DER OPERNFREUND - 51.Jahrgang
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DIE SOPRANISTIN REBEKKA SUSANNE BRÄM

Aus der Reihe "Sieben Fragen"

Foto @ kathrinhirzelphoto.ch

 

Im Rahmen meiner neuen Interview-Reihe „7 Fragen an…“ beginne ich heute mit der gebürtigen Zürcherin Rebekka Susanne Bräm. Die Sopranistin, die in Karlsruhe Gesang, Gesangspädagogik und Schulmusik studierte, hatte immer das Ziel als Opernsolistin tätig zu sein. Trotz ihres Erfolgs mit einer ersten Opernrolle, übte sie nach ihrer Rückkehr in die Schweiz verschiedene berufliche Tätigkeiten aus, u.a., als Chorverstärkung am Opernhaus Zürich. Zudem hat sie nebenher auch immer unterrichtet. Seit einigen Jahren gibt sie Liederabende und hat letztes Jahr an einem Solistenwettbewerb in Italien teilgenommen. Ihr Ziel ist weiterhin sich als Opernsolistin zu etablieren, was sie mit Zielstrebigkeit verfolgt. Durch unseren Kontakt auf Facebook, in dem wir uns über die aktuelle Situation der Kunstschaffenden, insbesondere auch der freischaffenden Künstler, austauschten, reifte in mir der Gedanke, mit ihr diese neue DAS OPERNMAGAZIN – Interview-Reihe zu starten. Und was sie zu sagen hat, ist von Interesse und dürfte ganz sicher auch stellvertretend für viele betroffene Künstlerinnen und Künstler so stehen.

 

Welche Termine und Pläne mussten Sie absagen bzw. verschieben?

(RSB): Einerseits hatte ich geplant Kontakte im Ausland zu treffen, unter anderem um zu netzwerken und auch für konkrete berufliche Planung, andererseits habe ich angefangen ein paar andere klare Schritte zu unternehmen, und es fällt mir privater Gesangsunterricht aus. Die Treffen waren teils schon länger vorgesehen. Geschlossene Grenzen machen das Planen nun sehr schwierig. Planen geht auch sonst gerade überhaupt nicht, weil viele im Kulturbereich Arbeitende auch gerade in der Luft hängen und nicht wissen, wann und wie es weitergeht.

 

Daneben fielen sechs Vorstellungen ‚Otello‘ am Opernhaus Zürich aus, wo ich noch einmal als Chorverstärkung eingeteilt war. Geplant habe ich aber, ab jetzt nur noch solistisch weiterzugehen, das ist eigentlich schon lange überfällig. Ich wollte immer solistisch tätig sein, konnte mir aber Karriere mit zwei kleinen Kindern nicht vorstellen. Jetzt sind sie grösser, und ich habe mir die letzten Jahre Schritt für Schritt Zeit und Raum zurückgeholt, mein Solodasein wieder aufgebaut und habe zwei Hände frei für mich und meinen Beruf.

 

2- Sind Sie durch eine Versicherung gegen diese Ausfälle geschützt?

(RSB): Durch die Art, wie ich für die Auftritte eingestuft war, war ich bisher nicht versichert. Ich habe jedoch alles in irgendeiner Form Verdiente durch diese Tätigkeit immer angegeben, das kommt mir jetzt sehr zugute.

Die Situation ist in der Schweiz etwas anders als ich es damals in Deutschland erlebt habe, und es war mir anfangs nicht ganz klar, wie stark ich mich in der Schweiz selbst informieren und absichern muss. Auch hatte ich von einer Opernsängerin in meinem Bekanntenkreis den Satz im Ohr: „Wenn Du eine Chance bekommst, musst Du einfach zupacken“ und wehrte daher Zweifel ab. Ich wusste, wie schwierig es ist überhaupt den Fuss auf die Bühne zu bekommen. Es bringt nichts, wenn man anfangs aufrechnet und sich Bühnenerfahrung verspielt. Die Erfahrung, die ich bekommen habe ist sehr viel wert, und es gab mir die Möglichkeit auf der Bühne zu sein, beste Dirigenten und Regisseure zu erleben und trotzdem Zeit für meine zwei Kinder zu haben. Man muss in diesem Beruf manchmal sehr pragmatisch vorgehen. Aber genau darin liegt ein Aspekt, der ausnützbar ist.

