DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
Startseite
Unser Team
Impressum/Copyright
Alle Premieren 19/20
---
Kontrapunkt
Die OF-Schnuppe :-(
Der OF-Stern * :-)
Neu im Kino
Neue Silberscheiben
Neue Bücher
Oper DVDs Vergleich
Musical
-----
Aachen
Aachen Sonstige
Aarhus
Abu Dhabi
Bad Aibling
Altenburg Thüringen
Altenburg Österreich
Amsterdam DNO
Amsterdam Th. Carré
Amst. Concertgebouw
Andechs
Annaberg Buchholz
Ansbach
Antwerpen
Arnheim
Aschaffenburg
Athen
Athen Onassis Cultur
Augsburg
Avignon
Bad Hersfeld
Bad Ischl
Bad Reichenhall
Bad Staffelstein
Baden bei Wien
Baden-Baden
Badenweiler
Baku
Bamberg
Bamberg Konzerte
Barcelona
Basel Musiktheater
Basel Sprechtheater
Basel Ballett
Basel Musicaltheater
Basel Konzerte
Bayreuth Festspiele
Bayreuth Markgräfl.
Bayreuth div.
Pionteks Bayreuth
Belogradchik
Bergamo
Berlin Deutsche Oper
Berlin DO WA
Berlin Staatsoper
Berlin Staatsoper WA
Berlin Kom. Oper
Berlin Kom. Oper WA
Berlin Neuköllner Op
Berlin Konzerte
Berlin Ballett
Berlin Sonstige
Bern
Biel
Bielefeld
Bochum Ruhrtriennale
Bochum Konzerte
Bochum Sonstiges
Bologna
Bonn
Ära Weise 2003-2013
Bordeaux
Bozen
Brasilien
Bratislava
Braunschweig
Braunschweig Konzert
Bregenz Festspiele
Bremen
Bremen Musikfest
Bremerhaven
Breslau
Britz Sommeroper
Brühl
Brünn Janacek Theate
Brünn Mahen -Theater
Brüssel
Brüssel Sonstige
Budapest
Budap. Erkel Theater
Budapest Sonstiges
Buenos Aires
Burgsteinfurt
Caen
Cagliari
Casciana
Chemnitz
Chicago Lyric Opera
Chicago CIBC Theatre
Coburg
Coburg Joh. Strauss
Coesfeld
Colmar
La Coruna
Cottbus
Crevoladossola
Daegu Südkorea
Darmstadt
Dehnberg
Den Haag
Dessau
Dessau Weill Fest
Detmold
Dijon
Döbeln
Dortmund
Dortmund Ballett
Dortm. Konzerthaus
Dortmund Sonstiges
Dresden Semperoper
Dresden Operette
Dresden Ballett
Dresden Konzert
Duisburg
Duisburg Sonstiges
MusicalhausMarientor
Düsseldorf Oper
Rheinoper Ballett
Düsseldorf Tonhalle
Düsseldorf Sonstiges
Schumann Hochschule
Ehrenbreitstein
Eisenach
Ekaterinburg
Enschede
Erfurt
Erl
Erlangen
Essen Aalto Oper
Essen Aalto Ballett
Essen Aalto WA
Essen Phil 2
Essen Phil 1
Essen Folkwang
Essen Sonstiges
Eutin
Fano
Fermo
Flensburg
Florenz
Frankfurt
Frankfurt WA
Bockenheimer Depot
Frankfurt Sonstiges
Frankfurt Alte Oper
Frankfurt Oder
Freiberg
Freiburg
Füssen
Fürth
Fulda
Sankt Gallen
Gelsenkirchen MiR
Genova
MiR Ballett
Genf
Gent
Gera
Gießen
Glyndebourne
Görlitz
Göteborg
Gotha Ekhof-Festsp.
Graz
Graz Styriarte
Graz Konzerte NEU
Graz Sonstiges
Gstaad
Gütersloh
Hagen
Halberstadt
Halle
Halle Händelfestsp.
Hamburg StOp
Hamburg StOp Wa
Hamburg Konzert
Hamburg Sonstige
Hamm
Hanau Congress Park
Hannover
Hannover Sonstiges
Heidelberg
Heidenheim Festsp.
Heilbronn
Heldritt
Helsinki
Hildesheim TfN
Hof
Hohenems
Gut Immling
Ingolstadt
Innsbruck Landesth.
Innsbruck Festwochen
Jekaterinburg
Jennersdorf
Kaiserslautern
Karlsruhe
Karlsruhe Händel
Kassel
Kawasaki (Japan)
Kiel
Kiew
Bad Kissingen
Klagenfurt
Klosterneuburg
Koblenz
Oper Köln
Wa Oper Köln
Köln Konzerte
Köln Musical Dome
Köln Sonstiges
Konstanz Kammeroper
Kopenhagen
Krummau a.d. Moldau
Krefeld
Kriebstein
Landshut
Langenlois
Bad Lauchstädt
Leipzig Oper
Leipzig Mus. Komödie
Leipzig Ballett
Leipzig Konzert
Lemberg (Ukraine)
Leoben
Leverkusen
Lille
Linz/Donau
Linz Sonstiges
Ljubljana/Laibach
Loeben
London ENO
London ROH
London Holland Park
