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JENS TRÖSTER

Chefdirigent der Neuen Philharmonie Frankfurt

 

 

DS:
Herr Troester, wo liegen die Schwerpunkte der Neuen Philharmonie Frankfurt?

JS:
Das Orchester besteht derzeit aus 64 Musikern und hat verschiedene Schwerpunkte:
CrossOver, das sind Produktionen, in denen wir Klassik und Rock/Pop mischen. Hierzu können wir dann unsere eigene Band zur Unterstützung nutzen und wir greifen auch auf Sänger zurück, mit denen wir regelmäßig arbeiten. Die einzelnen Werke werden jeweils für Orchester und Band speziell arrangiert, oft von mir oder von anderen Arrangeuren.
Wir haben z.B. Länder-Programme, so hat unser nächstes Programm eine musikalische Rundreise durch Europa zum Thema. Wir sind da vorrangig in Städten im Bundesgebiet unterwegs und spielen vielfach Open Air.
Dann buchen uns große Stars für ihre Auftritte als Tournee-Orchester, wie z.B. David Garrett, dessen Hauptorchester wir sind oder auch José Carreras. Wir gastieren in vielen großen Konzerthäusern, z.B. in der Elbphilharmonie oder der Berliner Philharmonie, aber auch in der O2-Arena oder in der Arena von Verona.
Und dann haben wir noch unsere kleine Reihe von vier Symphoniekonzerten in Hanau.
Seit Beginn diesen Jahres bin ich der Chef-Dirigent dieses Orchesters.

DS:
Spielen Sie die Symphoniekonzerte auch in anderen Städten?

JT:
Wir sind da dran! Gegenwärtig sind wir mit einigen Städten in Gespräch. Das muss sich entwickeln.

DS:
Wäre nicht auch die sog. „Leichte Muse“ ein interessanter Schwerpunkt, Stichwort: Operette?

JT:
Ich war 13 Jahre fest am Theater engagiert. Zunächst als Repetitor, dann als Studienleiter, dann als zweiter Kapellmeister, als erster Kapellmeister und schließlich als kommissarischer GMD. Das waren meine Stationen und da habe ich auch viel Operette gemacht. Das ist sehr anspruchsvolle Musik und auch rein dirigentisch durchaus fordernd. Dafür braucht es eine hohe Flexibilität. Das hat mir viel Spaß gemacht. Bei den Operetten-Festspielen in Neustrelitz dirigierte ich Produktionen „Der Vogelhändler“ und „Die lustige Witwe“.

Wir möchten uns an unserem neuen Standort Hanau als Orchester dieser Stadt fest etablieren. Dazu gibt es einige PR-Aktionen. Wir werden mit einem Büro erreichbar und sichtbar sein. Und natürlich wollen wir auch hier unsere Konzertaktivitäten ausbauen. Hanau hat uns da bisher vorbildlich unterstützt.


DS:
Schauen wir auf Ihre Biographie, Herr Troester! Wollten Sie schon immer Dirigent werden?

JT:
Ja! Meine Eltern sind keine Musiker, meine Mutter war Lehrerin, mein Vater war in der Werbung aktiv. Mein Geschwister und ich lernten alle Klavier. Ich bin gebürtiger Offenbacher, in Frankfurt aufgewachsen und dazu viel umgezogen. So gab es Lebensabschnitte in Wien, in New York, in Köln, was dem Beruf meines Vaters geschuldet war. Meine Eltern waren eifrige Konzertgänger. Und wir Kinder kamen mit. Mein erstes erlebtes Konzert war ein Symphoniekonzert beim Hessischen Rundfunk mit dem Dirigenten Frans Brüggen. Ich kann mich deshalb noch sehr gut daran erinnern, weil ich bei der Anreise im Auto einen derart intensiven Hustenanfall bekam, der mich bis zum Ende des Konzertes begleitet hat. Ich war gerade mal sechs Jahre alt, als ich mit hochrotem Kopf während des Konzertes versuchte, meinen Husten im Zaum zu halten.

