen. Die Choreographien sind so unterschiedlich, und die Möglichkeit, das alles zu probieren, zu tanzen, ist ein Erlebnis. Es ist für die Tänzer so toll, verschiedene Choreographien zu tanzen, es ist eine tolle körperliche Erfahrung, in jede Richtung, ich kann nicht sagen, welcher Stil mir am liebsten sind, jeder von den eben genannten Choreographen hat einen grossen Namen in der Ballettwelt. Ich würde keinen Vorschlag machen, was jetzt besser ist, es ist nicht nötig, weil sie alle toll sind. Und ich bin eine einfache Tänzerin, das sind grosse Choreographen, ich kann nicht darüber diskutieren, das ist eine andere Sphäre. Ich kann nur mit grossem Respekt sagen, danke, dass ich das tanzen darf. Die ganze Welt hat schon entschieden, dass das wichtige Werke bzw. Persönlichkeiten sind.

KG: Aber z.B. von „Romeo und Julia“ haben Sie ja zwei verschiedene Choreographien getanzt, damals in Weissrussland und hier die Cranko-Version, wie war das?

IT: Es waren zwei verschiedene Interpretationen. Jeder hatte seine Vision von dem Ballett. Es war in Weissrussland meine erste Julia, mit 20 Jahren, ich wollte sie unbedingt tanzen, ich war noch sehr jung und sagte mir, warum sollte ich bis 30 warten, wenn ich schon alt bin – in dieser Zeit fand ich, mit 30 bin ich schon sehr alt – und dieses Ballett war sehr emotional, und Jelisarjew ist ein phantastischer Choreograph, er hat sich seinen Namen gemacht, und in Weissrussland sehr populär. In seiner Choreographen gibt es sehr schöne Elemente, es war toll, dies zu tanzen. Auch die Cranko-Version ist wunderschön, sie erfordert nicht nur eine solide Technik, sondern man muss auch darstellerisch etwas ausdrücken. Und er hat genau die richtige Mischung von Tanz und Ausdruck gefunden, das ist wichtig für das Publikum. Aber es ist so eine Geschmackssache, welche Choreographie jetzt am besten ist, ein guter Vergleich wäre jemand trägt lieber rote Hemden, der andere lieber schwarze.

OF: Wie war das für Sie, die Sylphide einzustudieren, auf welche technischen Elemente haben Sie sich besonders konzentriert?

IT: Ich habe diese Version der Sylphide erst auf Video gesehen mit Aurélie Dupont, mir ist gleich aufgefallen, dass ihre Technik ganz anders ist, als diejenige, welche ich gelernt habe. Die russische Technik unterscheidet sich enorm von der französischen Technik. Ich habe begriffen, dass ich mir diese neue Technik aneignen muss, und daran habe ich gearbeitet. Ich wollte alles perfekt machen. Es war eine hervorragende Zusammenarbeit mit Manuel Legris, er hat mir soviel geholfen, ebenso Elisabeth Platel, ich habe sehr viel auch von Pierre Lacotte gelernt, es war wirklich eine tolle Arbeit. Ich habe viele Stunden im Ballettsaal verbracht, nicht nur in den regulären Probezeiten, sondern auch alleine. Ich bin oft früher im Ballettsaal gewesen und als Letzte gegangen. Langsam, wie in der Schule, Schritt für Schritt perfektioniert. Der Anfang war schwer, dann ging es leichter, und ich habe mich weiterentwickelt.

OF: Gerade bei der Sylphide konnte der Zuschauer sehen, wie sehr Sie Ihre Technik perfektioniert haben, das war eine wirklich grandiose Leistung!

IT: Ich hoffe, dass es auch weiter so funktioniert. Nach einer Woche Pause ist es schwer, wieder reinzukommen. Wenn man in der Routine nonstop arbeitet, wird man zwar müde, aber man muss weitermachen. Aber der Körper braucht auch ab und an seine Ruhe, wir sind alles nur Menschen. Für mich ist es nach jeder Pause mühsam, wieder reinzukommen.

OF: Welche Schuhmarke verwenden Sie?

IT: Freed. Seitdem ich in Wien bin, bekomme ich immer die Schuhe der Marke Freed, sie haben meine Füsse gemessen und mit dieser Marke funktioniert es am besten. Spitzenschuhe sind zwar generell nie bequem, diese Belastung des Fusses ist schon gegen die Natur. Ich habe zuerst mit Bloch versucht, aber diese Schuhe sind für meine Füsse zu hart.

OF: Die Margaret Illmann hat ja auch mit Freed getanzt.

IT: Ich weiss. Und sie hat tolle Füsse! Was macht sie jetzt?

OF: Soweit ich weiss, hat sie eine Zeitlang Ballett unterrichtet, jetzt ist sie Physiotherapeutin.

IT: Ja, es ist schon Zeit zu überlegen, was man später macht. Ich denke schon seit 2 Jahren darüber nach. Das ist normal. Das Leben eines Balletttänzers ist kurz, irgendwann kommt der Moment, wo man aufhören muss.

OF: Ich könnte mir vorstellen, dass Sie in 15-20 Jahren eine ganz tolle Lady Capulet darstellen würden.

IT: Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Die Alexandra Kontrus war ja eine phantastische Lady Capulet. Und immer wenn wir gemeinsam getanzt haben, meinten viele, ich könnte ihre Tochter sein, weil wir einander so ähnlich sehen. Alexandra Kontrus ist eine sehr starke Persönlichkeit mit einer enormen Ausdruckskraft. Es ist so wichtig, wenn man die Lebenserfahrung auch mit auf die Bühne bringen kann. Das ist auch ein Geschenk von Gott, wenn man das kann.

OF: Eine klassische Frage, wie viele Paar Spitzenschuhe verbrauchen Sie  im Jahr?

IT: Das ist schwer zu sagen. Es kommt natürlich immer darauf an, welche Partien man tanzt. Mit Sylphide habe ich vermutlich mein Pensum für diese Saison schon verbraucht, es ist so viel Fussarbeit, die Schuhe müssen weich und leise sein und nach einer Probe kann man sie schon wegschmeissen.

OF: Nun noch die letzte Frage: Wie sieht ein Arbeitstag von einer ersten Solotänzerin aus?

IT: 10h ist Trainingsbeginn, ich wärme mich davor schon selbst auf. Dann wird für die jeweiligen Stücke geprobt, es kommt darauf an, in welchen man dabei ist und ob abends Vorstellung ist. Und wenn etwas noch nicht gut genug ist, trainiere ich abends noch für mich selbst weiter. Es ist viel Arbeit, und natürlich ist man danach müde. Am Wochenende habe ich Zeit für meinen Mann. Eine wichtige Lehrerin hat mir gesagt: Irina, je älter du wirst, desto mehr musst du arbeiten. Wenn man jung ist, macht der Körper viel mehr mit. Und gerade bei Tänzern merkt man es noch viel früher. Ausser man hat von Natur aus einen Körper, der mehr aushält.

OF: Liebe Frau Tsymbal, vielen herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Copyright aller Bilder: Wiener Staatsballett / Axel Zeininger

 

 

 

 

 

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de