Lucca
Ludwigshafen
Luisenburg
Lübeck
Lübeck Konzerte
Lübecker Sommer
Lüneburg
Lüttich/Liège
Luxemburg
Luzern
Luzern Sprechtheater
Lyon
Maastricht
Macerata
Madrid
Magdeburg
Mahon (Menorca)
Mailand
Mainz
Malta
Mannheim
Mannheim WA
Mannheim Konzert
Mannheim Opernstudio
Maribor/Marburg
Marseille
Martina Franca
Massa Marittima
Meiningen
Melbourne
Meran
Minden
Minsk
Miskolc
Modena
Mönchengladbach
MG Sonstiges
Mörbisch
Monte Carlo
Montpellier
Montréal
Moskau Bolschoi N St
Moskau Sonstige
München NT
München NT Wa
München Cuvilliés
MünchenPrinzregenten
München Gärtnerplatz
München Ballett
München Sonstige
Münster
Münster Konzerte
Münster Sonstiges
Muscat (Oman)
Nancy
Nantes
Neapel
Neuburger Kammeroper
Neuburg/Donau
Neustrelitz
Neuss RLT
New York MET
Nizhny Novgorod
Nordhausen
Novara
Nürnberg
Nürnberg Gluck Fest
Nürnberg Konzerte
Oberammergau
Oberhausen
Odense Dänemark
Oldenburg
Ölbronn
Oesede (Kloster)
OperKlosterNeuburg
Oslo
Osnabrück
Ostrau
Palermo
Paris Bastille
Paris Comique
Paris Garnier
P. Champs-Elysées
Théâtre du Châtelet
Paris Ballett
Paris Philharmonie
Paris Versailles
Paris Sonstiges
Parma
Passau
Pesaro
Pfäffikon
Piacenza
Pisa
Pforzheim
Plauen
Posen
Potsdam
Prag StOp
Prag Nationaltheater
Prag Ständetheater
Radebeul
Raiding
Recklinghausen
Regensburg
Reggio Emila
Remscheid
Rendsburg
Rheinsberg
Riga
Riehen
Rosenheim
Rouen
Rudolstadt
Ruhrtriennale
Saarbrücken
Saint Etienne
Salzburg Festspiele
Salzburg LT
Salzburg Osterfestsp
Salzburg Sonstiges
San Francisco
San Marino
Sankt Petersburg
Sarzana
Sassari
Savonlinna
Oper Schenkenberg
Schloss Greinberg
Schwarzenberg
Schweinfurt
Schwerin
Schwetzingen
Sevilla
Singapur
Sofia
Solingen
Spielberg
Spoleto
Staatz
Stockholm
Stralsund
Straßburg
Stuttgart
Stuttgart Ballett
Sydney
Szeged (Ungarn)
Tampere (Finnland)
Tecklenburg
Tel Aviv
Teneriffa
Toggenburg
Tokyo
Toulon
Toulouse
Tours
Trapani
Trier
Triest
Turin
Ulm
Utting
Valencia
Valle d´Itria
Venedig Malibran
Venedig La Fenice
Verona Arena
Versailles
Weimar
Wels
Wernigeröder Festsp.
Wexford
Wien Staatsoper
Wien TadW
Wien Volksoper
Wien Konzerte
Wien Ballett
Wien Sonstiges
Wiesbaden
Wiesbaden Wa
Wiesbaden Konzert
Bad Wildbad
Winterthur
Wolfenbüttel
Wolfsburg
Wunsiedel
Wuppertal
Wuppertal TE
Würzburg
Zürich
Zürich WA
Zürich Ballett
Zürich Theater 11
Zürich Konzert
Zürich Sonstiges
Zwickau
---
INTERVIEWS A - F
Ablinger-Sperrhacke
Martin Achrainer
Laura Aikin
Aris Agiris
Roberto Alagna
Marion Amman
André Barbe
Sebastian Baumgarten
Tanja Baumgartner
Piotr Beczala
Andreas Beck
Giuliano Betta
Olga Bezsmertna
Nic. Beller-Carbone
Mizgin Bilmen
Marcus Bosch
Florian Boesch
Susanne Braunsteffer
Michelle Breedt
Daniel Brenna
Ingela Brimberg
Irina Brook
G. Garcia Calvo
Frederic Chaslin
Max Emanuel Cencic
Arturo Charcón-Cruz
Jorge De Leon
Almerija Delic
Joyce DiDonato
Johanna Doderer
Oliver von Dohnanyi
Agneta Eichenholz
Peter Eötvös
Eheleute Eröd
Hila Fahima
Daniela Fally
Gabriel Feltz
Gerald Finley
Nikisha Fogo
Juan Diego Florez
Julie Fuchs
INTERVIEWS G - K
INTERVIEWS L - P
INTERVIEWS Q - Y
---
Bilsing in Gefahr
Herausgeber Seite
YOUTUBE Schatzkiste
NRW Vorschau
Jubiläen
HUMOR & Musikerwitze
Essay
Nationalhymnen
Leser reisen
Doku im TV
Oper im Fernsehen
Oper im Kino
Lenny Bernstein 100.
Unsitten i.d. Oper
Buckritiken alt
Wiesbaden Archiv
Christoph Zimmermann
---
---
---