Fasziniert war ich immer von den Orchesterkonzerten und dem jeweiligen Dirigenten.
Und bereits als achtjähriger Junge stand ich mit der Stricknadel meiner Mutter in der Hand vor der Stereoanlage, Kopfhörer auf und dazu eine meiner Lieblings-Symphonien von Beethoven. Ich erhielt intensiven Klavierunterricht und absolvierte auch Wettbewerbe, z.B. „Jugend musiziert“. Aber der Weg des Pianisten war niemals mein Weg. Es sollte der Dirigent sein. Dazu gibt es aber auch eine Affinität zum Grafik-Design, so war durchaus auch für mich der Weg in die Werbung ein vorstellbarer Gedanke. Ich schreibe und male sehr gerne.

Schlussendlich war der Wunsch des Dirigenten dann doch stärker! Es folgte meine Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Köln und habe sie nicht bestanden. Das war sehr gut. Die damalige Jury erkannte, wo der 18jährige Jens Troester stand und rieten mir, zunächst ein Instrument zu studieren.

In Detmold begann ich dann mit einem Klavier Studium bis zum künstlerischen Diplom. Ich lernte gründlichst, über Musik zu reflektieren. Eine sehr gute Basis.
Dann hatte ich Glück, weil es in Detmold erstmals eine Dirigierklasse an der Hochschule bei Prof. Harder gab. Dort wurde das Handwerk von der Pike auf vermittelt. Nach zwei Jahren meldete sich mein Interesse an einem Aufenthalt in den USA zurück. Der Ausbildungsstandard an den dortigen Hochschulen ist sehr hoch. Das reizte mich. So war dann meine Bewerbung an der Hochschule in Bloomington erfolgreich, neben der Juilliard School, zählt sie zu den besten Musikhochschulen des Landes, und mein Professor, Imre Palló, war ein wunderbarer Lehrer.
In Bloomington gab es mehrere Symphonieorchester und dazu für die Studenten ein eigenes Opernhaus mit 1.400 Plätzen. Hier wurden und werden große Opernwerke einstudiert, sechs Stücke pro Saison. Ich habe dort u.a. „Wozzeck“, „Arabella“, „La Bohème“, „Die Liebe zu den drei Orangen“, „Suor Angelica“ und „Gianni Schicci“ gemacht.
Das hat mich fit gemacht für meine erste Aufgabe an einem deutschen Theater. Ich begann seinerzeit dann als Repetitor in Kiel.
DS:
Sie entschieden sich dann für die Theaterlaufbahn?

JT:
Ich habe ganz klassisch von Grund auf alles gelernt und die verschiedenen Positionen verantwortet. Mit half dabei enorm meine praktische Erfahrung, so dass ich mich schnell in den Betrieb einfügen konnte. Ich schätze sehr die hierarchische Struktur des Theaters, weil sie sehr effizient ist. Die Arbeitsabläufe funktionieren und das schon seit Jahrhunderten.

DS:
Sind Sie eher ein Opern- oder ein Konzertdirigent?

JT:
Das ist eine gute Frage. Ich sehe mich in keiner Schublade. Es ist eher der Musikbetrieb, der uns so einordnet.
Ich bin immer noch ein Operndirigent. Ich halte diese Sparte für die Königsdisziplin im Dirigierberuf, weil die Logistik von Operndirigaten so viel anspruchsvoller ist. Ich muss unterschiedliche Räume zusammenhalten, Bühne und Orchestergraben koordinieren. Ständig passiert etwas, ein falscher Einsatz etc., das empfand ich sehr spannend. Das verlangt Handwerk und außerordentliche Wachheit, die Sie so beim Konzert nicht derart zwingend bereitstellen müssen.
Die Konzerte sind viel feiner. Fehler passieren dort sehr selten und natürlich ist man beim Konzert deutlicher auf dem „Präsentierteller“. Die interpretatorische Arbeit unterscheidet sich nicht in den einzelnen Sparten.
Natürlich war es spannend, als kommissarischer GMD in Altenburg/Gera große Opernproduktionen und Konzerte zu leiten.