Ich hätte früher reagieren sollen und Dinge klarer formulieren. Im Nachhinein ist man immer klüger. Die Krise hat mir jetzt auch Zeit gegeben rechtliche Dinge zu klären, die mich als freiberufliche Sängerin betreffen. Ich bin als selbstständige Opernsängerin registriert für die ganze Zeit, die ich diesen Beruf schon ausübe. Hier gibt es aber Graubereiche, wo selbstständige und unselbstständige Tätigkeit gern individuell ausgelegt wird. An diesen Themen sind die Berufsverbände aktiv dran und setzen sich für alle Freischaffenden Künstler*innen ein. 

 

3- Finden Sie, dass die Theater/Intendanten in dieser Krise einheitlich (gut) gehandelt haben?

(RSB): Ich finde dies schwierig insgesamt zu beurteilen. Ich bin Künstlerin, keine Leitungsperson und nicht Finanzmensch. Ein Opernbetrieb ist gross, und es hängen sehr viele Branchen und Mitarbeitende dran. Bezüglich Opernhaus Zürich und Chor kann ich sagen: die Leitung hat sehr schnell und konstruktiv gehandelt und ist auf diverse Fragen aus dem Chor eingegangen. Sie haben sofort eine Task Force eingerichtet und stehen seit Beginn der Krise in direktem Kontakt mit dem Bundesamt für Gesundheit. Sie informieren intern in regelmässigen Abständen über die Entwicklung der Krise sowie über weitere angeordnete Massnahmen, die sie vom Bund erhalten oder die sie entschieden haben.

 

4- Haben Sie Vorschläge/Ideen, wie künftige Krisen für Freelancer/od. Ensemble, rechtlich abzusichern sind?

(RSB): In Krisen zeigt sich ja häufig, wo vorher schon Mängel waren. Ich glaube, man hat gewisse Dinge in dieser Branche einfach viel zu lange nicht hinterfragt. Theater und Opernhäuser sind aus einer höfischen Kultur entstanden, also aus hierarchischen Strukturen heraus. Es ist ja ein komplexes System, da hängen Ämter dran, verschiedene Menschen. Man kann nicht einfach schnell an einer Ecke etwas korrigieren, es muss ja dann wieder für alle und an allen Ecken stimmen. Da sind jetzt die entsprechenden Fachpersonen gefragt zu untersuchen, wo möglicherweise überalterte Strukturen nie auf die aktuelle Arbeitnehmer- und Bildungslandschaft angepasst wurden.

Dann denke ich, dass es ganz wichtig ist, dass die Gesellschaft versteht und akzeptiert, dass viele Künstler*innen diese Tätigkeit nicht als Hobby ausüben, sondern dass sie über lange Jahre hinweg für diesen Beruf ausgebildet wurden. Auch vom Künstlerstudium haben viele Menschen wenig Ahnung. Ein künstlerisches Studium ist kein Studium, bei dem man sich wie an der Universität in den Vorlesungssaal setzt und sich vor allem Wissen aneignet. Es ist ein sehr praktisches, intensives Studium, das einher geht mit andauernder Selbstreflexion, viel praktischer Arbeit, hoher Selbstverantwortung, auch Tränen und Unsicherheiten. Krisen gehören in diesem Beruf einfach dazu, das ist vielleicht ein Grund, warum viele Freischaffende Künstler*innen dann zu lange aushalten. Wir alle wissen, dass Erfolg nicht selbstverständlich ist, deshalb halten viele von uns viel aus, manchmal zu viel und zu lange.