DANIEL BRENNA

Interview mit Daniel Brenna, dem Siegfried der „Ring“-Trilogie im Theater an der Wien am 4. Dezember 2017

Im Café Museum: Vor mir sitzt der jugendlich - ja, genau wie der junge Siegfried - wirkende Daniel Brenna aus Wisconsin in den USA, der in diesem Monat den Siegfried in der „Ring“-Trilogie im Theater an der Wien verkörpert. Gleich kommt er auf seine Begeisterung an der theatralischen Seite des Operngesangs zu sprechen: „Ich bin ein Bühnentier, und am glücklichsten, wenn ich auf der Bühne stehe. Die Verbindung von Schauspiel und Singen ist das, was ich am liebsten mache. Es muss echt, emotional und authentisch sein, zum Herzen gehen…“ So sind seine Vorbilder in diesem Sinne John Vickers sowie Maria Callas und Leonie Rysanek, James King vom stimmlichen Klang her.

1. Wie hat alles begonnen?

Mit 2 Jahren fing ich an, für ein Kirchenpublikum als Solist zu singen. „Meine Mutter hat mich ans Klavier gestellt und singen lassen.“ Er kommt aus einer musikalischen Familie. Die Mutter ist Pianistin, Laiensängerin und Chorsängerin, der Vater war Pastor und auch Sänger, auch die beiden Schwestern singen. Er war immer im Kirchenchor, auch sang er im Schulchor und später im Universitätschor. Mit 9 oder 10 Jahren sang er in seiner ersten Oper, „Amahl and the night visitors“ von Menotti, den Amahl, einen boy soprano, ein Knabensopran, in einer Kirche in Wisconsin. Es gab zwei Vorstellungen. In einer hat das kleine Orchester sich verspielt, ja sie hörten auf zu spielen, und er sang einige Seiten a capella und guckte das Orchester böse an „Was macht ihr??“ Dann fanden sie die richtige Stelle wieder und spielten weiter. Er wurde in die sog. „Young Performers Hall of Fame“ berufen… Dadurch bekam er die Möglichkeit auf eine Kinderchorreise durch Europa zu gehen, aber seine Mutter sagte „Nein, Du gehst nicht weg, so berühmt bist Du nicht!“