Alle Dirigenten wollen GMD werden, weil sie dann selbst das Repertoire verantworten. Das ist ein großer Anreiz!

DS:
Wäre denn eine Position als GMD für Sie heute noch attraktiv?

JT:
Oh ja!

Dennoch ist es für mich auch eine dankbare Erfahrung zu sehen, wie mich die Freiberuflichkeit weiter entwickelt hat. Ich kann mich viel besser, gründlicher vorbereiten und dann ist das Ergebnis mit den jeweiligen Orchestern natürlich entsprechend anders. Ich arbeite viel genauer, effizienter und bin dadurch schneller am Kern, was zu proben ist.


Als Dirigent hatte ich schon immer einen starken Service-Gedanken in mir. Ich versuche immer klarer zu erkennen, was ein Orchester vom Dirigenten benötigt. Und das ändert sich von Stunde zu Stunde, wenn Sie mit dem Orchester arbeiten. Zunächst gibt es eine Orientierungsphase beim ersten Durchspielen. Dann die Phase, was drücken wir musikalisch aus? Ich möchte immer den Musikern, die vor mir sitzen und sehr gut ausgebildet sind, einen optimalen Rahmen zur Entfaltung bieten. Die Musiker sollen sich maximal entfalten können. Dazu benötigen sie u.a., dass ich ihnen die Sicherheit dazu gebe und kein Diktat ausagiere. Daher dirigiere ich heute komplett anders.

Vor zwanzig Jahren war ich viel extrovertierter, ausgelassener. Heute bin ich viel freier und habe nicht mehr das Bedürfnis, alles zeigen zu müssen, insbesondere dann nicht, wenn ich in den Proben gut gearbeitet habe.

Wenn ich einem Musiker einen Einsatz geben, dann verstehe ich diesen als Einladung und nicht als Vorgabe.

DS:
Was ist der Dirigent für seine Musiker?

JT:
Der Dirigent ist für seine Musiker der Spiegel. Wenn der Musiker meine Energie spürt, fühlt er sich eingeladen und motiviert, selbst zu gestalten.

Ich war und bin auch immer offen für Rückmeldung, weil wir miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Der Dirigent hat es in der Hand, ein Orchester zu beflügeln.

DS:
Welche Vorbilder haben Sie?

JS:
Mein Lieblingsdirigent ist Carlos Kleiber. Als Teenager war es Leonard Bernstein, dieses schwitzende, sich hingebende Allround-Genie, den ich sehr bewunderte.
Irgendwann wurde ich Kleiber Fan, weil er ein großartiger Musiker war. Wenn er dirigierte, dann traf er immer den Kern. Kleiber verzichtete auf allen Effektzauber. Dann wiederum seine Möglichkeit, in der Phrasen-Entwicklung maximale Freiheit zu geben. Er ließ die Orchester einfach spielen. Wunderbar!

DS:
Sie sind auch Komponist?

JT:
Richtig. Ich komponiere sehr gerne und leidenschaftlich Filmmusik. Und natürlich freue ich mich, dass ich nun, bedingt durch meine Freiberuflichkeit, hierzu vielmehr Gelegenheit habe, mich dieser für mich so wichtigen Aufgabe intensiv zu widmen. Beim Komponieren sind Sie ganz bei sich. Und es ist von großem Reiz, hier die komplette Kontrolle zu haben.

DS:
Gibt es ein Credo für Sie?

JT:
Weitergehen! Nicht stehen bleiben!

DS:
Vielen Dank für das offene Gespräch!

 

Foto (c) Mike Bender

Das Interview führte Dirk Schauß.

 

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