Menschen sind verschieden krisenresistent, man kann nicht alles absichern, aber ich finde es sehr wichtig, dass wenn Künstler*innen um ihre Rechte kämpfen, sie Gehör bekommen und auch nicht um Verlust von Engagements fürchten müssen. Gerade in der Schweiz sind zum Beispiel die Rechte von Frauen im Beruf allgemein immer noch sehr dürftig, Zurückhaltung wird vermeintlich als Tugend bewertet, und Menschen, insbesondere Frauen, die auf ihre Rechte pochen, geraten schnell ins Abseits. Häufig findet hier eine Verdrehung statt: wer nicht aushält gilt als schwach, doch dies ist schlichtweg falsch. Hier muss auch wirtschaftlich ein Umdenken stattfinden und erkannt werden, dass es professionell und stark ist für seine Rechte einzustehen.

Auch finde ich es wichtig, dass Bezahlung und Sozialabsicherung an einem Arbeitsort nicht davon abhängig sind, ob man noch andere Tätigkeiten hat oder einen Partner, der verdient. Wir stehen alle mit der gleichen Leistung und dem gleichen Einsatz und voller Konzentration auf der Bühne, auch wenn wir verschieden sind, die Umstände ausserhalb eines Bühnenbetriebs sollten nicht über Einteilung oder Lohn entscheiden.

Bei Freiberuflern kommen Zusatzausgaben wie zum Beispiel Fahrt-, Hotel-, Materialkosten, Kosten für Korrepetition, PR und Konzertkleidung dazu sowie selbstständige Einstudierzeit, dies gehört in die Berechnung der Entlöhnung dazu. Auch Ausbildungen müssen anerkannt werden, unbedingt, beim Lohn und bei der Absicherung. Profis haben ein anderes Wissen, vertiefte Erfahrung und ein vertieftes Verständnis für Musik, auch wenn dies aufs erste nicht immer direkt wahrnehmbar ist. Dies muss mit eingerechnet werden und ihnen der entsprechende Respekt entgegen gebracht werden. Ansonsten geht dies auf die Stimme – Stimmen sind filigran – und letztendlich geht es auf die Seelen.

Ganz allgemein: Transparenz, Ehrlichkeit und Professionalität sind das A und O. Dann haben fachliche Kompetenz und somit Qualität wieder Vorrang.

 

5- Finden Sie die Solidarität unter Ihren Kollegen-Innen angemessen?

(RSB): Jetzt in der Krise, steht ja alles still. Ich bin kein Cliquen-Mensch, arbeite viel zu Hause oder gehe spazieren. Ganz allgemein erlebe ich die meisten Musiker*innen sehr solidarisch. Wenn Leute intrigieren gegen mich, nehme ich es nicht persönlich und versuche, es so gut es geht zu ignorieren. Dort kommen mir mein pädagogisch-psychologisches Wissen und meine Unterrichtserfahrung zugute. In der Musikerwelt kommt dazu, dass Menschen aus der ganzen Welt zusammen arbeiten. Dies ist etwas Wunderschönes. Diese Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Systemen, Mentalitäten und Traditionen. Doch teils sind sie sehr obrigkeitshörig erzogen worden und halten je nach Charakter daran fest. Gerade in internationalen Teams ist es wichtig, dass sich Arbeitnehmer nicht gegenseitig erziehen, wie man mit Chefs umgehen soll oder darf und was man ansprechen darf und was nicht und dass die ortsüblichen Traditionen Vorrang haben. Es ist wichtig, dass jeder sich selbst sein darf, und es gehört zur sozialen Kompetenz dazu Eigenarten auch gegenseitig zu akzeptieren. Künstler lassen sich nun einmal nicht in „so macht man das“-Formate pressen. Das ist auch gut so und wichtig, denn es ist das, was Künstler*innen letztendlich ausmacht.

 

6- Was kann die Fachpresse in dieser Krise leisten, bzw. was sollte sie leisten?