Er wollte aber immer etwas Internationales machen. So hat er an der Universität Betriebswirtschaftslehre, Internationale Beziehungen und Französisch studiert. Er wollte aber nicht Sänger werden, hatte nur einfach immer gesungen, aus Spaß. Im 3. Studienjahr ging er in die Musikbibliothek und fand einen dicken LP-Band „Richard Tucker in Memoriam“. Die Stimme hat mich sofort berührt, ich hörte alle vier oder sechs Platten an. Ich habe geweint, dass diese Stimme existierte und ich sie nie auf der Bühne erleben würde können“. Daraufhin kaufte er eine CD mit Pavarotti und Sutherland mit Duetten, von der er ebenfalls begeistert war. Als er dann hörte, dass es sich hierbei nicht nur um Gesang sondern auch um Schauspiel, um Musiktheater drehte, war er völlig fasziniert. Er hatte bis dahin außer der Menotti-Oper in seiner Kindheit nie eine Oper gehört.

2. Beginn des Musikstudiums

Das war wohl Daniels Geburtsstunde für die Oper! Nun nahm er das Musikstudium mit Anfang 20 an der Boston University auf. Nebenbei ein bisschen gesungen, ohne großen Erfolg, eher aus Leidenschaft. „Man hat mich damals immer als leichten Tenor geführt.“ Er selbst dachte, dass er vielleicht ein Rossini-Tenor sein könnte. Aber seine diesbezüglichen Versuche blieben ohne jeden Erfolg. „Ich sagte zu mir, Schluss mit Tenor, ich werde Bariton“. Die Lehrer meinten aber, er sei zwar ein Bariton, aber seine Passaggi seien Tenor, ein Tenor mit Farbe. So war er in einem Niemandsland, nicht alt genug für seine Stimme. Erst mit 40 Jahren ging letztlich alles zusammen, als Heldentenor. In seinem ersten Engagement als Chorist und für eine kleine Rolle bei einem Festival am Operntheater St. Luis zur Zeit seines Masters mit etwa 25 sagte man ihm „Sie haben eine Stimme, eine Bühnenpräsenz. Sie sind gut mit Sprachen, spielen gut. Wir glauben im Moment, dass Sie ein Spieltenor sind, oder ein Charaktertenor.“

3. Rückschritte = Fortschritt

Das hat ihn sehr traurig gemacht. „Die Stimme, die ich in meiner Seele hatte, war nicht ein Charaktertenor. In der Seele war immer der Siegmund, der Cavaradossi, der Canio.“ Also sagte er: „Lieber aufhören!“ Und er hörte auf! Auch zu studieren. Das war wohl auch gut für seinen Kehlkopf, der nun für ein paar Jahre Ruhe hatte. Nun ging er an die Wall Street als executive assistant eines Vize-Präsidenten und man wollte, dass er als Aktienhändler weiter machte. Da kam der verhängnisvolle Tag 9/11, den er aus seinem Büro aus einem Nebengebäude erlebte und der ihn mit der anschließenden Flucht in den Battery Park zur Fähre nach Staten Island, wo er wohnte, traumatisierte. Fast alle, die er kannte, hatten später Bronchitis- und Lungenprobleme. Er wollte Wall Street verlassen. Er war so unglücklich dort, was er aber erst erkannte in dem Moment von Leben und Tod, der sich an den Twin Towers abspielte. „Ich muss wieder glücklich sein, muss wieder singen, ich will nicht unglücklich sterben.“ Er konzentrierte sich nun auf sein Musikstudium. Bis 2004 arbeitete er zwar zum Broterwerb noch weiter, studierte aber gleichzeitig. 2004 ging er nach Deutschland und versuchte, einen Lehrer zu finden, zunächst erfolglos. Über Freunde kam er später auf Judith Natalucci in New York, die er auf Reisen dorthin immer wieder besuchte. Von ihr lernte er vor allem Technik.

4. Erste Engagements

Er bekam 2004 ein erstes Engagement in Gelsenkirchen im Theater im Revier mit Verdis „Attila“, die Rolle des Foresto, der aber keine Glanzpartie für ihn war, eher für eine Donizetti-Stimme geeignet, aber 15 Vorstellungen über eine Spielzeit und somit einen längeren Aufenthalt in Deutschland erlaubte. Er lebte sich hier gut in dieser Zeit ein. Dann kam er zum „Phantom der Oper“ in Essen, die Rolle des Ubaldo Piangi für ein Jahr, etwa 6 Mal pro Woche! Aber er wollte der Opernwelt beweisen, dass er kein Musical-Sänger sondern ein Opernsänger ist, und so kam er nach Görlitz. Denen gefiel seine Aussprache in Deutsch beim Vorsingen für „Die verkaufte Braut“ nicht. Dennoch, eine Woche vor der Premiere bat man ihn einzuspringen. In drei Tagen lernte er die Rolle auswendig und war in der Folge ein Jahr dort fest engagiert. Hier sang er bereits zum ersten Mal den Siegmund im 1. Aufzug „Walküre“ und den Eisenstein in „Die Fledermaus“. „Diese Rolle erlaubte mir, an anderen Häusern in Deutschland, u.a. in Regensburg, Essen, Münster, aber auch in anderen Ländern einzuspringen.“

5. „Moses und Aron“ – der Durchbruch!

Eines Tages fragte ihn seine Agentur, ob er Schönbergs „Moses und Aron“ kenne. „Nein, aber ich sah mir die Noten an und sagte: Ich mache das!“ Innerhalb weniger Wochen lernte er die Rolle des Aron und gastierte damit beim Festival von Miskolc 2010, sein erster internationaler Auftritt in seinem neuen Fach. Mit der Rolle wurde er im Mai 2011 gleich an die Oper Zürich gerufen - in Stagione unter Christoph von Dohnányi. Ingo Metzmacher war in der Premiere und erkundigte sich anschließend bei von Dohnányi über Daniel Brenna. Daraufhin bekam er das Angebot vom Castingdirektor der Salzburger Festspiele, dort 2012 den Desportes in „Die Soldaten“ zu singen.

Und weiter: „Die Met kam zu einer Vorstellung der „Soldaten“ und suchte einen Tenor für den Alwa in „Lulu“. Sie gaben mir ein Angebot, zum Vorsingen nach New York zu kommen. Meine Agentur bat auf meinen Wunsch aber darum, vor dem Alwa mit dem Waldweben aus Wagners „Siegfried“ zu beginnen, meine Lieblingsmusik. Nur um die Bühne aufzuwärmen…“ Er sang das Waldweben. Da kam von hinten auf einmal James Levine, in einem Rollstuhl. „Entschuldigung, Herr Brenna, wollen Sie ein bisschen mehr „Siegfried“ singen?“ „Ja, sehr gern, was möchten Sie hören? Ich liebe den Dialog Siegfrieds mit dem Waldvogel und den Monolog „Heiß ward mir von der harten Last!“ Statt einzelner Szenen durfte er ab hier den ganzen Rest des 2. Aufzugs singen, der Pianist gab den Waldvogel! „Ich war so glücklich. Wenn man mich auch nicht für Lulu engagierte, ich habe tatsächlich Siegfried auf der Met-Bühne gesungen – das kann mir keiner mehr nehmen!“ Dann sang er die Arie des Alwa, wohl recht gut, und es wurde seine beste Erfahrung mit einem Vorsingen in seinem Beruf bisher. „Die Met-Bühne ist zauberhaft.“ Er sang den Alwa dann 2015 an der Met und bekam auch noch ein Angebot für den Laca in „Jenufa“ in der Folgesaison, welches er 2016 realisierte.

Gerade wurde die in HD mitgeschnittene Aufführung der „Lulu“ an der Met vom 21. November 2015 zur Wahl der besten Opernaufnahme für die 60. Annual Grammy Awards nominiert. Der Preis wird im Rahmen der Grammy-Zeremonie am 28. Januar 2018 verkündet werden.