(RSB): Von der Fachpresse erwarte ich ganz allgemein Sachlichkeit und Fachkompetenz, wenn es zum Beispiel um Opernkritiken geht, sowie auch den Mut kritisch zu sein. Die Dynamik, die aktuell bei Opernkritikern entsteht, ist sehr speziell, in sehr schöner Weise. Ich hätte nie damit gerechnet, dass so viele Journalisten und Kritiker sich in solcher Weise äussern, wie wichtig ihnen Kultur ist und so aktiv miteinander diskutieren, was gut und was schief läuft und sich auch aktiv hinter uns Künstler*innen stellen. Ich habe die letzten Jahre etwas darunter gelitten, dass die Musikwelt immer mehr beschattet wurde von Preisen und Wettbewerben, manchmal in einer Menge, bei der nicht mehr klar war, ob es wirklich noch um die musikalische Qualität und um das Musikerlebnis ging oder mehr um Prestige. Wenn man alles schönreden muss, kann man die Kritik gleich weglassen. Keine Performance ist perfekt, und letztendlich soll Kritik vor allem ehrlich sein dürfen. Es gibt Kritiker, deren Kritiken wie eine eigene Kunstform wirken. Dies muss man zulassen, sonst zwängt man Kritiker und Kunst zusammen in ein Korsett. Die aktuelle Ungewissheit in dieser Krise, die uns alle trifft, lässt Selbstverständlichkeit verschwinden. Dies bringt Wert-Schätzung zurück, die hoffentlich über die Krise hinaus bleibt und Qualität in der Klassikkultur neu verankert.

 

7- Wie geht es Ihnen in dieser besonderen Zeit ganz persönlich?

(RSB): Ich habe vor allem immenses Glück, dass ich aktuell nicht um den Lebensunterhalt bangen muss. Daneben ist bis darauf, dass ich nicht planen kann, vieles gleich geblieben. Zum Beispiel, dass ich viel zu Hause arbeite, selbstständig. Dass mein Arbeitstag nicht acht Stunden hat, sondern Beruf und Privatleben ineinander fliessen. Wenn die Stimme kommt, übe ich weiter, wenn sie gerade nicht will, schiebe ich eine andere Arbeit dazwischen. Gesangsunterricht habe ich abgesagt, das Internet bietet nicht die Voraussetzungen, die beim Gesangsunterricht notwendig sind. Es wäre fahrlässig, Gesangsunterricht ist eine sehr ganzheitliche Sache, ich muss den Schüler live spüren, es braucht viel Einfühlungsvermögen, vieles läuft auf intuitiver Ebene ab. Dass ich nicht richtig planen kann und die derzeitige Ungewissheit, dass Korrepetition gerade nicht geht, das stresst mich.

Gleichzeitig nutzen immer mehr Freischaffende Sänger*innen die Krise, machen den Mund auf und bringen Missstände und unfaire Bedingungen dieses Berufsstandes auf den Tisch. Diese Dynamik ist lange überfällig und sehr positiv. Insofern erlebe ich eine grosse Erleichterung, weil ungerechte Strukturen, die ich seit Jahren versucht habe auf den Tisch zu bringen, teils unter heftigen Angriffen aus dem Umfeld, jetzt durch diese Krise an die Oberfläche kommen.

Jede Krise ist auch eine Chance, nicht nur für uns Künstler*innen. Wenn mir ein Opernkritiker schreibt „Diese Maske ist so unbequem, aber mir haben noch nie so viele Menschen direkt in die Augen geschaut“, dann finde ich dies etwas ganz Wunderbares. Sowas berührt, schafft Inspiration… Wir brauchen das Publikum, wir brauchen Menschen, die offen und sensibel sind für Kunst und klassische Musik und das, was berührt!

Kunst braucht Publikum

  

Detlef Obens / 3.5.2020

Besonderer Dank an unsere Freunde vom OPERNMAGAZIN

DER OPERNFREUND  | opera@e.mail.de