6. Wann kam er zu Wagner, und wie steht er zu seiner Musik?

Seinen ersten jungen Siegfried sang Daniel Brenna bereits beim Festival in Longborough 2011. Im Jahre 2013 gastierte er mit Siegmund und Siegfried an der Opéra de Dijon in einer verkürzten „Ring“-Fassung, die ich miterlebte und über die ich im damaligen Merker berichtete. 2014 sang er den Siegfried auch an der Staatsoper Stuttgart. 2013 hatte er dort schon den Tambourmajor im „Wozzeck“ gesungen. 2016 sang er den jungen Siegfried und zum ersten Mal auch den „Götterdämmerung“-Siegfried an der Washington National Opera in Washington D.C. und im selben Jahr den Siegfried auch mit dem Sinfonieorchester Odense und den „Götterdämmerung“-Siegfried bei den Wagner Tagen im Musikpalast MÜPA Budapest. Und schließlich nun beide Siegfriede im Theater an der Wien in der „Ring“-Trilogie von Tatjana Gürbaca. Er sprang aber auch schon für einen Siegmund in Kiel ein.

Hinzuzufügen ist noch, dass er den Alwa 2015 auch an der Nederlandse Opera Amsterdam gab und den Desportes 2014 an der Staatsoper München sowie 2015 an der Scala di Milano.

Als Musiker begeistern Daniel Brenna Wagners Harmonien und Leitmotive, in denen so viel Psychologie steckt. „Wagners Musik ist unfassbar intelligent, ihre Entwicklung, die „endlose Melodie“. Jedes Mal muss er bei Sieglindes Orchesterleitmotiv, dem Motiv der Mutterliebe im Finale der „Götterdämmerung“, also nach dem Zusammenbruch der alten Welt, weinen. Da ist er als Siegfried ja schon tot und kann konzentriert zuhören… Hier zeigt sich Daniels besonderer emotionaler Zugang zu Wagner, den er für einen großen Visionär hält.

7. Wie sieht er die Wiener „Ring“-Trilogie?

Ganz besonders interessiert und berührt ihn in dieser Produktion Siegfrieds Beziehung zu seinen Eltern Siegmund und Sieglinde, die hier mit neuen Facetten gezeigt wird. „Siegfried sehnt sich nach den Eltern“. In dieser Inszenierung erlebt er, wie Brünnhilde seine Mutter wegbringt, er erlebt den Tod des Vaters. In „Brünnhilde“ zeigt diese ihm seine Eltern, die sich dann wieder verlieren. Das Thema berührt Daniel auch deshalb so stark, da er den eigenen Vater und einen Bruder (nach sechsjährigem Koma) bei einem schuldlosen Verkehrsunfall verlor, als er erst 2 Jahre alt war. Er war der einzige Unverletzte, seine Mutter und zwei Schwestern überlebten mit Verletzungen.

8. Wie fühlt er sich bei seinem dreimonatigen Aufenthalt in Wien?

Daniel Brenna ist ein Architekturfan und bewundert deshalb diese Stadt ganz besonders. Es ist alles ganz anders als in Essen, wo er länger lebte und im 2. Weltkrieg nahezu alles zerstört wurde. Ihn interessieren besonders die Gebäude der K.-u.-k.-Monarchie. Er erlebte eine reibungslose Zusammenarbeit mit dem „Ring“-Team. „Alle sind unkompliziert und wollen Wagner so gut wie möglich dienen und streben dabei einen besonderen Perfektionismus an. Wagner ist der Divo!“

9. Kommende Engagements

Gleich nach dem Wiener „Ring“ reist Daniel Brenna nach Hongkong, um mit der dortigen Philharmonie unter Jaap van Zweden den Siegfried in „Götterdämmerung“ zu singen. Konzerte sind hier am 18. und 21. Januar 2018.

In Bilbao debutiert er am 17., 20. und 23. Februar als Herodes in „Salome“.

In San Francisco ist er dann wieder der Siegfried im „Siegfried“ am 15., 22. und 29. Juni sowie in der „Götterdämmerung“ am 17., 24. Juni und 1. Juli 2018.

Nach diesem interessanten Gespräch und der Begeisterung und Authentizität, mit der Daniel Brenna in seinem Sängerdarsteller-Beruf zu Hause ist, kann man ihm nur alles Gute für den weiteren Weg wünschen!

Klaus Billand, 14.12.2017

Fotograf: Scott Suchman

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de